
Caleb Shomo hät sein unglaubliches Tempo weiter durch und veröffentlicht nach etwas mehr als zweieinhalb Jahren nach „Surface“ und dem dazu unermüdlichem Getoure schon sein sechstes Album mit BEARTOOTH. Dabei hat der Mann, der einst bei ATTACK! ATTACK! Seine ersten Ausrufezeichen setzt mit dem erfolgreichen Post-Hardcore Projekt das Zepter komplett in der Hand, schreibt und recorded alles in Eigenregie, kann sich aber natürlich auf eine eingespielte Live-Truppe verlassen.
„Pure Ecstasy“ heißt das Teilt, bringt alles mit, was man an BEARTOOTH liebt, aber wieder neue Facetten. Wie schon zuvor, präsentiert auch dieses Album ungeschönt und ungefiltert den seelischen und geistigen Zustand des Künstlers, dem es wohl noch nie so gut ging, wie seit dem Start dieser Band.
Caleb wagte einen rieseigen Schritt und outete sich mit der Hitsingle „Free“, zeigte sich im dazugehörigen Video als schwarz-bunter Vogel samt geschminktem Gesicht – also endlich als er selbst. Starker Move, den auch Nathan Gray vor einigen Jahren durchzog und viele Menschen inspirierte. Doch kommen wir zu dem Track.
Leichte Melancholie trifft auf Hoffnung bei den einleitenden Akustik-Klängen, Caleb klingt sehnsüchtig und schon setzt der erste Hook ein: „Thought it was a halo over me – Had me by the neck, so hard to breathe Could it be?- I’m free, I’m free – I’m Running to the light so you can see – Every single fucked up of piece of me“, und man sieht und hört, es bleibt tiefgründig und doch bohrt sich der Track lockerflockig ins die Ohren und lädt zum Mitträllern ein. Etwas Mathcore und wütende Metallic-HC Elemente zeigen dann doch die innere Zerrissenheit.
Doch zurück zum Start. Der Titeltrack leitet wütend, bedrohlich und düster mit stampfendem Groove ein, doch im Refrain darf man schwelgen und seine Sehnsüchte, Probleme, oder was auch immer, rausbrüllen. Das sommerliche „Eyes Closed“ hätte sowohl am Vorgänger als auch am Debüt Platz gefunden, „Bullshit“ zeigt sich als Challenge und schwerverdaulicher Hymne des kreativen Kopfs samt überraschend experimentellen Parts.
Aber auch wenn man im Verlauf immer wieder auf bekannte Trademarks trifft und sich immer heimisch fühlt, so zeigt sich der Mix aus Stadion-Post-Hardcore-Hymne und Powerballade in Form von „Sorry“ als Überraschungshit, bei „Lose You To Find Me“ wird es fast pop-rockig und bei „You“ meint man, Shomo hätte komplett den Verstand verloren, aber auf positive Weiße. Verrückt gesprochene Vocals treffen auf psychedelische Parts, wütenden Metal samt BlastBeats und dann wieder verträumte Vocals. Ein Tour-de-Force, die das Genie im Songwriting, aber auch an den Instrumenten zeigt. Das liegt vielleicht auch daran, dass er dieses Mal Live-Kollegen Connor Denis mit ins Studio für die Drum-Aufnahmen ließ.
So tight klang BEARTOOTH bisher noch nicht, der Sound ist stark, aber noch roh und kantig genug und der Bandboss hast stimmlich auf allen Ebenen nochmal zugelegt. Und so könnte man „Pure Ecstasy“ als das intensivste, dynamischte und überraschendste Album der Geschichte dieses Ausnahmeprojektes sehen. Wer die Vorgänger mochte, wird dieses Werk lieben.
Autor: Max Wollersberger
Tracklist „Pure Ecstasy“:
1. Pure Ecstasy
2. Eyes Closed
3. Bullshit
4. Beautiful Again
5. Stadiums
6. Free
7. Sorry
8. Lose You To Find Me
9. You
10. For Me By Me
11. I Made It
Gesamtspielzeit: 38:23
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