Die WASTED MANIACS sind ein Trio aus dem Ruhrpott und das hört man. Zwischen Thrash, Heavy Rock und weiteren Genres machen die Jungs ihrer Heimat alle Ehre. Nachdem wir uns von ihrem aktuellen Werk „Night Of The Maniacs“ uns begeistern ließen, baten wir Sänger und Gitarrist Nick Santias zum spannenden Dialog.
Hey Nick, wie läuft es aktuell, kurz nach dem Release eures neuen Albums „Night Of The Maniacs“? Und wie ist das Feedback bisher?
Hey Max, erst mal danke, dass wir dabei sein dürfen. Bislang eigentlich sehr positiv, sowohl von den Fans als auch von der Presse. Wir sind auch selbst sehr zufrieden mit dem Ergebnis, zumal das komplett in Eigenregie lief: Produktion, Aufnahmen und Vinylauflage – alles ohne Label. Gemischt und gemastert wurde die Platte von Petar Bratanov (Peppinio Records).
Könnt ihr kurz etwas zu den WASTED MANIACS sagen, für diejenigen, die euch noch nicht kennen?
Wir sind zu dritt aus Gelsenkirchen unterwegs – Kris an den Drums, Thomas am Bass und ich (Nick) an Gitarre und Gesang – und machen seit 2022 Musik für Old-School-Maniacs, die es mal dreckig auf die Ohren haben wollen und vor allem gerne Party machen und sich nicht zu ernst nehmen.
Ihr habt euch bei uns gemeldet und einen Mix aus Ruhrpott Heavy Metal, MOTÖRHEAD und MÖTLEYCRÜE erwähnt. Ich habe da aber auch sehr schnell guten alten Thrash Metal herausgehört. Habt ihr da auch bewusste Idole oder Einflüsse?
Oh ja, definitiv. Da ist unser Drummer Kris einer derjenigen, die in der Band die Thrash-Richtung vorgeben. Er ist selbst ein riesiger Bay-Area-Thrash-Maniac: EXODUS, TESTAMENT oder auch OVERKILL von der anderen US-Küste etc. Ich denke, das passiert alles unbewusst. Man hat ja seine Einflüsse schlechthin und macht einfach.
Und eine der besten Umschreibung für unseren Musikstil, die uns zuletzt Gabriel vom Bambi Galore – ein Metalclub in Hamburg – (liebe Grüße in die Hansestadt!) gegeben hat, war: „MOTÖRHEAD on Crack!“
Idole: Schwierige Frage, aber ich glaube, jeder Musiker will für einen Tag Lemmy sein – Rock’n’Roll-God halt. Ich kenne zumindest keinen, der ihn nicht vergöttert, und ich denke, vor allem ist das seiner Ehrlichkeit – musikalisch und menschlich – zu verdanken.
Gab es da eine bestimmte Marschrichtung beim Schreiben der Songs oder seid ihre eine Old-School Proberaum Band, die mal drauflosarbeitet?
Das passiert meistens so, dass ich mit einem halbwegs fertigen Song zum Proberaum gehe, der ungefähr eine gewisse, grobe Struktur hat. Und dann wird’s interessant: Dann fangen Thomas, Kris und ich an, daran zu tüfteln. Im Arbeitsprozess werden bestimmte Teile rausgenommen, durch andere ersetzt oder landen bei anderen Songs, wenn sie gut genug sind.
Rein von der Improvisation im Raum sind, glaube ich, schon ein paar Ideen zusammengekommen, aber die muss man natürlich im Nachhinein in Ruhe aussortieren und verarbeiten. Die Texte kommen als Letztes dran. Bei manchen Songs mussten wir während der Gesangsaufnahmen noch einiges umschreiben und anpassen.
Am besten funktioniert bei uns auch folgende Formel: Songs zusammenbauen – bis zur nächsten Probe sacken lassen, sich die Demo von der Probe anhören, den Song noch mal anzocken und entscheiden, was man besser machen muss oder ob man ihn einfach so lässt. Und natürlich den Song live ausprobieren, um zu testen, ob er tatsächlich live-tauglich ist und gut beim Publikum ankommt.
Wir haben zum Beispiel Songs von der ersten Platte, die wir nicht mehr live spielen. Ich denke nicht, weil die schlecht sind, sondern einfach, weil sie live nicht so gut wie andere funktionieren.
Kling absolut spannend, wie ihr das angeht. Gibt es Songs, die ihr ob der Lyrics, Entstehungsgeschichte oder anderen Gründe jeweils hervorheben möchtet?
Ja, und zwar die Mädchensongs auf der Platte:
„Downtown Sally“ gibt es als Person tatsächlich – eine Hardcore-Junkie Dame aus Essen mit traurigen Lebensumständen.
„Toxic Jane“ erzählt von einer toxischen Beziehung, die man zu einer Frau wie zu einer Droge hat, ohne die man nicht kann, sie zugleich mehr liebt und sich selbst dafür ein bisschen hasst. Der ist für mich sehr persönlich.
„Beautiful Killer“: Den Songtext und die Melodie hatte ich aus einer früheren Band von mir. Ich habe ihn komplett umgeschrieben und an die Liebesgeschichte eines Kumpels angepasst.
Erwähnenswert wäre natürlich auch „Blackout“. Den widme ich der legendären Blackout-Party bei uns im Turock Essen. Ich habe ihn tatsächlich nach einer wilden Nacht bei der Party geschrieben.
Also habt ihr eine Linie oder spezielle Einflüsse durchwegs durch die Teste?
Vorrangig geht es um die eigenen Erfahrungen, die man mit Menschen auf Partys und auf Tour gesammelt hat – also doch um echte Geschichten.
Selbst bei Tracks wie „Three Days Drinking“, wo man vielleicht oberflächlich meinen könnte, dass es nur ums Saufen geht, ist das alles tatsächlich passiert. Ich zitiere mal eine Zeile aus dem Song:
„Three days drinking in a row. No more thinking, no sleep at all. Cops at the door, don’t stop, don’t stop. Gimme something, gimme more. Hardcore, hardcore and wasted.“
Das mit den Bullen ist mir persönlich schon mal vor Jahren passiert, glücklicherweise ohne große Konsequenzen.
Die Tracks wirken stark, als wären sie für die Bühne geboren!
Danke, dass du das so ansprichst. Das war und ist immer unsere Intention beim Songwriting: Die Tracks müssen, wie ich schon bei der Frage davor sagte, live-tauglich sein.
Es sind jede Menge Banger dabei, mit mehr Speed, Thrash, auch viel Punk bei uns wie immer, aber auch Songs mit getragenem Tempo wie zum Beispiel „Love Terminator“. Man muss schon eine gewisse Balance für die Live-Show finden, tempomäßig zum Beispiel, und etwas Abwechslung reinbringen. Das ist sehr wichtig.
Hauptsache, das Publikum im Bann halten und es immer wieder mit der einen oder anderen Kleinigkeit überraschen, die man so vielleicht nicht erwartet. Wie zum Beispiel in unserem Song „Death Race“: Da ist ein Ska-Part an den Drums, was für manche Metaller ein No-Go ist, bei uns aber funktioniert und, wenn man so will, als gewollter Gag gedacht ist.
Was wären eure Traum an Headlinerband, die ihr auf Tour supporten möchtet? Und gibt es auch eventuell weniger bekannte Tour-Partner-Optionen, die ihr empfehlen könnt?
Oh, da gibt es jede Menge Bands, zu denen wir, glaube ich, musikalisch ganz gut im Vorprogramm passen würden. ANVIL, EXCITER, RIOT V von den klassischen Bands. NIGHT DEMON, STALLION, MIDNIGHT, ENFORCER AMBUSH, BULLET – aktuelle Namen, die die NWOBHM am Leben halten und die Hallen vollmachen.
Bei Letzteren war ich mehrmals als Fan auf Konzerten. Da geht einem das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Das sind alles so qualitativ hochwertige Bands, da möchte man natürlich als Support-Act dabei sein.
Leider spielen zurzeit CAULDRON und SKULL FIST aus Kanada nicht, sonst wären das auch meine Favoriten.
Und zu der anderen Frage: Wir buchen immer noch alles selbst, zumindest die Clubshows, oder werden von Veranstaltern angefragt, nicht nur für Festivals. Leider habe ich keinen direkten Tipp für die Kollegen, aber Bookingagenturen: Wir sind offen für eure Angebote! Bei euch in Österreich haben wir z.B. noch nie gespielt, das wäre was! Zuletzt haben wir aber beim Hells Pells Festival mit Venator aus Linz gespielt, sehr geile Band!
Und was passiert eigentlich in so einer „Night Of The Maniacs“?
„Night Of The Maniacs“ ist eher ein Schrei des Undergrounds gegen den Mainstream: Wir ziehen unser Ding durch. Es ist uns egal, was ihr von uns haltet. Wir machen weiter und bleiben unseren Prinzipien treu. Ein paar Stellen sagen es sehr offensichtlich:
„Night Of The Maniacs. Bringing the fire, burn you liars.“
„Night Of The Maniacs. The underground kids ruling the streets.“
Was sind bisher eure Highlights in der Zeit als WASTED MANIACS und gab es auch Tiefpunkte oder vielleicht auch funny Stories from the road oder aus dem Proberaum?
Oh ja, erzählenswert ist zum Beispiel der Trip nach Schweden letztes Jahr, als wir auf dem Weg nach Stockholm einen Platten in Malmö hatten. Da standen wir dann zu dritt verloren im Regen vor einer Kita und haben versucht, uns die Zeit mit schlechten Witzen zu vertreiben – zum Glück war gerade kein Kind in Hörweite. Fast wäre der lang geplante Gig in die Hose gegangen, aber zum Glück wurden wir rechtzeitig abgeschleppt, haben einen neuen Reifen bekommen und es noch zum Gig geschafft. Ein kurzer Stopp an Cliff Burtons Gedenkstätte in Ljungby musste auf dem Weg übrigens trotzdem sein. Prioritäten.
Und aus dem Proberaum gibt es weniger eine Story als einen Dauerzustand: Im Sommer wird es da drin so heiß, dass es elendig nach Schweiß stinkt und wir halbnackt zwischen den Amps abhängen. Drei schwitzende Kerle mit freiem Oberkörper, die Thrash spielen – deshalb gibt es von uns im Sommer keine Proberaumfotos. Wobei, vielleicht wäre das genau die Merch-Idee, die uns noch fehlt.
Als Highlight und kleinen Erfolg würde ich auch die letzten beiden Releaseshows bei uns in Oberhausen und in Hamburg nennen, die wir selbst veranstaltet haben – zusammen mit STEELPREACHER, FINAL FORTUNE und HELLBITER. Alles sehr gute Bands! Das hat auch wunderbar als Gesamtpaket funktioniert.
Danke für die Zeit. Möchtet ihr noch etwas loswerden?
Danke auch, gern geschehen.
Mein Tipp: Hört neue Musik, neue Bands! Es gibt jede Menge neue gute Bands aus jedem Bereich. Es lohnt sich, reinzuhören und auf ein lokales Konzert zu gehen, um sie zu supporten. Geht mehr auf kleine Konzerte, sonst gibt es irgendwann keinen Nachwuchs mehr. Uns könnt ihr zum Beispiel am 14.11. in den Rathsstuben in Mülheim an der Ruhr und am 12.12. am Florinsmarkt in Koblenz sehen – alles Weitere auf wastedmaniacs.com.
Legt mal „Night Of The Maniacs“ auf und trinkt ein Bier dazu!

