Natasha „Nat“ Gray ist schon lange ein großer Name in der Hardcore- und Punk Szene, das aber nicht nur musikalisch, sondern auch mit ihren mehr als stabilen politischen Ansichten und den mittlerweile unermüdlichen Anstrengungen für die LGBTQ+-Community, seit sie 2022 ihr Outing als Non-binär bekannt gab. Ein Blatt vor den Mund genommen hat die Legende sowieso noch nie und so überrascht auch das sowohl musikalisch als auch lyrisch sehr direkt vorgehende „Molotov Nights“, das dritte Album von THE IRON ROSES, nicht.
War das erste Album musikalisch noch introvertierter und ernster, so zeigte man sich zuletzt mit dem selbstbetitelten Werk lockerer, fröhlicher und weniger verkopft. Nun folgt mit „Molotov Nights“ das nächste Ausrufezeichen, das die gute Laune zwar nicht verlernt hat, aber auch noch mehr Statements setzen will und das macht die Truppe um das Frontduo Nat und Becky Fontaine, die noch mehr wie eine Einheit wirken, als zuvor grandios.
Ohne Umschweife ballert „Dead Eyes“ los, versprüht in seinen knackigen zwei Minuten eine enorme Energie, das Duo bietet ein gekonntes Duett, Nat’s Stimme hat nach wie vor die leicht heisere, raue Note, Becky bietet den perfekten Kontrast und mit punkiger Attitüde, hat man sofort gute Laune, aber an hört auch einen gewissen Frust bei dem straighten Rocker, der aber auch genug Gefühl mitbringt, heraus.
Auch wenn abgesehen von Gitarrist Pedro Aida, die komplette Instrumentalmannschaft ausgetauscht wurde, zeigt man sich auch hier als kompetente Einheit und so geht es mit dem aggressiv vorgehenden „Body Count“ gekonnt weiter. Becky haut die rotzfreche Punk-Stimme raus, während Nat hier die angepisste HC-Stimme, die auf dem Album herrlich oft zum Vorschein kommt, raushaut. Aber auch ein DANKO JONES Rock`n`Roll Drive ist spürbar und mach den Song zum perfekten Live-Banger. Im Verlauf serviert man die komplette Klaviatur. Von Pop-Punk, über folkige Anleihen, rotzige Old-School Elemente bis hin zu Metallic-HC Anleihen ist hier alles in höchster Qualität vorhanden. Und auch wenn kein Song dem anderen gleicht und kaum einer die Drei-Minuten Marke erreicht, merkt man, dass die Truppe extrem viel Liebe und Detailarbeit in die Songs gesteckt hat.
Und auch wenn man unverblümte Sätze wie: „Qualified immune nazu thungs in blue – Manifactured alibis how do you bastards sleep at night“, wie im Song „Fascist Lulllabies“ raushaut, zeigt man sich musikalich gut gelaunt und in diesem Fall auch mit leichten Ska-Rhythmen. Tanzbar wird es mit dem teils freaky, teils hymnischen „All American“, während das reduzierte „The Good News“ eine erste Verschnaufpause mit dezenter Akustik-Gitarre und Percussion sowie Mitträller-Parts in Form von: „Weh-oh-Weh-oh-Weh“-Rufen, gönnt. Celtic-Rhythmen folgen samt Banjo in „To The Last“ samt authentischen Gesängen, der Titeltrack rock dem Namen entsprechend mit 90s Punk-Riffs und mit „Look Away“ zieht man das Tempo gewaltig an. Und schon geht es mit dem enthusiastischen „Breath Static“ hymnisch in die Zielgerade, ehe man mit „Rise Up Phoenix“ nochmal mit HC-Vocals und provokantem Charme nochmal in den musikalischen Ring steigt.
Gefühlt hast du wahrscheinlich gerade länger an meinem Review gelesen, als diese gut 23 Minuten Punk, Rock und Hardcore-Gewalt dieser Ausnahmeband an einem Vorbeirasen. Zum Verarbeiten der Musik und Lyrics braucht man eventuell länger und auch, um die Qualität dieses Meisterwerks zu erfassen, braucht man dann doch ein paar Durchläufe, doch hier gibt es nur Hits, Hymnen und Kracher zu bestaunen. Nat hat es wieder einem geschafft seiner sowieso schon starken Discografie, die er Solo, mit BOYSETSFIRE und seit 2022 auch mit THE IRON ROSES sowieso mit Highlight um Highlight vergrößert, einen weiteren Meilenstein, der zudem noch zum Nachdenken anregt, hinzuzufügen.
Autor: Max Wollersberger
Tracklist „The Iron Roses“:
1. Dead Eyes
2. Body Count
3. Fascist Lullabies
4. All American
5. The Good News
6. To The Last
7. Molotov Nights
8. Look Away
9. Breathing Static
10. Rise Up Phoenix
Gesamtspielzeit: 23:10
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