Es gibt ein altes Sprichwort, das besagt, dass man die kleinen Dinge schätzen soll und dieser Spruch passt auch perfekt bei gewissen Konzerten. Denn niemand geringerer als BLAZE BAYLEY, der von Mitte bis Ende der 90er Sänger von IRON MAIDEN war, verirrte sich nach Linz, genauer gesagt in die kleine, aber feine Location des Kapu’s, um gerademal vor 200 Leuten sein Können zu beweisen. Nicht dass nicht mehr kommen wollten, nein mehr passen einfach nicht hinein in den kleinen Saal und so war das Konzert natürlich blitzschnell ausverkauft.
Davor saß man noch gemütlich im Gastgarten und genoss mit den üblichen Verdächtigen Metalheads den lauen Sommerabend, bei einem kühlen Getränk, ehe man sich ins Innere begab und mit dem berühmten Intro „Doctor Doctor“ das fulminante Set startete. Blaze genoss von der ersten Minute an den Abend, plauderte viel aus den alten Tagen (MAIDEN-Anekdoten durften nicht fehlen), feuerte die Leute an und zeigte stimmlich, dass er mit 63 Jahren nicht zum alten Eisen gehört. Das Set bot alles, was das Herz begehrte, die ein oder andere Eigenkomposition wie „Born As A Stranger“ oder „The Brave“ vom 2009er Album „Silicon Messiah“. Die Stimmung war nicht nur wegen der großen Hitze am Kochen, denn wer nicht mitmachte wurde vom Sänger persönlich gerügt und aufgrund der Nähe zur Bühne konnte man dem bösen Blick des Sängers und seiner Musiker nicht ausweichen und so wurde umso braver gebangt und gesungen.
An seiner Seite hatte Blaze zwei Gitarristen, einen Bassisten und hinter sich einen Drummer, die deutlich jünger als er waren und ihre Sache ausgezeichnet machten. Auch diese vier Musiker hatten sichtlich Freude an diesem Abend, suchten die Nähe zu den Fans – Abstand war ja gar nicht möglich – feuerten pausenlos alle Leute an und durften bei diversen Soli ihr Talent zur Schau stellen. Sehr sympathische Truppe.
Die Atmosphäre war nur für Hartgesottene, denn der Schweiß floss in Strömen dank der Hitze und auch die Gerüche waren mit der Zeit nicht mehr die Besten, doch wahren Rockern und Rockerinnen können solche Kleinigkeiten nicht schockieren und so wurde weiter gefeiert, gebangt und laut mitgesungen.
Bei „Lord Of The Flies” zeigten sich fast alle Anwesenden das erste Mal Textsicher, ehe „Sign Of The Cross“ für mich das erste riesen Highlight des Abends war. Man vergisst fast welche großartigen Songs die Zusammenarbeit zwischen Blaze und IRON MAIDEN in ihrer kurzen Zeit hervorbrachte. Gänsehaut von Minute eins weg, dank der tollen Stimme des Sängers und dem Chor, bestehend aus allen Menschen im Saal.
Zwischendurch gab Mr. Bayley immer wieder den Literaten und man solle laut ihm das Gestern und auch das Morgen vergessen und nur im heute leben. Zwischendurch erzählte er noch, dass er sehr gerne in Deutschland unterwegs ist, was für viele Lacher sorgte, da er kurz darauf von seinem Gitarristen darauf hingewiesen wurde, dass man sich ja in Österreich befinde. Ein kurzes: „Scheiße“ und die lustige Ansage, er sei nervös und schon ging es weiter im Set. „A Thousand Years“ durfte ebenso wenig fehlen wie „When Two Worlds Collide“, welches er mit Dave Murray bei sich zu Hause einstudierte und sich dabei fühlte wie ein kleines Kind, das seinen Helden trifft.
Bei „The Clansman“ zeigte sich erneut das Publikum stimmgewaltig und so wurde der grandiose Refrain lautstark mitgegröhlt und ein weiterer geiler Moment des Abends folgte. Zehn Minuten wurde „Freedom“ gebrüllt, ehe sich Blaze für zwei Songs zurückzog um seinen Musikern die Bühne zu überlassen. Die Instrumentale „2 A.M.“ und „Como Estais Amigos“ wurde zum kurzen verschnaufen genutzt. Danach wurde Blaze wieder durch die Menge auf die Bühne geführt und es folgten „Virus“, „Wrathchild“ vom zweiten Album der Bandhistorie „Killers“ und „Man On The Edge“ vom grandiosen „The X Factor“ und seinem furchteinflößenden Cover, das mir als Kind so manche schlaflose Nacht bescherte.
So Manchem oder Mancher war vielleicht das Gerede des Sängers zu viel, da das Konzert aber zweieinhalb Stunden dauerte und die Geschichten immer mit einem Augenzwinkern erzählt wurden, war ich persönlich gut unterhalten. Wenn man die Geschichte etwas kennt und weiß welche Schicksalsschläge den Weg von Blaze Bayley pflastern, dann muss man dem Mann zu seiner positiven Energie und Freude umso mehr Respekt zollen.
Die Zeit verging wie im Fluge, die Kräfte und Körpersäfte strömten dahin und so neigte sich das Konzert dem Ende mit dem als Intro genutzten „Doctor Doctor“, das hier dann komplett präsentiert wurde. Es folgten noch ein paar Solo Einlagen, ehe „The Angel And The Gambler“ ein wirklich gelungenes Set beendete.
Setlist BLAZE BAYLEY:
(Doctor Doctor)
Lord Of The Flies
Justice Of The Peace
Judgement Of Heaven
Blood On The World’s Hands
Look For The Truth
Born As a Stranger
The Brave
Lightning Strikes Twice
Sign Of The Cross
Calling You Home
A Thousand Years
When Two Worlds Collide
The Clansman
2 A.M. (Acoustic)
Como Estais Amigos (Acoustic)
Virus
Wrathchild
Man On The Edge
Futureal
Doctor Doctor (UFO)
The Angel And The Gambler
Man kann nur hoffen, dass das Versprechen, nächstes Jahr wieder zu kommen, keine heiße Luft war und man diesen tollen Abend so bald wie möglich wiederholen kann. Blaze und seine Band hätten sich wahrlich eine größere Bühne verdient, aber der intime Rahmen hatte das dieses gewisse Etwas und so nahe kommt man Bands eher selten.
Autor: Andi Wollersberger



