Nova Rock 2023 – Samstag: DIE ÄRZTE, BROILERS, VV, HOLLY WOOD UNDEAD, ARCH ENEMY, SWISS, SKINDRED, BEYOND THE BLACK, NOTHING MORE @ Pannonia Fields II, Nickelsdorf (10.06.2023)

nvoa rock 2023 samstag


 

 

Wir versuchten am Samstag, dem letzten Nova Rock Tag, rechtzeitig auf dem Gelände zu sein, um NOTHING MORE zu erleben. Da wir die Gehwege vom Parkplatz – auf dem Nova Rock sind ja Parken und Campen vorrangig getrennt und daher für viele Besucher mit Schleppen verbunden – etwas unterschätzten, schafften wir es erst in der Mitte des Sets der Texaner zur Red Stage.

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Das Beeilen hatte sich gelohnt, denn die kurzen 20 Minuten, die wir von NOTHING MORE, rund um Fronterscheinung Jonny Hawkings, legten vor der recht überschaubaren Zuschaueranzahl zu Mittag eine echt sehenswerte Show hin. Stimmlich war der Mann top und mit Krachern wie „Let Em Burn“ oder dem eindringlichen „Go To War“ hatte man die Zuschauer bestens im Griff. Mit schwarz-rot bemaltem und gut trainiertem Körper, war Jonny schon eine Erscheinung und konnte so, in Kombination mit der energiegeladenen Performance seiner Kollegen, Eindruck schinden. Barfuß stapfte er über die Bühne, machte charmante Ansagen und zeigte sich sowohl routiniert als auch motiviert.

Abgefahren wurde es bei NOTHING MORE aber, als ein wackeliges Podest zum Einsatz kam, das wie ein Mix aus Mad Max und direkt aus der Hölle wirkte, wo Jonny sich darauf platzierte und mit einem Synthesizer eskalierte. Unten angebracht waren noch Trommeln, aber auch Gitarrist Mark Vollelunga und Basser Daniel Oliver hatten eine Trommel auf ihrer Seite. Ob die nur zur Zierde waren oder vor unserer Ankunft auch benutzt wurden, kann ich aber leider nicht sagen. Nach dieser Showeinlage und einer kurzen BLACK SABBATH-Hommage gab es mit „Don’t Stop“ noch einen weiteren Kracher, bei dem die Truppe gut Gas gab und mit dem grandiosen „This Is The Time (Ballast)“ verabschiedete man sich dann eindrucksvoll.

Nova Rock 2023: DIE ÄRZTE, BROILERS, VV, HOLLY WOOD UNDEAD, ARCH ENEMY, SWISS, SKINDRED, BEYOND THE BLACK, NOTHING MORE

Ich verfolge NOTHING MORE ja schon seit ihrem 2014er Werk und war froh, die Truppe endlich mal live zu erleben. Aber die Neugier ist noch nicht gestillt, weshalb ich auf eine baldige Club-Tour hoffe.

Eigentlich hätten wir auf der Blue Stage den Austro-Poper JOSH erwartet, denn etwas Kultur muss ja auch sein, stattdessen wurde da aber gerade für SWISS + DIE ANDERN aufgebaut, da INCUBUS kurzfristig absagen mussten und somit die ganze Running Order durcheinanderwürfelten. Also ging es wieder zurück zur Red Stage, wo BEYOND THE BLACK ihre tighte Performance abzogen. Jennifer hatte nicht nur eine starke Stimme an diesem Tag, sondern auch eine einvernehmende Ausstrahlung und wusste auch damit umzugehen. Die Fans waren sofort gefangen und die Hits wie „Is There Anybody Out There?“ oder „Lost In Forever“ hatten sofort leichtes Spiel. Zwischen Symphonic, Gothic und Power Metal gab es abwechslungsreiche Kost, bei der Gitarrist Chris Hermsdörfer, der ja auch bei SERENITY tätig ist, ein paar Growls beisteuerte und so zusätzlich für einen hohen Härtegrad sorgte. Außerdem gab es bei der etwas theatralischen Single „Dancing In The Dark“ vom aktuellen Werk auch eine gute Prise Folk-Flair. Generell wissen BEYOND THE BLACK ja, wie man heavy und eingängig zugleich agiert und das war auch auf dem diesjährigen Nova Rock absolut Trumpf.

Setlist BEYOND THE BLACK:
Is There Anybody Out There?
Lost In Forever
Songs Of Love And Death
Reincarante
Dancing In The Dark
Heart Of The Hurricane
When Angels Fall
Shine And Shade
In The Shadows
Hallelujah

Ich wurde dann zu SWISS UND DIE ANDERN auf die Blue Stage zurückgelockt, da es sich da ja um eine coole Punk Band aus Hamburg handeln soll, was ich dann aber erlebte, war schon ein starkes Ding. Swiss, gebürtiger Schweizer, wie der Name sagt, stand in Bade-Buxe auf der Bühne, trainierter Körper, ein paar Tattoos die auf Hamburg hinweisen und charismatische Stimme. So weit so gut und auch mit Bläsern und Ska-Feeling fing das schon cool an, doch schnell kippte der Sound in verschiedenste Richtungen. Lockerer Reggae-Sound machte Laune, Boote wurden samt ein paar Mädels drin zu „Punkah Auf Sri Lanka“ über die Crowd getragen, denn „Männer machen die Boote immer kapput“, beteuerte der Fronter bei seinen ausschweifenden, aber überaus unterhaltsamen Ansagen und auch sonst ging da einfach eine geile Party vor der Bühne ab.

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Bald setzten auch Rap-Einlagen ein und Swiss wurde von seinem MC am Micro unterstützt. Immer wieder wurden die Songs unterbrochen für Scherzereien oder gerappe Einwürfe eingebracht. „Erstmal Zu Penny“ war da so eine lustige Chaos-Nummer, bei der es verdammt heavy Riffs zu hören gab, die sich gegenseitig pushten und disten zugleich und als dann noch BROILERS Fronter Sammy Amara die Bühne enterte, war Swiss komplett aus dem Konzept und erlebte seinen „Jackson-Moment“ bevor es weiter im bunten Treiben ging. Dann hieß es plötzlich „Alerta, alerta! Anti-Faschista!“ und die tausenden Zuschauer stimmten stimmgewaltig zu. Dann wurde noch „Schrei Nach Liebe“ von DIE ÄRZTE angestimmt, was die Party nochmal entfachte und die sowieso schon tanzwilligen Zuschauer weiter anstachelte, außerdem sorgte Swiss für einige Lacher, als er für das schräge Cover-Medley „Vermisse Dich“ von der BLOODHOUND GANG verklagt wurde, was scheiße ist, da sie ja alle Harz4-Empfänger wären. Auch da brach man kurz ab und diskutierte, ob man in dem Song Til Schweiger eigentlich noch erwähnen darf und irgendwas mit einem belegten Brot war dann auch noch los. Weiß der Geier was da abging, aber es machte verdammt Spaß und blieb eindrucksvoll in Erinnerung! SWISS UND DIE ANDERN sind zwar eine Spaßtruppe, haben aber auch Messages und Tiefgang. Aber absurd wurde es auch beim Abbau, als der MC noch mit Schlager und Rap-Einlage die Abbau-Arbeiten der Roadies begleitete.

Nach so viel Spaß sollte es wieder ernster werden, denn SKINDRED standen in den Startlöchern und die haben ja auch ein neues Album für August in der Pipe. Und wenn man da von den bisherigen Singles ausgeht, dann erwartet uns da etwas Großes!

Die Spannung war enorm, als der „Imperial March“ anging und Darth Webber auf der Bühne in schwarzem Mantel und mit abgefahrener Sonnebrille erschien. Sofort brach ein fetter Sound über die Crowd herein und Benji Webbe überzeugte mit seiner aggressiven und eindringlichen Stimme zum unglaublich groovenden neuen Song „Set Fazers“. Und schon wusste man, das kann nur fett werden. Benji verkündete nur „Let me see ya movin‘!“ und schon war die Meute in Bewegung. Es staubte gewaltig, überall wo man nur hinsah, wurde geshaked, getanzt, gemosht und sogar ein Rollstulfahrer mit riesigem Joint wurde im Publikum gesichtet, das Ganze aber natürlich mit fettem Grinser im Gesicht. Bald gab e allerlei Mitsing-Eskapaden, denn der charismatische Fronter ließ allerlei Spielereien seiner Kehle entfleuchen und hing immer wieder an seinem Micro-Ständer, an dem eine komplett in Schwarz gehaltene UK-Flagge prangte. Bald gab es Tekkno-Beats als Intro zum nächsten Song, wo es nur hieß: „Feel tha energy of music!“, ehe es weiter im Programm ging.

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Ein weiterer neuer Kracher war natürlich „Gimme That Boom“, aber auch das unglaublich eingängige „If I Could“ wurde schon mitgeträllert. Bei Klassikern wie „L.O.V.E. (Smile Please)“ zu dem der Sänger deepe Worte verlauten ließ oder „Ninja“ wurde gewaltig abgefeiert. Zu Tränen rührte der Mainman dann aber auch noch, als er „Kill The Power“ ankündigte. Benji erzählte, dass er seine Mutter mit 7 verlor, sein Vater folgte als er 11 war und er dann nur noch mit seinem Bruder Clifford allein war. Und das „Fu**in A**hole“ ihn auch noch in seinen Träumen aufhalten wollte. Dabei wollte er nur in einer Rockband sein, egal ob mit weißen oder schwarzen Musikern. Clifford sagte zum kleinen Benji aber nur „Shut The Fuck Up!“. Nun sagt er aber zu Clifford und all den anderen A*Löchern da draußen, die einem erzählen wollen, dass man nicht das tun kann, was man will, dass sie sich f*cken sollen. Und das mit „Kill The Power“ und dem nötigen Nachdruck!

Zwischendurch gab es aber auch Auflockerung in Form des AC/DC-Covers „Back In Black“, das mit dem unvergleichlichen Gesangsstil ganz eigenen Charme erfuhr und weitere Hits wie „Nobody“ oder „Sound The Siren“. Als Benji aber von der Resonanz auf einen Mitsingspiel etwas enttäuscht spielte, sagte er „Fuck you man!“, merkte aber sofort, dass das wohl nicht ganz korrekt war und fügte gender-gerecht „…and fuck you bitch!“, an, was für ein paar Lacher sorgte.

Was für eine Show! SKINDRED sind eine wahrlich unterschätzte Band, die absolut weiß, wie man ein Publikum zu handeln hat und Höhepunkte setzt. Wir haben gelacht, gerockt und waren auch zu Tränen gerührt. Danke dafür!

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Setlist SKINDRED:
Set Fazers
Pressure
Back In Black (AC/DC)
Sound The Siren
Ninja
If I Could
Jump / Jump Around
L.O.V.E. (Smile Please)
Rat Race
That’s My Jam
Kill The Power
Bruises
Gimme That Boom
Nobody
Warning

Ein weiterer Fix-Termin waren auf jeden Fall ARCH ENEMY. Da es  einmal mehr nach Sturm aussah, musste aber erst wetterfeste Kleidung organisiert werden und wir standen leicht verspätet vor der eindrucksvollen Red-Stage, die im Gegensatz zu Blue Stage etwas reduzierter aufgebaut wurde, mit seinen Monitoren und den dazugehörigen Visuals seitlich doch für Aufsehen sorgte.

Aber was soll man zu ARCH ENEMY noch groß Worte verlieren? Die Death Metal Veteranen aus Schweden bzw. mittlerweile eigentlich rund um den Globus, da ja Fronterin Alissa aus Kanada stammt und Jeff Loomis (Ex-NEVERMORE) aus den Staaten, sind wahre Vollprofis und wissen, wie man eine fette Show zelebriert und so ging es auch trotz des für die Band verhältnismäßig frühen Slot bald rund. Aber mit neuen und alten Granaten wie „Deceiver, Deceiver“, „The World Is Yours“ oder „Ravenous“ sollte das auch nicht verwundern.

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Frontdame Alissa White-Gluz, die wieder fast unrealtistisch gut aussah, stark bei Stimme war und in ihrem Outfit sowieso glänzte, weiß nach mittlerweile fast zehn Jahren im Rampenlicht auch, wie man eine enorm große Fanbase zu handeln hat und feuerte die Menge an, während Amott und Loomis mit ihrer Gitarrenakrobatik mühelos überzeugten. Dass bei einer so furiosen Performance auch mal was passieren kann ist klar und so kaschierte man mühelos, dass die Frontdame beim exzessiven Headbangen auch mal ihr Micro fallen ließ und führte einfach weiter im Programm, das mit weiteren Highlights wie „We Will Rise“ oder „Nemesis“ gespickt war. Zur optischen Untermalung gab es außerdem Rauchsäulen, die für Eindruck sorgten, aber die Lichtshow, die normalerweise im Club oder abendlichen Festivalslots stattfindet, fehlte dann doch ein bisschen. Nichts desto trotz untermauerten ARCH ENEMY mühelos ihren Status als Speerspitze des Melo-Deaths.

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Setlist ARCH ENEMY:
Deceiver, Deceiver
The World Is Yours
War Eternal
Houes Of Mirrors
My Apocalypse
The Watcher
The Eagle Flies Alone
Handshake With Hell
We Will Rise
As The Pages Burn
Nemesis

Vom Ernst des Lebens oder Sterbens, ging es zurück ins sonnige Kalifornien, das im Anschluss auf der Blue Stage zelebriert werden sollte, denn dort standen die Energiebündel von HOLLYWOOD UNDEAD bereits in den Startlöchern. Die Herren aus den Staaten ließen ja so überhaupt nichts anbrennen und starten mit „Chaos“ vom aktuellen Werk „Hotel Califronia“, welches im April erschien, gehörig los. Die Glitzerpalmen und das unscheinbare Karton-Schild, wo der Albumtitel drauf stand hätte man sich als Bühnen-Props durchaus sparen können, denn was die Band alleine hier zelebrierte ist fast nicht in Worte zu fassen und war mit den Augen kaum zu verfolgen und so war der Songtitel des Openers sofort Programm. Die Band wechselte im Akkord an den Instrumenten, jeder sang, alle gingen ab, alle heizten ein und keiner wusste so richtig wie einem geschah.

Klar, allem voran Danny Murillo sorgte mit seiner Gesangsstime für Aufsehen, aber auch die rappenden und immer wieder singenden Kollegen J-Dog, Johhny 3 Tears, Charlie Scene und Funny Man taten ihr Übriges zur Show. Der Roadie musste aber schon ein Genie sein, denn mitten unter den Songs wurden Instrumente getauscht, dann stand wieder einer am Synthesizer und dann wieder einer am Bass. Aber geordnetes Chaos hin oder her, die Stimmung war enorm. Und als gehöre er zur Show, setzte starker Wind ein und kündigte ein Gewitter an, das zumindest aus Wetter-Sicht an uns knapp vorbeizog, dafür prasselte das Gewitter mit Namen HOLLYWOOD UNDEAD umso mehr über uns herein.

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Als hätte man nicht genug Action auf de Bühne, wurde noch ein Fan gesucht und mit Erik gefunden und der shredderte auf dem Pussy Soacker von Charlie nur so dahin, sodass die Band gut staunte. Und dann wurde der junge Mann übermütig und zockte noch „War Child“ mehr als gekonnt mit der Band mit. Das quittierte Charlie dann mit den Worten: „Erik, You gonna lose your virginity tonight!“ und verabschiedete den Gastrocker nach dem Song gebührend.

Zwischendurch stimmte man noch METALLICAs „Enter Sandman“ sowie „Du Hast“ von RAMMSTEIN und auch eine Maschinengewehr-Gitarre sollte noch einen Auftritt erhalten. Mit dem hymnischen „House Of Mirrors“ holte man die Crowd wieder etwas runter und mit „Another Way Out“ sollten mehr elektronische Beats regieren. Dafür schielte „Everywhere I Go“ mit Celtic Flair Richtung Boston-Szene und das fetzige „Undead“ beendete das fulminante Set mehr als würdig. Stunden später fragte ich mich mit zahlreichen Ohrwürmern im Ohr noch, was da eigentlich abging. Nein, korrigiere, das frage ich mich heute noch, während ich diese Zeilen schreibe.

Nova Rock 2023 Samstag

Setlist HOLLWOODY UNDEAD:
CHAOS
Califronia Dreaming
Riot
World War Me
Comin In Hot
War Child
Another Way Out
Dead Bite
Gravity
Enter Sandman / Nightmare / Du Hast
Bullet
Whatever It Takes
Hear Me Now
Everywhere I Go
Day Of The Dead
Undead

Nach diesem Party-Train, sollte mit VV, alias Vile Vallo, alias HIM wieder Ruhe einkehren. Der Finne hat ja einiges hinter sich und die Auflösung seiner langjährigen Truppe sitzt vielleicht auch noch tief. Doch die Legende wirkte auf der Bühne auf den ersten Blick wie ein Schatten seiner selbst. Blass, hauchdünn und irgendwie kränklich. Und doch zeigte Herr Vallo eine gute Stimme, wenn auch in höheren Regionen nicht alle Noten astrein saßen, dafür in den tiefen Regionen umso mehr für Gänsehaut sorgen konnten. Introvertiert, fast schüchtern sang er seine Hits und Klassiker, streute ein paar neue Songs von seinem Solo-Projekt ein und interagierte eigentlich nur mit seiner Band – das aber sympathisch und höflich, sodass die einzelnen Mitglieder sich immer wieder präsentieren konnten. Aber wennauch HIM Geschichte ist, so schafft es VV mühelos den Spirit am Leben zu erhalten und unterstreicht das weiterhin mit dem Heartagram auf dem Backprint.

Ville selbst stand zwar sprichwörtlich an der Front, hielt sich aber doch vornehm zurück, konzentrierte sich auf seine Vocals, aber hatte immer einen verhaltenen, aber doch sympathischen Grinser auf den Lippen und schwang bei jedem Beat ganz dezent das Tanzbein. Mit „Join Me In Death“ sorgte man für Gänsehaut, wohingegen „The Kiss Of Dawn“ oder der abschließende und überaus drückende Track „Saturnine Saturnalia“, den man nicht zufällig BLACK SABBATH widmete, durchaus rockten.

Nova Rock 2023 Samstag vv ville valo

Mag sein, dass HIM Geschichte sind, doch mit VV bzw. Ville Valo kann man offensichtlich noch mehr als rechnen, denn mit Charme, eindrucksvollen Hymnen und mehr als talentierten Musikern weiß man zu überzeugen. So gab es erst gegen Ende ein paar dankende Worte und ganz zum Schluss verabschiedete sich der Sänger nur kurz, um den Ruhm der Band, die sich noch ausgiebig bei den Fans bedankte, zu überlassen. Sehr sympathisch und eindrucksvoll.

Nova Rock 2023 Samstag vv him

Setlist HIM:
(Zener Solitaire)
Echolocate Your Love
Poison Girl
The Foreverlost
Right Here In My Arms
Run Away From The Sun
Buried Alive By Love
Heartful Of Ghosts
Join Me In Death
Neon Noir
The Kiss Of Dawn
Loveletting
Rip Out The Wings Of A Butterfly
Salute The Sanguine
The Funeral Of Hearts
Saturnine Saturnalia

Die BROILERS sind ja in letzter Zeit in aller Munde erleben gefühlt ihren zweiten Frühling, dabei haben die Deutschrocker und einstigen Oi!-Punks akutell nicht mal eine Platte am Start. Aber wie man an den Zuschauermassen vor der Blue Stage erkennen konnte, das Ganze dürfte zurecht stattfinden und um das noch zu unterstreichen, lieferten die Düsseldorfer rund um Sammy Amara, den wir ja an dem Tag schon kurz auf der Bühne sehen durften, eine fantastische Show voller Hits, Hymnen, wunderschönen Momenten und Botschaften.

Mit „Zurück Zum Beton“ legte man auch gleich eindrucksvoll los. Flotter Deutschrock mit leichtem Punkflair, unterstützt von einer Bigband, bestehend aus Bläsern und generell einer hochmotivierten Band, macht sogleich Lust auf mehr. Und auch vor der Bühne ging schon gewaltig die Post ab. Da fragte Sammy nach ein paar ersten Hymnen die tanzenden und abgehenden Fans grinsend: „Ihr rockt schon vier Tage? Ihr tanzt schon vier Tage? Ihr sauft schon vier Tage? Ihr singt schon 4 Tage? Wie könnt ihr noch stehen?!“ Generell gab es sehr ausführliche Ansprachen, die zwar oft unterhaltsam bis lustig oder auch mal tiefgründig und wichtig waren, doch auf Dauer waren es dann doch ein paar zu viele Unterbrechungen des Flows. Den nahm man aber immer schnell wieder auf mit Krachern wie „Held In Unserer Mitte“, für das er Helden des Moshpits persönlich erwählte oder „Alice Und Sarah“, das er den „katastrophalen Scheißparteien“ AFD und FPÖ widmete.

Nova Rock 2023 Samstag

Zwischendurch holte man den Synthesizer raus und man zockte kurz VAN HALEN’s „Jump“ an und sorgte mit dem starken Cover „Walking On Sunshine“ für weitere Tanzeinlagen. Für die Powerballade „Wie Weit Wir Gehen“ freute sich der charismatische Fronter über die Festivalsaison, denn: „Da ist nicht nur kein Deckel oben drauf, es können da nämlich auch starke Männer hübsche Frauen auf die Schulter nehmen!“, und die Zeit dafür ließ er den Zuschauern auch, passende Paare für die Aktion zu finden. Unterstrichen wurde die coole Nummer, die fleißig mitgeträllert wurde, mit einer Mundharmonika. Dann dankte er seinen Bandmitgliedern persönlich und namentlich mit dem Zusatz „Einfach so“, bevor es mit Ska-Sounds in „In 80 Tagen Um Die Welt“ weiterging. Und zum Schluss revanchierte sich SWISS noch mit einem Kurzauftritt, bevor sich die Band dann mit ihrer Hymne unter tosendem Applaus verabschiedete und definitiv einen bleibenden Eindruck hinterließ.

Setlist BROILERS:
Zurück Zum Beton
Schwer Verliebter Hooligan
Ruby Light & Dark
Paul Der Hooligan
Wo Es hingeht
Gib Das Schiff Nicht auf!
Held In Unserer Mitte
Alice Und Sarah
Wie Weit Wir gehen
In 80 Tagen Um Die Welt
Walking On Sunshine
33 rpm
Nicht Alles Endet irgendwann
Tanzt Du Noch Einmal Mit Mir?
Ist Da Jemand?
Meine Sache

Bevor es zum Grande Finale des Nova Rock 2023 ging, machten wir noch einen kurzen Abstecher zur Red Stage, wo die ARCHITECTS gerade zu Werke gingen. Mit schönem Metall-Bühnenaufbau auf verschiedenen Plattformen und cooler LED-Technik machte die Show der Briten bereits einen guten Eindruck. Doch auch musikalisch wussten Samuel David Carter und seine Truppe, zu der SYLOSIS Gitarrst Josh Middleton seit ein paar Wochen leider nicht mehr gehört, eine mehr als solide Figur.

Nova Rock 2023 Samstag architects

Mit intensivem Riffing, eindringlichem Gesang und heftigen Metalcore-Einlagen machten die Briten schnell klar, dass sie absolute Profis auf der Bühne sind und ihren Fans, die sehr zahlreich erschienen sind, etwas bieten wollen. Auf der Bühne war zwar nicht all zu viel Bewegung zu sehen, doch, bei der technischen Raffinesse der ARCHITECTS nicht verwunderlich, wenn der Keyboarder die Percussion-Werkzeuge rausholte, dann ging er schon richtig gut steil. Aber auch Mister Carter wusste zu performen und überzeugte auch mit seinen charmanten und britisch-höflichen Ansagen, eher wieder Tracks wie „Doomsday“ oder „Royal Beggars“ zum Besten gab. Einfühlsamer, aber nicht weniger intensiv kam dann „Dead Butterflies“ mit seinen eindringlichen Synthies noch daher, während der Gesang wirklich unter die Haut ging. Auch wenn wir nur ein paar Songs der Truppe erhaschen konnten, war ich froh einen Besuch bei der Red Stage gemacht zu haben, denn die Jungs hinterließen auch in der Kürze eine Menge starker Eindrücke. Um einen guten Platz beim Headliner zu haben, stapften wir aber dann zurück zu Blue Stage.

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Setlist ARCHITECTS:
Nihilist
Black Lungs
Modern Misery
Discourse Is Dead
Giving Blood
Tear Gas
Deep Fake
Doomsday
Royal Beggars
Dead Butterflies
Little Wonder
Impermanence
A New Moral Low Ground
Meteor
When We Were Young
Animals

Nach vier Tagen Festival ging es dem einen oder anderen wahrscheinlich nicht mehr ganz so gut, da war ein Besuch bei DIE ÄRZTE natürlich gegen Ende des Festivals, kein Fehler. Nebenbei hatten aber auch NIGHTWISH die undankbare Aufgabe gegen das deutsche Punk-Legenden-Trio anzustinken.

Farin Urlaub, Bela B. und Rodrigo Gonzáles ließen sich etwas bitten, kamen dann aber nach ein paar Minuten Verspätung auf die Bühne, während schon „Westerland“ zu hören war. Sehen konnten wir aber leider nichts, da ein fetter Vorhang noch im Weg war, der im Mittelteil des Songs aber endlich fiel und den Blick auf… ein weiteres Banner freigab. Na, danke dafür! Aber kurz vor Ende des Klassikers kamen die drei Herren endlich zum Vorschein. LED-Waben schmückten die Bühne und abgesehen von ein paar orange-schwarzen Amps hinter Rod, war nicht viel Bühnenaufbau zu sehen. Aber die drei Herren wissen ja sowieso auch ohne viel Klimbim zu überzeugen.

Es folgte die neuere Single „Noise“ und die Fans gingen steil. Farin grinste unentwegt, gekleidet war er eher schlicht in schwarz, Rod glänzte im lila Anzug und Bela zeigte sich in einem Mix aus chick und legér mit einem Hauch Punk. Das weiße Hemd mit schwarzem Tinteklecks sah aber richtig cool aus. Nach dem dritten Song „Ist Das Noch Punkrock“ begrüßte man dann die Fans und plauderte minutenlang munter herum. Bela und Farin verarschten sich ständig gegenseitig und stellten sich mit: „We ar se bäst bänd in se wörld.“, vor, ehe das gegenseitige Gebashe weiterging und so erfuhren wir, dass Farin die abgelegten Klamotten Belas Mutter getragen hat und Rodrigo die Anzüge für ihn einträgt, bevor ihm der Drumstick aus der Hand fiel und Farin kommentierte: „Parkinson und Demenz: DIE ÄRZTE: Alt, aber bezahlt.“

Nachdem Rod, der lange komplett stumm blieb, zu seinem Verstärker stapfte, diesen öffnete und aus dem darin versteckten Kühlschrank ganz kommentarlos ein Getränk zauberte, ging es musikalisch auch endlich weiter. „Perfekt“, „Heulerei“ oder „Doof“ sind jetzt nicht gerade Evergreens der Doktoren, doch die Stimmung war weiter großartig. Viele Crowdsurfer waren unterwegs, es wurde gepogt, gemosht und getanzt. Spätestens bei „Lasse Reden“ wurde es aber dann so richtig laut, denn den Hit sang so ziemlich jeder mit, denn Inhalt des Textes kann man ja auch wunderbar mitfühlen. Die Video-Walls zeigten bei vielen Songs coole Visuals, so auch bei „Dunkel“, bei dem die Band mit schwarzem Filter und lila leuchtenden Punkten überdeckt wurde und die LED-Waben wechselten munter je nach Stimmung die Farbe.

Mehr Show brauchte es aber auch nicht, denn die lustigen Ansagen, bei denen Farin ein aufgeblasener Penis im Publikum auffiel, den er mit „Oh ist das der Penis, den RAMMSTEIN auf der Bühne nicht mehr verwenden dürfen?„, kommentierte und die Hits und Hymnen taten ihr Übriges in der über zwei Stunen dauernden Show. Außerdem versuchte Herr Urlaub ständig vergeblich österreichischen Slang zu verwenden, klang aber eher wie ein FALCO mit Schlaganfall, was aber natürlich auch für Lacher sorgte.

Darüber hinaus echauffierte man sich über das „neue“ Wien, denn dort wurden sie direkt hofiert, was Bela mit „Wir wollen in Wien scheiße behandelt werden, das sind wir von da gewohnt!„, quittierte. Zwischendurch hatte Rod dann doch seine Momente, denn als man sich wunderte dass ein Metaller in den ersten Reihen ein Herz statt Pommesgabel zeigte, brüllte er ein paar Thrash-Metal Songtitel ins Micro und als abgestimmt werden sollte und dann doch Bela entschied, warf er das legendäre Zitat vom Großen Diktator Charlie Chaplin: „Demokratie Schtonk!“, ein.

Nova Rock 2023 Samstag die ärzte

Nach dem wunderschönen Track „Die Banane“, zu dem Farin erklärt hat, er wäre, wenn er Obst sein könnte, gerne ein Man(n)go, denn dann sei sein Kollege am Schlagzeug ein Fraugo, wurde noch munter über das „F*cken“- (also das Logo des deutschen Partyschnaps) und das „A*loch“-Banner im Publikum diskutiert und als Farin ein Schild entdeckte auf dem „Bela, ich will ein Kind von dir“ stand und meinte, man solle sich hinten anstellen, schaltete sich der Kollege ein und erklärte ihm das mit den Bienchen und Blümchen, und dass das wohl so mit den beiden nicht funktioniere. Aber er kam dann eh zur Vernunft und teilte einer Dame, die ein ähnliches Schild hochhielt, dass ihr das eh vergehen würde, würde sie ihn von näher sehen würde.

Danach zog man dann aber an und zündete das Hitfeuerwerk mit dem intensiven „Komm Zurück“, dem fetzigen „Unrockbar“ und dem Klassiker „Rebell“, bevor man sich hinter die Bühne verabschiedte. Aber dass es das noch nicht gewesen sein kann war klar, denn es fehlte das wunderschön „Der Graf“ noch ebenso wie die Mitsinghymnen „Zu Spät“ und „Wie Es Geht“, die prompt geliefert wurden. Aber keine DIE ÄRZTE Show ist eine echte ohne „Schrei Nach Liebe“, das natürlich mehr als lautstark von zigtausenden Kehlen mitgebrüllt wurde.

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Setlist DIE ÄRZTE:
Westerland
Noise
Ist das noch Punkrock?
Deine Schuld
Perfekt
Heulerei
Doof
Herrliche Jahre
Schunder-Song
Popstar
Lasse Redn
Für Uns
Hurra
Anastasia
Angeber
Lady
1/2 Lovesong
Dunkel
Mondo Bondage
Die Banane
Komm Zurück
Meine Freunde
Unrockbar
Himmelblau
Rebell

Der Graf
Junge
Zu spät
Wie Es geht
Schrei Nach Liebe
Dauerwelle Vs. Minipli
Gute Nacht

 


Was soll man sagen. DIE ÄRZTE sind routiniert, aber doch auch noch irgendwie Kind geblieben und bringen noch einen enormen Elan auf die Bühne, aber das gilt für die meisten der Acts, die wir am Nova Rock 2023 erleben durften.

Ein Festival für Groß und Klein, samt Rummelplatz, Bungee-Kran, Outdoor-Discos und viel mehr zu entdecken. Hier ist für jeden etwas dabei. Über die Getränke- und Essenspreise kann man natürlich tagelang diskutieren und auch die Dixi-Situation direkt am Gelände war eher mau. Ansonsten konnten wir in den zwei Tagen unseres Aufenthalts nicht klagen, denn die Matsche wurde mit Stroh und Hackschnitzel schnell überdeckt und auch die Securitys und alle anwesenden Einsatzkräfte waren motiviert und immer schnell zur Stelle. Und somit sagen wir danke Nova Rock 2023 und freuen uns auf 2024!

 

Fotos: (c) Mariam Osman & Maxomer

 


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