Masters Of Rock 2022 Tag 1 – HEAVEN SHALL BURN, SEPULTURA, LORDI, AMORPHIS, BLUES PILLS  (07.07.2022)

Masters Of Rock 2022: HEAVEN SHALL BURN, SEPULTURA, LORDI, AMORPHIS, BLUES PILLS


Zwei Jahre ohne schwitzende Menschenmassen, ohne Dixi Klos, ohne fettiges Essen und übermäßiger Konsum von vermeindlich ungesunden Getränken, und auch zwei Jahre ohne Headbanger, die sich vor der Bühne drängen um ihre Lieblingsbands zu sehen.  Oder kurz gesagt zwei lange Jahre ohne Festivals. Dieses verdammte Virus hat uns einige schöne Momente gestohlen wie auch die Musiker am  Masters Of Rock 2022 nicht müde wurden zu betonen.

Doch alles Schlechte geht vorbei und so begab sich die Earshot Crew zum bereits 15. Mal auf das altehrwürdige Gelände der Schnapsbrennerei Rudolf Jelínek in Vizovice in Tschechien, um vier Tage lang guter Musik zu lauschen und eine unbeschwerte  Zeit zu verbringen.

Die sechsstündige Anreise lief problemlos, genauso wie das Zurechtfinden am Campingplatz und dem dazugehörigen Aufbau der Schlafunterkünfte. Man ist ja auch nach dreijähriger Pause routiniert. Am Gelände fanden wir uns ebenfalls schnell zurecht, da sich eigentlich wenig geändert hat zu den vorigen Jahren. Alles wirkt etwas einfacher und kleiner, da die Krise wohl auch beim Veranstalter und diversen Händlern ihre Spuren hinterließ.

Pünktlich um 15 Uhr starteten die für uns interessanten schwedischen Bluesrocker von den BLUES PILLS ihre gut einstündige Show. Bei den Nordländern blieb in den letzten Jahren anscheinend kein Stein auf dem anderen wenn man sich die Besetzung etwas genauer ansah. Gitarrist Dorian Sorriaux wurde 2018 durch Zack Anderson (RADIO MOSCOW) ersetzt und auch am Bass steht mit Kristoffer Schander ein neuer Mann an der Seite von Elin Larsson. Doch die Wechsel fielen nicht ins Gewicht, den man hatte anscheinend genug Zeit um gemeinsam zu proben, denn man lieferte eine astreine Show ab, bei der keine Wünsche offen blieben. Elin die auch schon 2015 am MoR überzeugen konnte, sang voller Freude und nutze die Bühne um ordentlich abzutanzen. Die Herren an den Instrumenten hielten sich im Hintergrund und überließen ihrer Frontfrau die Kommunikation mit dem Publikum. Und wie wenn die tolle Stimme noch nicht reichen würde konnte Frau Larsson mit ihrem roten hautengen Jumpsuit und in weißen Stiefeln voll überzeugen. Besonders gut kamen die beiden Hits „High Class Woman“ und das laut mitgesungene „Devil Man“, dass den Abschluss bildete an.

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Solider Gig einer sympathischen Truppe, die ohne Wenn und Aber von ihrer Sängerin getragen werden und Freude auf mehr machten.

Setlist BLUES PILLS:
Proud Woman
Low Road
Kiss My Past Goodbye
Dust
Black Smoke
High Class Woman
Bye Bye Birdy
Devil Man

 

Kurz vor 18 Uhr bei strahlendem Sonnenschein fand man sich erneut vor der Bühne ein, um den Herren von AMORPHIS beizuwohnen. Inzwischen auch schon mehr als 30 Jahre auf dem Buckel sind die Finnen ebenfalls keine Unbekannten hier in Tschechien. 2011 und besonders 2018 sind mir noch gut in Erinnerung, sorgten doch Sänger Tomi Joutsen und seine Mitstreiter für eine phantastische Stimmung nach Mitternacht bis 2 Uhr in der Früh. Mit einem fetten Intro mit Klassik-Elementen startete man ins Set ehe „Northwards“ vom neuen Album „Halo“, das die Charts in Europa nur so stürmte,  für die ersten Stagediver des Tages sorgte.

Tomi erkannte wohl der ein oder andere Fan erst auf den zweiten Blick, da sich der Sänger von seinen bis zum Boden reichenden Dreadlocks getrennt hat und nun mit kürzeren Haaren unterwegs ist. Unvergessen die Kreiselbewegungen, wo einem schon beim Zuschauen das Genick schmerzte. AMORPHIS zogen routiniert ihr Ding durch und die Mischung aus gutturalem und cleanem Gesang funktioniert hervorragend und sorgt für Abwechslung.

Masters Of Rock 2022: HEAVEN SHALL BURN, SEPULTURA, LORDI, AMORPHIS, BLUES PILLS

Einziger Kritikpunkt, meiner Meinung nach funktionieren die Finnen zu späterer Stunde und bei Dunkelheit um einige besser, da die düstere Stimmung so besser vermittelt werden kann. Trotzdem beide Daumen nach oben.

Setlist AMORPHIS:
Northwards
On The Dark Waters
Silver Bride
Into Hiding
Wrong Direction
The Moon
Black Winter Day
My Kantele
The Bee
House of Sleep

 

Wiedermal beehrten uns die Finnischen Monster LORDI am Masters Of Rock 2022 Festival. Diesmal hatte die Gruseltruppe jedoch einen neuen Gitarristen mit an Bord, den LORDI und Amen, der eine Mumie verkörperte, trennten sich. Jussi „Amen“ Sydänmaa der seit 1996 fixer Bestandteil der Formation war wurde mit Mr. Kone, was für ein Monster der auch immer sein sollte, ersetzt.

Am Anfang wurde sehr viel Neues, vor allem aus den letzten 3-4 Alben gespielt, das durch den schönen Bühnenaufbau untermalt wird. Beim tschechischen Publikum will das jedoch nicht wirklich zünden. „It Snows In Hell“ und „Blood Red Sandman“, das mit einen Babygeschrei eingeleitet wurde, funktionierten da schon um einiges besser. Doch spätestens die ganz großen Hits wie „Devil Is A Loser“ bei dem Mr. Lordi die Flügel ausbreitete, sorgten für  Begeisterung bei den Anwesenden. Bei „Who’s Your Daddy“ benutzte der Frontman von Lordi einen Flammenwerfer, um über die Köpfe der Zuseher für Hitze zu sorgen. Zum Abschluss hauten sie noch „Hard Rock Hallelujah“ mit dem sie 2006 den Eurovision Song Contest gewannen und „Would You Love A Monsterman?“ raus. Alles in allem ein gewohnt solider Auftritt der Finnen, doch nach mehrmaligem Sehen wird die Gruselshow zur Routine und sorgt wohl nur noch selten für den Wow-Effekt.

Masters Of Rock 2022: HEAVEN SHALL BURN, SEPULTURA, LORDI, AMORPHIS, BLUES PILLS

Setlist LORDI:
Get Heavy
Borderline
The Riff
Naked In My Cellar
Hug You Hardcore
Dynamite Tonite
Not The Nicest Guy
It Snows In Hell
Hellbender Turbulence
Blood Red Sandman
Biomechanic Man
Devil Is A Loser
Who’s Your Daddy?
Hard Rock Hallelujah
Would You Love A Monsterman?

 

Nach der Gruselshow von LORDI war es zu später Stunde Zeit für eine Prise deutschen Melodic Death Metal. HEAVEN SHALL BURN hatten die undankbare Aufgabe das teilweise etwas müde wirkende Publikum wieder munter zu bekommen. Wer die Band rund um Frontschreihals Marcus Bischoff kennt, der weiß, dass solche Kleinigkeiten wie Fans mitzureißen kein Problem darstellt. Bei lauwarmen Lüftchen und bombastischem Sound kam richtig gute Stimmung auf. „Hunters Will Be Hunted“ vom 2013er Album „Veto“ eröffnete das starke Set, das dank dem düsteren Bühnenbild noch verstärkt wurde. Rund um die Musiker wurde eine zerstörte Stadt aufgebaut, umgeben von Sandsäcken und Stacheldraht und jede Menge Pyrotechnik sorgte für weiteren optischen Aufputz.

Auch Marcus machte in seinem roten Hemd und inzwischen langen Haaren einen guten Eindruck, während seine Mitstreiter alle im typischen schwarz agierten. Mit „Übermacht“ und „Endzeit“ durften zwei Songs in deutscher Sprache ebenfalls nicht fehlen und reihten sich nahtlos ins Set ein. HEAVEN SHALL BURN überzeugten auf ganzer Linie und vertrieben sämtliche Müdigkeit aus den Knochen.

 

Setlist HEAVEN SHALL BURN:
Hunters Will Be Hunted
Black Tears (Edge Of Sanity Cover)
Übermacht
Voice Of The Voiceless
Protector
Counterweight
Behind A Wall Of Silence
Endzeit

 

Wer glaubt um 1 Uhr in der Früh wäre es Zeit fürs Zelt oder Hotelbett, der irrt und hat die Rechnung ohne SEPULTURA gemacht. 70 Minuten Trash Metal vom Feinsten sorgten für Circle – und Moshpits, für durchgeschwitzte Körper und fliegende Haare.

Sänger Derrick Green, nun auch schon seit fast 25 Jahren Mitglied dieser legendären Truppe unterhielt sich immer wieder mit den Leuten vor der Bühne, sorgte mit seinen reichlich verwendeten „Motherfuckers „ für Lacher und war bestens bei Stimme. Selbst ohne Gesang erstarrt man fast in Ehrfurcht, wenn einen der Blick des Hühnen trifft und die gewaltige Stimme mit einem spricht.

Masters Of Rock 2022: HEAVEN SHALL BURN, SEPULTURA, LORDI, AMORPHIS, BLUES PILLS

Als einzig verbliebenes Gründungsmitglied agierte Paulo Xisto Pinto Jr. am Bass und sorgte so für den nötigen Druck. Doch auch der Rest der Truppe musiziert schon seit einigen Jahren in dieser Formation und so werden Tracks wie „Refuse/Resist“, die Hochgeschwindigkeitsnummer „Arise“ oder der Rausschmeißer „Roots Bloody Roots“ in Perfektion abgeliefert.

Setlist SEPULTURA:
Arise
Territory
Means To An End
Choke
Kairos
Propaganda
Cut-Throat
Convicted In Life
Troops Of Doom
Slave New World
Refuse/Resist
Ratamahatta
Roots Bloody Roots


SEPULTURA waren als Abschluss des Ersten Tages des Masters Of Rock 2022 die perfekte Wahl und wer jetzt noch Kraft hatte, der konnte noch bis in die frühen Morgenstunden das Gelände unsicher machen auf der Suchr nach kalten Getränken und Speisen. Unsereiner fiel erschöpft nach dem 21 Stunden dauernden Tag kaputt in die Federn um am nächsten Tag in voller Stärke den vielen anderen Bands zu lauschen.

Bericht von [Andy Van Halen] und [Bennyman]

 

Ein Dank an Sabine und MoreMetal für die freundliche Bereitstellung der Fotos!



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