Vier Tage Festung, Schweiß und gute Musik
Von 5. bis 8. August 2026 wurde die Festung Josefov bei Jaroměř in Tschechien bereits zum 29. Mal zur Heimat des Brutal Assaults, und allein die Kulisse ist schon ein Grund hinzufahren, für mich als Fotograf ein regelrechter Spielplatz. Alle vier Tage, von Mittwoch bis Samstag, war ich dabei. Eigentlich hätte mich meine Kollegin Daniela begleiten sollen, sie fiel aber leider super spontan aus, und einen redaktionellen Ersatz hab ich so kurzfristig auch nicht mehr gefunden. Quasi solo unterwegs also, auch wenn ich die meiste Zeit mit einem Fotografen-Kollegen verbracht habe, den ich bei meinem zweiten earshot-Konzert in Wien damals bei KNOCKED LOOSE kennengelernt hatte. Ganz allein war ich also nicht, aber das eigene Programm, das eigene Tempo, das freie Umherstreifen zwischen den Bühnen auf der Suche nach den besten Fotos, das war einfach meins.
Die Hitze hat an drei der vier Tage ordentlich reingehauen. Ein Segen war das Presseareal mitten in den alten Festungsmauern, kühl, ruhig und die perfekte Rettungsinsel zwischen den schweißtreibenden Einsätzen im Fotograben. Gegessen hab ich am Gelände nur einmal am Tag, weil ich auf dem Weg vom Hotel jeden Morgen beim Supermarkt stehen geblieben bin. Gyros, Hot Dog und Pizza waren aber durchwegs gut und im Vergleich zum Nova Rock um mindestens ein Drittel billiger, das Bier sogar fast um die Hälfte. Am Ende hab ich das ganze Festival richtig ins Herz geschlossen, die gigantische Kulisse, die fairen Preise und die entspannte Atmosphäre. Man hat sich von der ersten Minute an einfach wohlgefühlt.
Zum Gelände: Die beiden Hauptbühnen stehen direkt nebeneinander und Bands wechseln sich jeweils mit fünf Minuten Pause dazwischen ab. Dazu kommen die Obscure Stage und die kleine Octagon Stage, die komplett von Festungsmauern umschlossen ist.
Mittwoch – der sehr, sehr heiße Auftakt
Mein Brutal Assault 2026 begann auf der Obscure Stage mit 200 STAB WOUNDS. Die US-Amerikaner gelten als eine der aufstrebendsten Bands des modernen Death Metal und haben sich in den letzten Jahren auch bei Traditionalist*innen Respekt erspielt. Bei heftiger Mittagssonne und ohne ein Stückchen Schatten vor der Bühne wirbelte das Publikum bereits ordentlich Staub auf. Musikalisch ein tolles Festival-Intro für mich, auch wenn manche Breaks den Spielfluss etwas ausgebremst haben. Für mich persönlich gab es gleich zu Beginn einen Dämpfer, ich hatte meinen Kameraakku im Auto vergessen und stand bei meinem allerersten Set komplett ohne Fotos da, ein Klassiker zum Aufwärmen.
Nach einer kurzen Parkplatz- und Geländerunde gings hinüber zur Hauptbühne. VENDED sind als Newcomer mit erst einem Album überraschend hoch im Line-up platziert, was auch an der Promi-DNA liegt, gleich zwei Mitglieder sind Söhne von SLIPKNOT-Musikern. Sänger Griffin Taylor hat nicht nur die Gestik, sondern auch die markante Stimmfarbe seines Vaters Corey geerbt. Die Songs haben gut geklungen und die Band gab mit enormem Einsatz alles. Für meinen Geschmack war die Ähnlichkeit zum großen Vorbild in Gesang und Auftreten schon ein bisschen zu groß, aber die Stimmung in der Menge war fantastisch.
Direkt danach knallte es ordentlich, GUILT TRIP bewiesen auf der Main Stage, wie viel Spaß Hardcore auf einer Hauptbühne machen kann. Die Jungs aus Manchester bieten klassischen, kompromisslosen Hardcore, und ich hatte riesigen Respekt vor allen, die bei der brutalen Nachmittagssonne unermüdlich Moshpits auf den harten Boden gezimmert haben, ohne umzukippen. Eine richtig starke Band, wer die Möglichkeit hat, sollte sie sich unbedingt live anschauen.
Ein ganz besonderes Highlight wartete danach auf der kleinen Octagon Stage. DOM ZŁY spielten mein erstes Konzert auf dieser Bühne. Die düstere Post-Black-Metal-Kombo aus Polen lieferte eine intensive, schwere Performance ab, und auch ohne ein Wort Polnisch zu verstehen, hat man die Emotion voll mitbekommen. Die Atmosphäre im intimen Octagon war viel unmittelbarer und packender als auf den riesigen Hauptbühnen, ein fantastischer Einstand für diesen Ort.
Wieder zurück bei den Hauptbühnen zeigten FIT FOR AN AUTOPSY, dass sie eine echte Macht sind. Als ich sie das letzte Mal in Wien-Simmering sah, war Sänger Joe Badolato gesundheitlich recht angeschlagen. Umso gespannter war ich, wie er sich auf der großen Festivalbühne schlagen würde, und er klang phänomenal, noch besser und gewaltiger als zuvor. Spätestens bei „Red Horizon“ waren seine Vocals einfach irre. Die Hauptbühne tat der Band hörbar gut, und mit 50 Minuten Spielzeit war das Set für mich als Fan perfekt bemessen. Drüben auf der Main Stage B sah ich mir danach PERIPHERY an, für mich das zweite Mal live. Aus fotografischer und technischer Sicht ist das, was die US-Prog-Profis an ihren Instrumenten veranstalten, Oberklasse, ein hochpräzises Treffen von Metalcore und komplexem Progressive Metal. Trotz des handwerklichen Könnens bin ich musikalisch aber einfach nicht ganz warm mit ihnen geworden. Bei der unbarmherzigen Affenhitze flüchtete ich im Anschluss erst mal zurück ins kühle Presseareal, um den Kopf wieder klarzubekommen. Am frühen Abend spielten die Isländer von SÓLSTAFIR auf der Obscure Stage ihre typische nordische Melancholie.
Später am Abend zelebrierten AMENRA auf der Hauptbühne das genaue Gegenteil. Mit ihren düsteren Schwarz-Weiß-Visuals und erdrückend schweren Post-Metal-Epen erzeugten die Belgier eine fast schon sakrale, beklemmende Atmosphäre. Songs wie „Razoreater“ oder „A Solitary Reign“ sind live einfach unfassbar gut. Eigentlich funktionieren Amenra in kleinen Clubs am besten, und das hat man auch gemerkt, weiter hinten wurde es in den leisen Passagen spürbar lauter, was einer Band wie Amenra natürlich nicht guttut. Auf einem Festival mit zwei Hauptbühnen direkt nebeneinander lässt sich das aber kaum vermeiden, man kann eben nicht nur Fans vor der Bühne haben, die genau wissen, wann sie still sein müssen. Vorne war man trotzdem komplett drin. Wie immer genial, schade nur, dass ich mir wegen anderer Fotoverpflichtungen nur etwa drei Viertel des Sets ansehen konnte.
Den späten Auftritt von BATUSHKA auf der Hauptbühne hab ich leider komplett verpasst, weil ich zu dieser Zeit bereits für WITCH CLUB SATAN bereitstehen musste, da ich von der Band einen direkten Fotoauftrag hatte. Einige Besucher waren um diese Uhrzeit bereits völlig bedient und wanderten Richtung Zeltplatz ab, aber wer um zwei Uhr nachts noch vor der Obscure Stage ausgeharrt hat, bekam 40 Minuten lang eine mitreißende, kompromisslose Black-Metal-Show des norwegischen Trios geboten. Die drei verbinden rohen Black Metal mit viel Theatralik und Emotion. Lieder wie „You Wildflower“ sind einfach sensationell und wirken selbst um halb drei in der Nacht noch so intensiv, dass an Müdigkeit nicht mehr zu denken war. Mit vielen guten Fotos und Eindrücken aus dem Obscure-Backstage ging ein langer, anstrengender und vor allem heißer erster Tag zu Ende.
Donnerstag – kurze Nacht, langer Tag
Nach ein wenig Zeit im Backstage mit den Hexen von WITCH CLUB SATAN nach dem Konzert, der späten Rückkehr ins Hotel, dem langwierigen Sichern der Fotodateien auf dem Laptop und einer erlösenden Dusche lag ich erst um fünf Uhr morgens im Bett. Dementsprechend schwer fiel das Aufstehen, die Death-Metal-Truppe SANGUISUGABOGG um 13 Uhr hab ich dadurch schlicht verpasst, im Nachhinein wirklich schade.
Die erste Band des Tages waren für mich somit KITTIE am Nachmittag auf der Hauptbühne. Die kanadische All-Female-Band feierte ihr Brutal-Assault-Debüt. Ich kannte sie vorher gar nicht wirklich, wurde aber positiv überrascht, ein starker Mix aus alten Nu-Metal-Klassikern und neuem Material, der für enorm viele Crowdsurfer sorgte und den Securitys im Graben alles abverlangte. Direkt im Anschluss legten BLEED FROM WITHIN auf der Nachbarbühne eine gigantische Show nach. Zuletzt sah ich die Schotten in Stuttgart als Support von SLIPKNOT, doch ihre headlinerwürdige Festival-Produktion mit riesigem Backdrop, aufblasbaren Stacheln und goldenen Bühnenelementen übertraf das noch mal. Es gab Circle Pits, eine massive Wall of Death und punktgenaue Choreo-Sprünge, und ein Fan warf der Band sogar eine Dose des schottischen Kult-Getränks Irn-Bru auf die Bühne.
Von der Hauptbühne gings rüber zur Obscure Stage, wo SLOPE kurzfristig für die krankheitsbedingt abgesagten ILL NIÑO einsprangen. Wer zu den deutschen Hardcore-Jungs rübergeschlendert ist, erlebte eine spritzige, gut aufgelegte Show, die trotz enormer Hitze einfach Lust auf Bewegung machte.
Auf der Hauptbühne walzten kurz darauf THY ART IS MURDER mit präzisem Deathcore und neuem Sänger über das Infield. Während Tyler Miller, der damals CJ McMahon ersetzte, der Band meiner Meinung nach nicht gutgetan hat, scheint der neue Mann am Mikro, Jerry Grimefeld, genau das mitzubringen, was die Band jetzt braucht. Auf der Obscure Stage überzeugten im Anschluss TERROR mit einem gewohnt intensiven Set. Im Pit war durchgehend was los, und ehrlich gesagt hätten die auch locker auf eine der Hauptbühnen gepasst.
Für einen atmosphärischen Kontrast steuerte ich danach das Octagon an, um WYATT E. zu sehen. Die Belgier spielen orientalisch angehauchten Doom und Post-Rock, waren in Beduinen-Gewänder gehüllt und versetzten die vollgepackte Festungsecke in einen hypnotischen Sound-Rausch. Auf der Obscure Stage folgten danach DEICIDE. Ich kannte die Band vorher kaum, hatte am Gelände aber so viele Shirts von ihnen gesehen, dass ich entsprechend gespannt war. Old-School-Satanic-Death-Metal, brutal bis zum Schluss, und vor allem Sänger Glen Benton hatte eine wahnsinnig heftige Bühnenpräsenz.
Nach diesem langen, heißen Geballer-Tag war CARPENTER BRUT auf der Hauptbühne der perfekte Abschluss vor der Rückfahrt ins Hotel. Ein komplett konträres Programm, düsterer Synthwave auf einer riesigen Bühne, unterstützt von Live-Schlagzeug, Gitarre und einer bombastischen Lichtshow. Das Infield war proppenvoll. Während sich weiter hinten nach dem langen Tag erste Ermüdungserscheinungen zeigten, wurde vorne exzessiv getanzt. Spätestens beim epischen Cover des Michael-Sembello-Klassikers „Maniac“ wurden auch die letzten Energiereserven mobilisiert. Fetter Sound, fette Produktion, genau das richtige Kontrastprogramm und ein würdiges Ende für den Tag.
Freitag – etwas kühler und viel Kamera
Der Freitag brachte spürbar angenehmere Temperaturen, was dem durchgeschwitzten Körper richtig guttat. Mein Fokus lag an diesem Tag ganz besonders auf der Fotografie, viele Bands hab ich primär nur die ersten drei Lieder aus dem Fotograben und durch die Linse erlebt statt als reiner Zuschauer. Im Graben war es meistens enger als etwa am Nova Rock, aber nie zu eng, und man hat gegenseitig auf sich geschaut. Schön war auch, wie international die Fotograf*innen-Runde war. Während man in Österreich im Graben fast nur auf Österreicher*innen trifft, standen hier Leute aus ganz Europa nebeneinander.
Für mich eröffnet haben den Nachmittag RATOS DE PORÃO auf der Hauptbühne, eine der positivsten Überraschungen des Festivals. Die brasilianischen Hardcore-Legenden verbanden ihre unmissverständliche antifaschistische Haltung mit riesiger Spielfreude. Frontmann João glänzte mit seinen ganz eigenen Tanzeinlagen, während die Gitarristen immer wieder um das Schlagzeug rotierten. Trotz der riesigen Bühne hatte das Set den unpolierten Charme einer intimen Club-Show. Auf den anderen Bühnen gings direkt hart weiter, SIGNS OF THE SWARM zerlegten die Main Stage A mit modernem Deathcore, gefühlt ein einziger Breakdown ohne Atempause, während die tschechischen Lokalmatadore von SNĚŤ ihren herrlichen Death Metal präsentierten. Danach ließen CORROSION OF CONFORMITY ihren gewohnten, tiefgestimmten Mix aus Sludge und Stoner Rock über das Areal rollen.
Auf der Hauptbühne zeigten danach ANIMALS AS LEADERS, was technisch auf Instrumenten möglich ist. Zwar mussten sie ihren Opener wegen eines kurzen technischen Makels nach wenigen Sekunden abbrechen und neu starten, doch danach lief alles wie ein Uhrwerk.
Danach wurde es auf der Obscure Stage historisch. Eigentlich hätte ARTHUR BROWN schon im Vorjahr spielen sollen, musste damals aber aus gesundheitlichen Gründen absagen. Umso schöner, dass der mittlerweile 84-Jährige den Auftritt heuer nachgeholt hat. Als „God of Hellfire“ betrat er mit opulenter Band die Bühne, und trotz unzähliger Kostümwechsel zwischen den Songs zeigte der Altmeister eine atemberaubende stimmliche Präsenz. Der brennende Helm beim Kulthit „Fire“ fehlte ebenso wenig wie eine spontane Version von „I Put A Spell On You“. Unglaublich inspirierend, man wünscht sich selbst, den eigenen Lebensabend einmal mit so viel Energie und Auftrittslust verbringen zu dürfen.
Im Anschluss enterten PALEFACE SWISS die Hauptbühne. Die Schweizer haben in den letzten Jahren einen bemerkenswerten Aufstieg hingelegt, mein erstes Konzert mit ihnen war in der kleinen Szene Wien, dann folgte das Gasometer, und nun standen sie auf der Hauptbühne des Brutal Assaults. Früher konnte ich mit ihrem Beatdown nicht allzu viel anfangen, aber diesmal packten sie mich auch musikalisch richtig, der ein oder andere Song hat mittlerweile sogar den Weg in meine privaten Playlists gefunden.
Auf der Obscure Stage bewiesen danach GRAVE zur Primetime, warum sie nach dem Vorjahr direkt wieder eingeladen wurden. Die schwedischen Death-Metal-Urgesteine machten ihren Soundcheck selbst, und obwohl die Ansagen gewohnt trocken blieben, knallte der Sägeton-Sound gewaltig. Die Menge dankte es mit einer Rekordzahl an Crowdsurfern. Für mich und viele andere waren kurz darauf PRIMUS auf der Main Stage B der heimliche Headliner des Tages. Es war der allererste Auftritt von Primus in der Festung Josefov überhaupt und ihre erste Show auf tschechischem Boden seit 15 Jahren. Das Trio um Bass-Genie Les Claypool startete mit eingängigen Grooves, bevor Claypool in seiner schrägen „Mr. Krinkle“-Persönlichkeit samt Schweinemaske den Kontrabass mit dem Bogen bearbeitete. Die Pits vor der Bühne waren wild, tanzbar und intensiv, und nach einem brillanten Set ging die Band völlig ohne große Schlussansage einfach von der Bühne, Kult.
Spät am Abend gab es auf der Obscure Stage noch ein echtes Schmankerl, die isländischen Black-Metaller von MISÞYRMING taten sich mit BEHEMOTH-Sänger Nergal zusammen, um das legendäre BEHEMOTH-Debütalbum „Sventevith“ live zu spielen. Nergal stand agil ohne Gitarre am Mikrofon, während MISÞYRMING als stoische Profis überzeugten, der Drummer tauschte sogar während eines laufenden Songübergangs unbemerkt eine defekte Fußmaschine aus. Das Publikum stand großteils einfach nur staunend da.
Samstag – der große Abschluss
Auch am Samstag war es noch warm, aber nicht mehr so unaushaltbar heiß wie zu Beginn der Woche. Der letzte Tag begann für mich früh um 12:25 Uhr auf der Hauptbühne mit HEAVY//HITTER. Ihren Termin in Salzburg hatte ich mir nicht einrichten können, umso schöner, dass es hier noch geklappt hat. Überrascht hat mich, wie hardcore-lastig die US-Amerikaner live klingen, besser hätte man nicht wach werden können.
Am Nachmittag walzten DEMOLITION HAMMER auf der Main Stage B. Trotz des fortgeschrittenen Alters der Bandmitglieder lieferten die New Yorker Thrash-Veteranen ein verheerendes Infield-Massaker ab. Kurz danach gings auf der Obscure Stage mit COFFINS mächtig weiter, sodass ich zwischen den Bühnen hin und her sprang, um von beiden Welten etwas mitzubekommen. Die japanischen Doom-Death-Schwergewichte boten ein fantastisches Set, der Gesang des Frontmanns war tief, dröhnend und kontrolliert.
Am frühen Abend sorgten SLIFT für den experimentellen Gegenpol, psychedelischer Stoner-Rock mit langen, ausufernden Jams, richtig spaßig anzusehen. Danach füllte das belgische Duo DOODESKADER das Octagon trotz ihres sehr untypischen, düsteren Drum-and-Bass-Sludge-Soundmixes spielend. Das mitgebrachte Luftballon-Bühnenbild bildete einen herrlich ironischen Kontrast zu den melancholischen Texten.
Zwischendurch war ich das erste Mal bei IMMINENCE auf der Hauptbühne. Die Schweden spielen melodischen Metalcore mit viel Atmosphäre und wenn Sänger Eddie Berg zur Geige greift, bekommt das Ganze eine fast schon cineastische Note. Musikalisch ist das zwar nicht ganz meins, aber als Verschnaufpause zwischen allem anderen hat das richtig gut gepasst.
Auf der Main Stage A lieferten THE GHOST INSIDE zur gleichen Zeit eine gewohnt professionelle, hochenergetische Metalcore-Show ab. Allerdings zieht die Band auch das dritte Mal etwas an mir vorbei, der Funke will bei mir leider einfach nicht ganz überspringen.
Auf der Obscure Stage nahmen kurz danach VADER die Bühne mit gewohnter polnischer Death-Metal-Präzision auseinander, ein Pflichttermin, der drückend und gewaltig rüberkam. Gleich im Anschluss folgte mein persönliches Highlight des Tages auf der Octagon Stage, RAGANA. Das feministische Duo mischt Doom, Sludge und rohen Atmospheric Black Metal, und das klingt wie niemand sonst. Besonders die Vocals bei „Desolation’s Flower“ gingen unter die Haut, und wie die beiden zwischen Schlagzeug und Gitarre hin und her tauschen, ist live faszinierend anzusehen. Das Octagon war brechend voll, richtig schön zu sehen, wie viele Leute sich das angeschaut haben.
Vor DEAFHEAVEN standen noch DER WEG EINER FREIHEIT am Programm. Die deutschen Post-Black-Metaller konnte ich leider nur aus dem Fotograben erleben, „Marter“ hab ich glücklicherweise aber trotzdem noch mitbekommen.
Ein weiteres großes Highlight auf der Obscure Stage waren danach DEAFHEAVEN. Ich hatte die Band erst kurz vor dem Festival gemeinsam mit SATURNISTS in Wien live gesehen und hätte sie mir direkt wieder anschauen können, so gut sind sie einfach. Songs wie „Doberman“ oder „Dream House“ sind live einfach magisch. Rasender Blackgaze vor den Festungsmauern, dazu Frontmann George Clarke, der sich komplett reinhängt, das hat perfekt gepasst. Neues Material hat die Band auch schon angeteasert, das anscheinend noch heuer erscheinen soll, ich bin gespannt.
Danach feierten die kanadischen Tech-Death-Legenden von CRYPTOPSY das 30-jährige Jubiläum ihres Meilensteins „None So Vile“ und spielten fast das komplette Album. Das Publikum rastete völlig aus, eines der intensivsten Sets des gesamten Wochenendes.
Als allerletzte Band meines Brutal Assaults 2026 gab ich mir schließlich HEALTH auf der Obscure Stage. Ähnlich wie CARPENTER BRUT am Donnerstag lieferten die US-Amerikaner mit ihrem düsteren Industrial-Cyberpunk-Sound und brachialen Beats einen gewaltigen, tanzbaren Kontrast. Dazu der heftigste Bass des ganzen Festivals, der ist richtig in die Magengrube gegangen. Hat zum Schluss noch mal richtig Spaß gemacht.
Fazit
Vier Tage, unzählige Bands, viele tolle und lustige Momente und eine alte Festung, die wie gemacht ist für so ein Festival. Körperlich hat das Ganze trotzdem gefordert, die Hitze und die kurze Nacht von Mittwoch auf Donnerstag mit gerade mal vier Stunden Schlaf haben sich bis zum Ende der Woche bemerkbar gemacht.
So viele Bands hätte es noch zu sehen gegeben, SATYRICON, CANDLEMASS, WARDRUNA, IMMOLATION, TRIPTYKON, ALCEST oder BODY COUNT standen alle im Line-up, und ich hab keine einzige davon geschafft. Das Programm ist so dicht gebaut, dass zu jeder Uhrzeit auf mindestens einer Bühne etwas Sehenswertes läuft. Wer sich einfach treiben lässt, hat da vier großartige Tage. Allein mit Presseauftrag für earshot war genau das aber auch die größte Herausforderung, zwischen Fotograben-Terminen und dem eigenen Programm blieb kaum Zeit, alles mitzunehmen, geschweige denn mal mit gutem Gewissen eine Pause einzulegen.
Und trotzdem macht genau das für mich das Brutal Assault aus: riesige Hauptbühnen-Acts, kleine Perlen im Octagon, alte Legenden und Bands, die ich vorher gar nicht am Schirm hatte. Nächstes Jahr bin ich, wenn es sich terminlich ausgeht, definitiv wieder dabei.
Autor & Fotos: Anthony Seidl

