Brutal Assault 2026: Top 10 Bands dieses Jahres
Zehn Bands aus dem Brutal Assault 2026, fünf davon habe ich schon einmal live erlebt, fünf noch nicht. Auf die zweite Hälfte freue ich mich mehr. Die erste trägt aber genauso viel, allein deshalb, weil drei davon zu den intensivsten Live-Erlebnissen der letzten Jahre gehören.
WITCH CLUB SATAN habe ich mittlerweile mehrfach gesehen. München, Wien, Eindhoven, dazu die Eröffnung der Wiener Festwochen vor rund 120.000 Leuten. Am intensivsten bleibt der Münchner Abend in Erinnerung, an dem die Sängerin sichtbar hochschwanger mit Zwillingen auf der Bühne stand und trotzdem oder gerade deshalb keinen Millimeter zurücknahm. Das norwegische Kollektiv verhandelt Black Metal als feministisch-rituellen Akt, mit Altar-Bühne und ohne ironischen Sicherheitsabstand. In Josefov treffen die rauen Festungsmauern auf eine Inszenierung, die ohnehin schon religiös gedacht ist. Schwer vorstellbar, dass das nicht zündet.
AMENRA, die belgische Post-Metal-Gemeinde um Colin H. van Eeckhout, ist seit 1999 unterwegs und war zuletzt 2025 in der Arena Wien zu erleben. Was an dem Set hängen geblieben ist, ist nicht das Volumen, sondern wie strategisch die Band Stille einsetzt. Pausen, in denen sich der Raum spürbar zusammenzieht, dann ein Anschlag, der das Publikum komplett resettet. Emotional und hart sind keine Gegensätze bei AMENRA, sondern dieselbe Sache von zwei Seiten. Eine Stunde davon in einer barocken Festung könnte tatsächlich ins Sakrale kippen.
Will Putneys New-Jerseyer Deathcore-Outfit FIT FOR AN AUTOPSY liefert seit Jahren eine der konsequentesten Live-Walls des Genres. Politisch direkt, technisch sauber, ohne Show-Mätzchen. Schon einmal live erlebt, und es gibt wenig in dem Genre, das so sortiert wirkt wie ihre Riff-Architektur. Putney ist nebenbei Produzent von halben Genre-Karrieren, das hört man dem eigenen Sound auch an.
Scott Vogels Los-Angeleser Hardcore-Kommando TERROR spielt seit 2002 unverhandelbar geradlinig: kurze Songs, klare Linien, keine Pose. In der Arena Wien haben sie ein Set zwischen Pit-Eruption und kollektiver Mitsing-Sitzung gespielt, das danach nicht mehr zu toppen war. In Josefov stehen sie in einem extremeren Umfeld, der Mechanismus funktioniert dort allerdings vermutlich noch besser.
Mit „Sunbather“ haben DEAFHEAVEN 2013 eine ganze Spielart definiert und ihren Sound seitdem mehrfach neu justiert, ohne die visuelle Sprache zu verlieren. Schon einmal live erlebt, und was vor allem hängen geblieben ist, ist genau diese visuelle Sprache: viel Backlight, viel Bewegung im Nebel, kaum Frontlight. Jede Tournee bringt bei ihnen eine andere Lichtdramaturgie mit. Auf die in Josefov bin ich entsprechend gespannt.
Soweit zu den fünf, die ich schon gesehen hab. Bei den nächsten fünf kommt der Reiz genau aus der Tatsache, dass ich sie noch nicht live erlebt habe.
GUILT TRIP aus Sheffield ist britischer Hardcore, mit „The River“ (2023) endgültig aus dem nationalen Zirkel rausgesprungen. Beatdown-affin, aber mit melodischen Schichten, die das Genre nicht oft zulässt. Bei mir bislang einer der konsequentesten blinden Flecken im Hardcore-Block, was umso seltsamer ist, weil ihre Mitschnitte stehend ausverkaufte Räume zeigen.
VENDED, die Iowa-Formation um Griffin Taylor und Simon Crahan, ist auf dem Papier der „Slipknot-Nachwuchs“, live aber längst ein eigenständiger Modern-Metal-Act mit eigenem Profil. Das Debüt kam 2024 und hat den Familienanschluss-Vergleich schneller abgelegt, als die meisten erwartet hatten. Jetzt fehlt mir nur noch das Konzert dazu.
Dani Filth führt CRADLE OF FILTH seit 1991, symphonischer Black Metal mit Hammer-Horror-Bildwelt. Überraschenderweise habe ich es bislang nie geschafft, sie live zu sehen. Bei einem Klassiker dieses Kalibers eine Lücke, die in Josefov dringend geschlossen werden muss. Hinzu kommt: Eine barocke Festung ist als Setting für CRADLE OF FILTH fast unfair passend.
BATUSHKA spielt polnischen Black Metal in Mönchsgewändern, orthodox-liturgischer Bildwelt und maximaler Ritus-Inszenierung. Trotz aller Streitigkeiten um den Bandnamen gilt der Live-Eindruck weiterhin als einer der intensivsten der gesamten Szene. Höchste Zeit, das selbst zu prüfen, statt es nur aus Reviews zu kennen.
Tosin Abasi, Javier Reyes und Matt Garstka sind ANIMALS AS LEADERS und spielen Progressive Metal ohne Sänger. Komposition als Hauptattraktion, mit acht Saiten, Jazz-Phrasierung und rhythmischer Präzision auf Schweizer-Uhr-Niveau. Ein langjähriger Wunsch auf meiner Live-Liste, und der technisch dichteste Slot meiner Top 10.
Wie diese Liste nach vier Tagen Festung wirklich klingt, weiß ich heute noch nicht. Es ist mein erstes Brutal Assault, und genau das macht es spannend.
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