Das Brutal Assault findet 2026 zum 27. Mal in der Festung Josefov statt, und ich bin das Line-up wie immer zuerst aus fotografischer Sicht durchgegangen. Die Festung selbst nimmt einem die Hälfte der Arbeit ab: Kasematten, schiefe Lichtachsen, Mauerwerk, das das ein oder andere Bühnenbild von hinten rahmt.
Mehrere der Acts der diesjährigen Besetzung habe ich bereits hinter der Linse gehabt darunter AMENRA, WITCH CLUB SATAN und DEAFHEAVEN und stehe trotzdem, oder gerade deshalb, mit besonderer Vorfreude wieder im Pit. AMENRA arbeitet seit über zwanzig Jahren mit Stille als Material; ihre Konzerte gleichen weniger einer Show als einer Andacht und verlangen jedes Mal eine andere Annäherung. WITCH CLUB SATAN inszeniert Black Metal als feministischen Ritus, die Bühne wird zum Altar. DEAFHEAVEN schließlich denken Blackgaze als Lichtkomposition, nicht als Genreschublade; die Band hat seit „Sunbather“ 2013 mehrfach ihren Sound neu justiert, ohne die visuelle Sprache zu verlieren.
Am Mittwoch füllt sich der Hof zusätzlich mit FIT FOR AN AUTOPSY und CROWBAR auf die ich mich schon sehr freue. Will Putneys New Jerseyer Deathcore-Outfit zählt zu den schwergewichtigsten Vertretern des Genres, politisch direkt und raumgreifend. CROWBAR wiederum hat in New Orleans Anfang der Neunziger eine Doom-Sludge-Linie etabliert, ohne die weder die späten PANTERA noch DOWN oder EYEHATEGOD denkbar wären.
Der Donnerstag steht im Zeichen einer Begegnung, die so nicht oft zustande kommt: ICE-T mit BODY COUNT auf einer europäischen Festungsbühne. Das Crossover-Projekt existiert seit 1990 und befindet sich aktuell, gestützt von Grammy und Album „Merciless“, in seiner zweiten Hochphase. Daneben spielen THY ART IS MURDER, seit über einer Dekade eine der schwersten Deathcore-Bands aus Sydney, SANGUISUGABOGG, das junge Slam-Death-Quartett aus Columbus, Ohio, sowie TERROR, Scott Vogels seit 2002 unverhandelbar geradliniges Hardcore-Kommando aus Los Angeles.
Der Freitag öffnet ein anderes Feld. ANIMALS AS LEADERS spielen Progressive Metal ohne Sänger; Tosin Abasis Achtsaiter und Matt Garstkas Schlagzeug rücken die Komposition selbst ins Zentrum. PALEFACE SWISS sind dagegen der Schweizer Deathcore-Hype 2026, aus Zürich heraus innerhalb weniger Jahre international gebucht.
Der Samstag schließt mit dem dichtesten Block. CONJURER aus Großbritannien haben mit „Páthos“ 2022 international Aufmerksamkeit bekommen. Sludge und Post-Metal, schwer und melodisch durchdacht zugleich. CRADLE OF FILTH brauchen kaum noch Einführung: Dani Filth führt das Projekt seit 1991, symphonischer Black Metal mit Hammer-Horror-Bildwelt, viel Theatralik, und nie ins Augenzwinkern verfallen. HEAVY//HITTER zähle ich zu den spannenderen kleineren Slots, ein junger US-Hardcore-Act mit viel Eigenstimme. Und mit DEAFHEAVEN endet meine Liste dort, wo sie auch hätte beginnen können. Sie gehören zu der Liste an Bands die ich einfach nicht genug sehen könnte. Deswegen sehe ich sie gleich zwei Mal dieses Jahr!
Brutal Assault hat in seinem 27. Jahr meiner Meinung nach ein Wahnsinns-Line-up zusammengestellt, das in der Tiefe noch viel mehr bietet als das, was hier in diesen Artikel passt. Was oben steht, ist meine eigene Vorauswahl, gefiltert durch die Frage, welche Bühnen am Ende auch im Bild tragen. Auf die ein oder andere neue Entdeckung in Josefov freue ich mich genauso. Den Rest entscheidet die Festung im August selbst.
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