Mein erstes Mal Brutal Assault: Das sind die Unterschiede zum Nova Rock
Nach mehreren Sommern in Nickelsdorf steht im August 2026 zum ersten Mal Brutal Assault auf meinem Plan: fünf Tage in der Festung Josefov, eines der härtesten Extreme-Metal-Programme Europas. Schon bevor ich überhaupt vor Ort war, sind vier Sachen klar, die das Festival vom Nova Rock deutlich unterscheiden.
Beim Nova Rock heißt „Rock“ so ziemlich alles. GREEN DAY, IRON MAIDEN, LINKIN PARK, dazu Metal-Schwergewichte, MÅNESKIN und immer wieder anderer Mainstream wie Hip-Hop in den Headliner-Slots. Drei große Hauptbühnen, ein offenes Wiesengelände. Das Line-up ist ein Querschnitt durch das, was im Sommer gerade läuft, mit klarem Auge auf hohe Besucherzahlen.
Brutal Assault macht das Gegenteil. Das Programm 2026 deckt fast alles ab, was in der Extremmusik gerade Rang und Namen hat: Death und Black Metal, Sludge, Post-Metal, Hardcore, Doom, dazu eine ordentliche Portion experimenteller Elektronik, verteilt auf fünf Bühnen samt der ambient-elektronischen KAL Stage. Auch die wenigen Acts, die da auf den ersten Blick aus der Reihe tanzen, also THE SISTERS OF MERCY, PRIMUS oder die Synthwave-Doppelpackung PERTURBATOR und CARPENTER BRUT, sind keine Pop-Beigaben. Das Festival weiß sehr genau, wofür es da ist.
Das Nova-Rock-Publikum ist quer durchgemischt. Vom POPPY-Teenager bis zum Maiden-Veteranen stehen rund 60.000 Menschen pro Festival nebeneinander im Camp, dazu eine ordentliche Schicht Leute, die mehr wegen der Wiese und der Party da sind als wegen der Musik. Dresscode breit, Band-Shirts gestreut, viele Erst- und Spontanbesucher.
Das Brutal Assault funktioniert grundlegend anders. Wer dort hinfährt, fährt wegen der Musik. Das Publikum, rund 20.000 stark, ist quer durch alle Altersgruppen tief in der Szene verankert, dazu international gut durchmischt: tschechisch, polnisch, deutsch, britisch, von Osteuropa bis Westeuropa alles im selben Pit. Beim Nova Rock geht es um ein Sommerwochenende. Bei Brutal Assault geht es um eine Szene, die sich für ein paar Tage an einem Ort versammelt. Dass Sea Shepherd seit Jahren als Festival-Partner mit eigenem Bereich direkt am Gelände präsent ist, sagt nebenbei einiges darüber, wie sich diese Szene versteht.
In der Location liegt der wohl deutlichste Unterschied. Nova Rock findet auf den Pannonia Fields bei Nickelsdorf statt, einer Ebene im Burgenland, flach, sonnig, staubig im Sommer. Die Bühnen stehen auf einer Wiese, das Camping breitet sich drumherum aus, alles funktional, alles Greenfield. Das Gelände ist definitiv ein Schauplatz und nicht Mitspieler.
Das Brutal Assault läuft seit 2007 in der Festung Josefov, einer barocken Militärfestung aus dem späten 18. Jahrhundert. Bühnen stehen in Innenhöfen und an Mauerflanken, Wege führen durch Kasematten, das Mauerwerk schluckt und reflektiert Licht und Sound gleichzeitig. Das Gelände ist nicht nur Veranstaltungsort, es ist Teil der Sache. Eine Wiese in der Pannonischen Tiefebene kann das so nicht leisten, allein physisch nicht.
Das letzte Stück Unterschied liegt im Drumherum. Nova Rock konzentriert sich strukturell auf das, was auf den Bühnen passiert. Brutal Assault baut die Festung systematisch in ein erweitertes Programm aus: Die offizielle Festival-Info listet unterirdische Katakomben, Kunstgalerien, ein Horror-Kino, eine ausgedehnte Chill-out-Zone und einen Naturwall als Tribüne gegenüber den Hauptbühnen. Dazu kommen kommentierte Führungen durch das historische unterirdische Labyrinth bei Kerzenschein sowie die KAL Stage als eigene Bühne für tiefen Ambient, Noise und dunkle Elektronik. Auf einer flachen Wiese im Burgenland lässt sich davon strukturell nichts abbilden. In Josefov gehört das einfach mit dazu.
Nova Rock ist ein breit aufgestelltes Sommerfestival, das viele verschiedene Leute anspricht. Das Brutal Assault ist enger gefasst, in einer Festung, mit klarem Publikum. Ich freue mich sehr darauf, nach mehreren Jahren auf einem zunehmend oberflächlich gewordenen Nova Rock im August zum ersten Mal in Josefov zu stehen.


