
Achtung! Wir spechen hier nicht über die Gleichnamige Band aus Deutschland sondern reisen in das schöne Italien und sehen mal was der Wind des Südens uns neues und frisches zu bieten hat. Nach fast einem Jahrzehnt Funkstille melden sich HEAVENFALL endlich mit ihrem zweiten Longplayer „Thorn“ zurück. Wer hier den typisch italienischen, zuckersüßen Power Metal erwartet, wird (glücklicherweise!) enttäuscht. Die Jungs aus der Nähe von Mailand, die seit 2003 gemeinsam an ihrem Sound feilen, setzen lieber auf eine herbe Mischung aus klassischem Heavy Metal und einer ordentlichen Portion Düsternis.
Hier ist mein persönlicher Eindruck von der Platte und wie sie eigentlich klingt. Der Opener „Squall-led“ tritt die Tür mit massiver Power Metal-Wucht ein. Spannend ist hier der vokale Seiltanz: HEAVENFALL lassen den Gesang zwischen glasklaren Linien und aggressiven, harschen Ausbrüchen pendeln. Ehrlich gesagt? Die Clean-Vocals haben so viel Kraft, dass die Growls für meinen Geschmack fast schon optional gewesen wären – der Song drückt auch so massiv nach Vorne. In „Sudden Zenith“ beweist die Band ein exzellentes Händchen für Dynamik. Die Saitenfraktion liefert sich hier ein technisches Feuerwerk, während die Hookline sofort im Ohr hängen bleibt. Es ist diese Art von Song, die ständig in Bewegung bleibt, ohne den roten Faden zu verlieren.
Ein echtes Highlight in Sachen Songwriting ist „No Candlelight“. Der Track tarnt sich anfangs als ruhige Nummer, entpuppt sich dann aber als kantiges Mid-Tempo-Biest. Keine glattpolierte Produktion, sondern Metal mit Ecken, an denen man hängen bleiben will. Anschließend variieren HEAVENFALL das Tempo geschickt. „This Illusion“: Zieht das Tempo wieder an, bleibt dabei aber kontrolliert druckvoll. „Left Apart“: Hier wird es verspielter. Die Band gönnt sich ruhige Atempausen zwischen filigranen Riff-Passagen – ein toller Kontrast zum direkten Einstieg des Albums.
Besonders packend wird es bei „Lingering Under The Acid Rain“. Wer die epischen Glanzzeiten von ICED EARTH vermisst, wird hier fündig. Der Song atmet diese spezielle, majestätische Atmosphäre, driftet zwischendurch aber in fast schon rasende Speed Metal-Gefilde ab.
Während „Midwinter In July“ für mich etwas zu sperrig wirkt und trotz guter Riffs nicht ganz den finalen Punch findet, liefert „Ora Pro Nemine“ das volle Kontrastprogramm. Nach einem cineastischen Hörbuch-Intro walzt sich der Track als schleppender, schwerer Banger durch die Gehörgänge.
Gegen Ende zeigt das Album seine stärksten melodischen Facetten. „Midnightingale“: Trotz brachialer Riff-Attacken ist dies die wohl eingängigste Hymne der Platte. Ein perfektes Beispiel dafür, wie HEAVENFALL Härte und Melodie verweben. „The Wind Chimes Garden“: Beginnt fast schon entspannt, baut sich dann aber zu einer Metal-Maschinerie auf, die in Sachen Ohrwurm-Faktor locker mit seinem Vorgänger mithalten kann.
Den Rausschmeißer macht „Stramonium“. Hier lassen HEAVENFALL ihre progressiven Muskeln spielen. Der Song verzichtet auf gefällige Melodien und setzt stattdessen auf komplexe, instrumentale Dichte. Ein sperriger Brocken, der Zeit braucht – aber genau das macht den Reiz aus.
Tracklist „Thorn“:
1. Squall-led
2. Sudden Zenith
3. No Candlelight
4. This Illusion
5. Left Apart
6. Lingering Under The Acid Rain
7. Midwinter in July
8. Ora Pro Nemine
9. Midnightingale
10.The Wind Chimes Garden
11. Stramonium
Gesamtspielzeit: 53:11
