Das Frischluft Opener im Posthof ist seit Jahren ein Highlight im Sommer in Linz. Bei heißen Temperaturen heizen dort Musiker und Bands aller Art ein. Neben den Rockern von STEEL PANTHER und dem hier besprochenen Live-Massaker von THE GHOST INSIDE sowie UNEARTH, konnte man auch schon Acts wie CARI CARI, als auch THE STREETS erleben. Auch TOCOTRONIC werden im August noch die gleichen Bretter besteigen.
Mit kompaktem LineUp, war eine tighte und intensive Show vorprogrammiert. Wer UNEARTH aus Massachusetts schon mal erlebt hat, weiß, dass hier keine Kompromisse zu erwarten waren. Die mittlerweile fast 30 Jahre existente Metalcore-Wucht rund, um Stimmgewalt Trevo Phipps ließ die schwitzenden Linzer nicht lange warten und schon fegte der erste Orkan in Form von „The Wretched; The Ruinous“ über die Zuschauerschaft. Verschnaufpausen gab es kaum, denn mit Tracks wie „Incinerate“ oder „Zombie Autopilot“ wurde weiter durchgeballert, ohne Schnickschnack oder cleanen Vocals. Der eine oder andere Ausreiße in Richtung Göteborg-Sound lockerte zwar auf und hier und da nahm man das Tempo dezent raus, dennoch ballerte man die guten 45 Minuten gekonnt durch. Trevor gab eher kurze, mal bestärkende, mal sozialkritisch und mal dankende Ansagen zum Besten, ins Plaudern kam er aber natürlich nicht. Dazu verlangte er immer mal wieder einen Circle-Pit, der ohne Widerrede sofort umgesetzt wurde. Soundtechnisch war das zwar am Anfang noch leicht schwammig, doch im Verlauf, traf einem die gesamte Wucht dann glasklar, sofern man das bei dieser doch recht wütenden Truppe so behaupten kann. Sie kamen, sie sahen und sie siegten einmal mehr. Die Bühne war also Frei für die Kollegen aus Los Angeles…
Setlist UNEARTH:
The Wretched; The Ruinous
Giles
Incinerate
This Glorious Nightmare
This Lying World
Zombie Autopilot
Mother Betrayal
The Great Dividers
My Will Be Done
My Heart Bleeds No Longer
Black Hearts Now Reign
Bei den Männern aus dem Süden der Staaten ging es auch sonniger zu, denn THE GHOST INSIDE setzen nicht nur auf fetten Post-Hard- und Metalcore, sondern auch auf melodischere Parts sowie eindringliche wie cleane Mitsingparts. Da brach man das, bei den dort herrschenden 35 Grad nicht vorhandene, Eis auch gleich mühelos mit „Avalanche“ eine raue Hymne, die ins Ohr geht, mit teils komplexen Riffs ausgestattet ist, aber punkigem Drive mitbringt. Der Track vom 2014er Album hat es insich, ließ die Fans aber gleich Mitshouten bei den extra dafür vorgehsehenen Parts, sowie im Chor die Stimme erheben im Refrain. Und so war es auch geschehen.
Jonathan Vigil und seine Jungs sind ein astrein eingespieltes Team. Man kann sich nicht nur an den Instrumenten punkgenau aufeinander verlassen, die Gesänge und Shouts, bei denen Zach, Jim und Chris immer wieder stimmstark unterstützen waren ebenso On Point wie deren Performance auf der Bühne. So kam auch vor der selbigen schnell Bewegung rein und bei „The Outcast“ war sowieso Breakdown-Stimmung angesagt. Auch wenn der Track mit viel schwermut daherkommt, brach die ausgelassene Stimmung nicht ab. Aber grundlos schmiss man den Song nicht so früh raus, verarbeitete man mit dem dazugehörgen selbstbetitelten Album den schweren Unfall mit dem Tourbus, der 2015 die gesamte Band schwer verletzte und die Fahrer beider Fahrzeuge sogar das Leben kostete.
Bei weiteren Tracks wie „Going Under“ oder „Light Years“ schien aber dann gleich wieder die Sonne über Kalifornien viel heller, stammen diese ja vom aktuellen Album, das zeigte, dass die Truppe wieder optimistischer an ihre Musik geht. Und so zeigte sich ein abwechslungsreiches Set, das auch hier und da Genres überquerte und die Zeit wie im Flug vergehen ließ. Jonathan zeigte sich eine spur redseliger, freute sich sichtlich hier sein zu dürfen und wirkte, wie die gesamte Band, sehr sympathisch und Fan nah. Und so staubte es noch einige Male zu dem einen oder anderen fetten Kracher, während manche einfach nur wunderbar ins Ohr gingen bis dann „Death Grip“ nochmal alles von den Linzer verlangte. Und die waren auch willig nochmals alles zu geben.
Setlist The Ghost Inside:
Avalanche
The Outcast
The Great Unknown
Going Under
Dark Horse
Pressure Point
Out of Control
Light Years
Wash It Away
Mercy
Dear Youth (Day 52)
Aftermath
Engine 45
Earn It
Death Grip
Zwei Bands aus dem gleichen Land und ähnlich musikalischer Herkunft und doch sehr verschieden. Dennoch passte das Package für diesen Abend perfekt zusammen, den sowohl UNEARTH, als auch THE GHOST INSIDE lieferten auf ihre eigene Art eine mehr als tighte Show, die Fans des Core begeisterte und die sowieso schon verschwitzten Linzer noch mehr Wasser kostete.
Autor & Fotos: Max Wollersberger


