
Ehrlich gesagt finde ich es sehr schade, dass Tobias Sammet 2014 seine Band EDGUY zu Grabe getragen hat. Sein ab 2001 forciertes Projekt AVANTASIA haben mich über die Jahre musikalisch über Wasser gehalten, aber in den letzten Jahren ist der Output weit unterm Durchschnitt und erfüllt mich nicht mehr wirklich.
Zum Glück habe ich jetzt eine Band entdeckt, die diese Lücke mehr als füllt. EVERMORE nennt sich das 2016 in Schweden gegründete Trio, das mit „Mournbraid“ schon ihr drittes Studioalbum vorlegt und mir bis dato unbekannt war, bis ich über die erste Singleauskopplung auf Youtube gestolpert bin. „The Illusionist (Raise The Curtain)“ erinnerte mich derart an die frühen AVANTASIA, dass die Anfrage für ein Review des Albums sofort auf den Fuß folgte.
Der Clip versprach nicht zu viel, wie sich gleich beim ersten Reinhören herausstellen sollte. Schon das Intro „The Void“ schleudert den Hörer zurück nach 2001, in jenes Jahr, in dem AVANTASIA mit „The Metal Opera“ ihr Debüt feierte.
Mit „Underdark“ und „Nightstar Odyssey“ untermauert die Band meinen ersten Eindruck, dass es hier extreme Parallelen zu den beiden Bands von Herrn Sammet gibt. Das liegt daran, dass EVERMORE musikalisch (obwohl nur zu dritt) voll auf Zack ist, aber mehr noch liegt es daran, dass es eine starke Ähnlichkeit in der Stimme von Johan Haraldsson zu Tobi gibt. Man könnte fast glauben, Sammet habe ein neues Projekt laufen. Wer sich selbst überzeugen will, dem seien Songs wie „Oath of Apathy“, das bereits erwähnte „The Illusionist (Raise The Curtain)“ oder Titans“ ans Ohr gelegt. Letzterer ähnelt auch im Text an AVANTASIA´s „The Story Ain‘t Over“. Mit „Amored Will“ wird noch ein kurzer Schlenker zu Bands wie SABATON und DREAM EVIL unternommen. Der Bonustrack „Old Man’s Tale“ ist eindeutig eine Verbeugung vor „Farewell“
Zu ähnlich, zu abgekupfert könnte man sich jetzt über EVERMORE und ihrem neuen Album mokieren. Das stimmt schon, aber wenn in diesem Fall die Originalbands nichts mehr machen, beziehungsweise nichts mehr Anständiges auf die Reihe bringen, ist es eine Wohltat sich solch einer grandiosen Kopie zu widmen. Der Fakt, dass es sich bereits um das dritte Album der Schweden handelt, erfüllt mich mit noch mehr Freude. Ich hoffe die beiden anderen Alben, die es für mich zu entdecken gibt, sind annähernd so gut gelungen (was ich nicht bezweifle) wie „Mournbraid“.
PS.: Wer sich dieses Album auf Vinyl zulegen will, der sollte schnell sein, denn es ist auf 300 Stück limitiert!
Autor: Max Reisinger
Tracklist „Mournbraid“:
1. The Void
2. Underdark
3. Nightstar Odyssey
4. Titans
5. Oath Of Apathy
6. The Illusionist (Raise The Curtain)
7. Armored Will
8. Ravens At The Gates
9. Mournbraid
10. Old Man’s Tale
Gesamtspielzeit: 51:52
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