
ASTRAYA startet 2018 in Stuttgart, Deutschland. Eher leise, fast schon im Schatten, aber genau da entsteht dieser ganz eigene Vibe: keine Lust auf schnellen Hype oder glattgebügelten Rock, sondern Musik, die sich Zeit nimmt und dich Stück für Stück reinzieht. Für mich fühlt sich das von Anfang an so an, als würde die Band weniger Songs schreiben und mehr Stimmungen erschaffen, die sich langsam entfalten. Mit Melina Abele am Mic wird das Ganze sofort greifbar – ihre Stimme kann gleichzeitig zerbrechlich und kraftvoll sein, und genau das trägt diese frühen Tracks wie „Black Awakening“ (2019) oder „Twilight“ (2019), die noch ziemlich roh produziert sind, aber genau dadurch diese ehrliche, ungefilterte Emotion haben, die hängen bleibt.
Mit dem Debütalbum „Myth Of Dike“ (2022) geht ASTRAYA dann einen riesigen Schritt nach vorne, und man merkt sofort: Das ist nicht einfach ein Album, das ist eher wie ein durchgehender Film. Songs wie „Myth Of Dike“ (2022), „Saturn“ (2022) oder „Abyss“ (2022) bauen sich langsam auf, fast schon hypnotisch, bis sie dich komplett einnehmen. Ich finde, das ist genau der Punkt, wo ASTRAYA ihren Sound wirklich findet – diese Mischung aus ruhigen, fast schon schwebenden Parts und diesen schweren, dichten Momenten, die dich emotional richtig treffen. Die Gitarren wirken hier nicht wie klassische Riffs, sondern eher wie Wellen, die sich übereinanderlegen, während die Vocals dich durch das Ganze durchziehen.
In den Jahren danach bleibt die Band nicht stehen, sondern entwickelt sich weiter, ohne ihre Identität zu verlieren. Mit Tracks wie „Heliotropic“ (2023) merkt man, dass sie mutiger werden, aber trotzdem diesen melancholischen Kern behalten. Und genau das feier ich an ASTRAYA: Die versuchen nicht, plötzlich massentauglich zu werden, sondern gehen ihren eigenen Weg weiter, egal ob der langsamer oder sperriger ist. Dann kommt der nächste große Schritt mit dem Signing bei „These Hands Melt“ und schließlich das zweite Album von ASTRAYA – „Atropine“ (2026), und man hört sofort, dass hier alles nochmal intensiver geworden ist. Für mich wirkt das Album wie die dunklere, schwerere Version von allem, was sie vorher gemacht haben. Die Themen sind härter, persönlicher, teilweise echt schwer zu greifen, und genau das macht das Album so intensiv.
Alles beginnt mit „A Spark Within“ soundmäßig fast schon „leicht“ für ASTRAYA. Cleane Gitarren, viel Reverb, ein schwebender Einstieg. Die Drums halten sich zurück, fast schon minimalistisch. Erst nach und nach schieben sich die verzerrten Gitarren rein, aber nie zu dominant. Für mich klingt das wie ein kontrollierter Aufbau, eher Atmosphäre als Druck. „In Devotion“ ist sehr dynamisch aufgebaut: ruhige, cleane Parts wechseln sich mit schwereren Passagen ab. Besonders stark finde ich hier das Zusammenspiel von Vocals und Gitarren. Melina’s Stimme liegt oft leicht über dem Instrumental, während darunter diese dunklen Flächen brodeln. In „A Theory Of Time“ wird’s technischer. Die Band spielt mehr mit Rhythmuswechseln und Timing. Gitarren sind teilweise kantiger, weniger flächig, fast schon leicht progressiv. Der Sound wirkt dadurch unruhiger, was perfekt zum Thema passt. Und natürlich der Album gebenden Song „Atropine“. Der Titeltrack setzt nicht auf ein großes Finale, sondern auf Nachwirkung. Der Sound bleibt schwer, aber kontrolliert. Weniger Explosion, mehr Atmosphäre, die langsam ausklingt. Gerade das macht ihn so effektiv.
Für mich lebt „Atropine„ von ASTRAYA komplett vom Zusammenspiel aus Raum, Dynamik und Schwere. ASTRAYA schaffen es, dass selbst die lautesten Momente nie plump wirken, weil sie sich immer aus ruhigen, offenen Parts entwickeln.
Tracklist „Atropine“:
1. A Spark Within
2. Lighthouse
3. In Devotion
4. A Theorie Of Time
5. Descendant Of A Dead Man
6. Valley Of The Damned Part I
7. In The Pale Glow Of Torches
8. Arrival
9. Valley Of The Damned Part II
10. Atropine
Gesamtspielzeit: 45:02
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