
Melodic Death Metal mit Viking Elementen, oder wie auch immer man den Stil im Fahrwasser von AMOM AMARTH genau benennen soll, ist so eine Sache. Auf der einen Seite steht kraftvoller energischer Metal einer gewissen kitschigen Verklärung von kriegerischer Geschichte gegenüber. Und wer die Schwedenlegenden schon live erleben durfte der weiß, dass auch die Inszenierung teils wichtiger als der musikalische Part erscheint.
Man merkt hier vielleicht schon, dass diese Art von Melodic Death Metal nicht zu 100% meinem Metal Geschmack entspricht. Und trotzdem kann ich Alben wie „Twilight of the Thunder God“ definitiv etwas abgewinnen und war auch interessiert daran, was die Dänen von VANIR auf ihrem
neuesten Release „Wyrd“ vorzuweisen haben, sind sie doch mit insgesamt nun acht Alben so etwas wie alte Hasen im Geschäft.
„Against The Storm“ gibt die Richtung vor. Druckvolle Gitarren nehmen großflächig mit ihrem melodischen, aber aggressiven Riffing, den Raum ein. Die Vocals von Martin Drageholm sind rau und kehlig vorgetragen und passen exakt zum Thema der kriegerischen Geschichten und mythologischen Legenden. Recht bald stoßen Keyboards mit ins Klangbild und nehmen doch recht viel Raum ein, was im Laufe von
„Wyrd“ sogar noch zunimmt.
VANIR spinnen ihr Konzept sehr konsequent weiter. „Never Surrender“ beginnt mit melodischem Lead und entwickelt sich episch weiter. Der Refrain breitet dann eine Melodie groß aus und lässt sich in einem Klangteppich voll aus. Der Song strahlt etwas Martialisches aus, was der Thematik des Albums voll entgegenkommt.
Mit den Tracks „Braavalla“ und „Boudica“ bauen die Dänen ihr episches Konzept voll aus, Keyboards übernehmen mehr und mehr die Soundlandschaft und lassen damit alles sehr glatt wirken. Das muss man wohl wirklich mögen, meins ist es definitiv nicht. „Da Lammet Brød Det 6. Segl“ startet mit Spoken Words und eröffnet sich in rasende Doublebass Sphären. Auch Drageholms Vocals drehen sich in schwärzere Gefilde und die Dänen erinnern fast an DIMMU BORGIR. Der Song ist einer der stärksten auf „Wyrd“ und wildert in symphonischen Sphären.
Die zweite Hälfte des Albums offenbart das gesamte epische Potential von VANIR. Große Melodien wechseln sich mit aggressivem Riffing ab, stets begleitet von energischem Drumming. Rein die Vocalperformance wirkt zunehmend eintönig und hätte etwas mehr Abwechslung vertragen.
Im Großen und Ganzen muss bei „Wyrd“ festgehalten werden, dass auf Albumlänge alles sehr glatt und gleichförmig wirkt. Es stellt sich ein Gewöhnungseffekt ein, da die Songs alle sehr ähnlich aufgebaut sind und beginnen stark zu ähneln.
Für Fans des Genres ist das neueste Album von VANIR mit Sicherheit ein Leckerbissen und alles andere als schlecht. Ich bin dann aber doch eher direkt bei AMON AMARTH oder den Finnen von WOLFHEART zuhause.
Autor: Michael Wimmer
Tracklist „Wyrd“:
1. Against The Storm
2. Never Surrender
3. Braavalla
4. Boudica
5. Da Lammet Brød Det 6. Segl
6. Helgrinidir
7. Mod & Ære
8. De Forbandede År
9. Nine
Gesamtspielzeit: 45:25
