
Hymns From The Hills
(Post Punk | Oi! Punk)
Label: Relapse Records
Format: (LP)
Release: 03.04.2026
Mit “Härvest” und der nachfolgenden EP „Confere“ sorgte das Quartett POISON RUÏN in den letzten Jahren im Untergrund schon für Furore und konnten mit ihrem Dungeon Punk auch über die Genregrenzen hinweg Fans gewinnen. Denn wie schon ihre europäische Kollegen von LIVE BY THE SWORD ist die Band aus Philadelphia thematisch tief ins Thema des Mittelalters und der dazugehörigen Fantasy eingetaucht, im Gegensatz zu den ersten genannten allerdings nicht ohne ein gewisses Augenzwinkern.
Während das Intro musikalisch gar ein wenig in Richtung Fernost schielt, folgt mit „Lily Of The Valley“ ein recht straighter Postpunk, der die 80er mehr als nur atmet. Da hört man den Einfluss von THE DAMNED oder den THE WIPERS angenehm durch.
Spätestens aber beim Titeltrack und dem darauffolgenden stampfenden „Eidolon“ strömt POISON RUÏN der Oi! Punk, vorallem der 80er Jahre mit Bands wie BLITZ, quasi aus allen Poren. Ein Umstand der in einigen Kritiken zu „Hymnes From The Hills“ von Kolleg*innen komplett vernachlässigt wird. Wohl auch dem Umstand geschuldet, dass das neue Album nun auf Relapse Records erscheint, und die Scheibe dann deshalb doch eher bei den Metalexpert*innen landet.
Das verträumte „Howls From The Citadell“ leitet über zum nächsten Punkstampfer „Pilgrimage“ und dem unverschämt rockigen „Guts (Lay Yourself Aside)“ bevor man in „Turn To Dust“ alles kurz und klein schlägt. „Puzzle Box“ orientiert sich dann deutlich mehr in Richtung Wave und gemahnt nicht nur ein wenig an die legendären KILLING JOKE sondern aktuell auch FOTOCRIME. Dafür mag man POISON RUÏN in „Serpent’s Curse“ dann wieder ein lautstarkes Oi! entgegenbrüllen.
Während hier andere sich in ähnlichen Gefilden bewegenden Bands, wie die an dieser Stelle schon vielmals gelobten LOST LEGION, einen deutlich schnelleren Zug zum Tor haben und die Crossbälle in die Box hämmern, bedienen sich POISON RUÏN eher des verspielten „Tiki Taka“ und tragen den Ball über viele Stationen ins Tor.
Das zeugt wie in „Sleeping Giant (Interlude)“ natürlich von den technischen Fertigkeiten und ausgefeiltem Songwriting kann aber mit unter auch Geduld beim Hören erfordern. Aber dieser Eigenwilligkeit ist es dann auch geschuldet, dass das Quartett mit dem unverschämt eingängigen „The Standoff“, den wohl besten Song der Platte mit ordentlich Hitcharakter ans Ende eben dieser stellt.
POISON RUÏN haben sich auf „Hymns From The Hills“ nicht nur musikalisch hörbar weiterentwickelt und ihren unverkennbaren Sound weiter verfeinert sondern damit auch ihre musikalische Ausnahmestellung untermauert.
Autor*in: David Zuser
Tracklist „Hymns From The Hills“
1. Intro
2. Lily Of The Valley
3. Hymn From The Hills
4. Eidolon
5. Howls From The Citadel
6. Pilgrimage
7. Guts (Lay Your Self Aside)
8. Turn To Dust
9. Puzzle Box
10. Serpent’s Curse
11. Sleeping Giant (Interlude)
12. Crescent Sun
13. The Standoff
Gesamtspielzeit: 43:37