Masters Of Rock 2023: SOULFLY, WITHIN TEMPTATION, TARJA, PHIL CAMPBELL, LORD OF THE LOST, BROTHERS OF METAL @ Areál Likérky Rudolf Jelínek, Vizovice (14.07.2023)

Masters Of Rock 2023: SOULFLY, WITHIN TEMPTATION, TARJA, PHIL CAMPBELL, LORD OF THE LOST, BROTHERS OF METAL


Als man sich in der Früh aus dem Zelt kämpfte, war einem schon sehr bald klar, dass wird ein richtig heißer Tag. Die gute alte Sonne sollte in den nächsten drei Tagen sowohl den Festival-Besuchern wie auch den Musikern noch einiges abverlangen.
Pünktlich um 14 Uhr stand man schon schweißgebadet vor der Bühne, um dem ersten für uns interessanten Act des Tages zu lauschen.

BROTHERS OF METAL aus Schweden, die in ihren Fell und Leder Outfits auch in Game Of Thrones gute Figur gemacht hätten, gibt es seit 2012. An mir gingen die acht Musiker aber bisher vorbei. Schade eigentlich, den die Mischung aus Heavy und Power Metal geht flott ins Ohr und mach Spaß. Die erste Frage, die ich mir aber stellte war: „Der Name passt nicht so ganz?“, denn mitten in der Horde aus wilden Männern stand ja eine Frau. Doch mit solch Nebensächlichkeiten beschäftigten sich die Nordländer anscheinend nicht.

Ylva Eriksson am Gesang sorgte für etwas Abwechslung mit ihrer kraftvollen Stimme in der recht maskulinen Truppe. Gegründet als Spaß-Projekt, die alle Klischees im Gepäck hat, entwickelte sich doch schnell mehr und spätestens als man 2020 mit dem Album „Emblas Saga“ die deutschen Charts bis auf Platz 9 stürmte, war allen klar, hier geht noch mehr.

Masters Of Rock 2023: SOULFLY, WITHIN TEMPTATION, TARJA, PHIL CAMPBELL, LORD OF THE LOST, BROTHERS OF METALFoto (c) Manfred Thanner

Thematisch dreht sich alles um die nordische Mythologie und selbstironisch werden alle Klischees abgearbeitet. Sympathische Truppe, von denen man hoffentlich noch mehr hören wird.

Setlist BROTHERS OF METAL:
The Death Of The God Of Light
Berserkir
Njord
Defenders Of Valhalla
The Mead Song

Danach folgte ein sowohl optischer wie auch musikalischer Stilbruch, denn die Jungs von LORD OF THE LOST aus dem deutschen Städtchen Hamburg durften ihren Dark Rock zum Besten geben.

Seit dem diesjährigen ESC sind die fünf Musiker einem deutlich größeren Publikum bekannt. Dass es dann doch nur der nicht wirklich befriedigende letzte Platz wurde, war den Fans vor der Bühne anscheinend egal, auch wenn wegen der Hitze nicht ganz so viel den Weg fanden. Die Stimmung über die volle 60 Minuten war ausgezeichnet, auch wenn der Schweiß in Strömen floss.

Stilistisch orientiert man sich irgendwo zwischen den DEATHSTARS und MARILYN MANSON. Sänger und Gitarrist Chris Harms, mit rosa gefärbten Haaren, wechselte gekonnt zwischen klarem Gesang und knallharten Growls, die so für Abwechslung sorgen. Ein Hingucker war auch Multitalent Gerrit Heinemann, der zwischen Keyboard, Mini Drum-Kit im Stehen und Gitarre hin und her wechselte und jedes Instrument hervorragend beherrschte.

In Erinnerung blieben natürlich der ESC Song „Blood & Glitter“ und der letzte Song „Drag Me To Hell“, der meiner Meinung nach die bessere Wahl gewesen wäre. Solider erster Auftritt am MoR.

Setlist LORD OF THE LOST:
The Curtain Falls
Morgana
Kill It With Fire
The Future Of A Past Life
Dry The Rain
Under The Sun
Full Metal Whore
Destruction Manual
Blood For Blood
Loreley
Die Tomorrow
Blood & Glitter
One Last Song
Drag Me To Hell

Damit sich auch wirklich jeder hier am MoR wohl fühlte wurde Abwechslung groß geschrieben, so kamen nun die Hard Rock Jünger auf ihre Kosten. Die wohl bestgekleidete Truppe des Festivals, THE NIGHT FLIGHT ORCHESTER, zogen ihre perfekt einstudierte Show ab. Seit zehn Jahren gibt es die Formation rund um Sänger Björn Strid, der nebenbei sein Geld auch noch bei SOILWORK verdient, schon. Leider hielt sich bei über 30 Grad auch hier der Andrang in Grenzen und so verpassten die Leute nicht nur die beiden singenden und tanzenden Airline-Annas, die weißen Anzüge der Musiker sowie den goldenen Umhang des Sängers, sondern auch Hits wie „Burn For Me“ oder „West Ruth Ave“.

Masters Of Rock 2023: SOULFLY, WITHIN TEMPTATION, TARJA, PHIL CAMPBELL, LORD OF THE LOST, BROTHERS OF METALFoto (c) Manfred Thanner

Diejenigen die Anwesend waren, hat sichtlich Freude mit den 80er Jahren angehauchten Songs und so war es nur eine Frage der Zeit bis sich die übliche Polonaise durch die Zuschauer schlängelte um gute Stimmung zu verbreiten. Gute Laune ist auf jeden Fall garantiert bei THE NIGHT FLIGHT ORCHESTER.

Setlist THE NIGHT FLIGHT ORCHESTER:
Midnight Flyer
Sometimes The World Ain’t Enough
Divinyls
The Sensation
Burn For Me
Gemini
Something Mysterious
Satellite
Paralyzed
White Jeans
West Ruth Ave

Am späten Nachmittag wurde es dann Zeit etwas in Melancholie zu schwelgen, den ein gewisser PHIL CAMPBELL alias Wizzö, seines Zeichens ehemaliger Gitarrist von MOTÖRHEAD hatte seine Bastard Sons im Gepäck, um seinen ehemaligen Weggefährten zu huldigen.

14 Songs, darunter 12 MOTÖRHEAD Klassiker, die hier aufzuzählen wohl den Rahmen sprengen würden, mit „Silver Machine“ ein HAWKWIND Titel und von den SEX PISTOLS – genau – „God Save The Queen“ sorgten für Party Atmosphäre, die sich mit Fortdauer immer mehr steigerte. Grund hierfür dürfte wohl gewesen sein, dass viel Zuseher wohl nicht wussten, wer hier eigentlich auf der Bühne stand. Doch nach Hits wie „Going To Brazil“, „Killed By Death” oder der Hymne „Ace of Spades” war wohl allen klar, dass hier die wohl beste MOTÖRHEAD Cover Band aller Zeiten am Werk war. So steigerte sich das Publikum von Song zu Song.

Phil agierte locker lässig im Homer Simpson Shirt während die etwas jüngeren Herren neben ihm wild über die Bühne stürmten und sichtlich Freude hatten mit den alten Hits. Seit 2021 agiert neu am Mikro Joel Peters, der Neil Starr ersetzte, der nach acht Jahren ausstieg.

Masters Of Rock 2023: SOULFLY, WITHIN TEMPTATION, TARJA, PHIL CAMPBELL, LORD OF THE LOST, BROTHERS OF METAL

Bei „Born To Raise Hell” durften alle Anwesenden vor der Bühne testen, wie gut sie sich in der Lemmy Materie auskennen und so wurde lautstark mitgesungen. Auch wenn ein gewisser Herr natürlich abgeht, ist es wohl das Beste, das man bekommen kann.

Setlist PHIL CAMPBELL:
Iron Fist
Damage Case
Rock Out
Stay Clean
Born To Raise Hell
Just ‚Cos You Got the Power
(We Are) The Road Crew
God Save The Queen(SEX PISTOLS)
R.A.M.O.N.E.S.
Ace of Spades
Silver Machine (HAWKWIND)
Going To Brazil
Killed By Death
Overkill

Dass das tschechische Publikum eine Schwäche für weiblichen Metal hat, dürfte wohl jedem klar sein, der sich schon einmal mit dem MoR beschäftigte. So war es keine Überraschung, dass auch dieses Jahr geballte Frauenpower am LineUp stand. Den Anfang durfte TARJA Turunen machen, die vor zig Jahren mal bei einer Band namens NIGHTWISH sang. Doch dieses Fass wollen wir hier nach 18 Jahren nicht mehr aufmachen.

masters of rock 2023 freitagFoto (c) Manfred Thanner

Optisch stilsicher in schwarz agierte Tarja souverän und routiniert wie gewohnt von Anfang bis zum Ende. Fast nach jedem Song wurde mit dem Publikum getratscht und gescherzt, denn die Sängerin weiß, dass die tschechischen Fans zu ihren größten gehören. Musikalisch fand man die richtige Mischung, so sang sie Songs von den Anfangstagen ihrer Solokarriere wie „Eye Of The Storm“ oder „Dead Promises“ vom neuester 2019er erschienen Werk „In The Raw“.

Wer glaubte, dass hier eher die Klassik im Vordergrund steht, wie man es schon erleben durfte, der täuschte sich, denn TARJA ließ den Kuschelrock diesmal im Schrank stehen und agierte überraschend hart. An den Drums saß ein alter Bekannter, der die Finnin unterstützte, Alex Holzwarth (AVANTASIA, RHAPSODY, uvm.), und sorgte mit seinem druckvollem Spiel für zusätzliche Power. Für die männliche Würze und die Gesangspassagen durfte einer der drei Gitarristen in den Vordergrund kommen, der seine Sache sehr gut machte.

masters of rock 2023 freitagFoto (c) Manfred Thanner

TARJA hatte an die 70 Minuten Zeit, ihre Songs zum Besten zu geben und so war es keine Überraschung, dass mit den Titeln „Nemo“ und der Zugabe „Over The Hills And Far Away“(eigentlich GARY MOORE) doch nochmal die alten Zeiten gehuldigt wurden.
Gute Songauswahl, super Stimmung und alles in allem ein feines Konzert, was will man mehr.

Setlist TARJA:
Eye Of The Storm
Demons In You
Tears In Rain
Diva
Love To Hate
Enough
I Feel Immortal
Nemo (Nightwish cover)
I Walk Alone
Victim Of Ritual

Innocence
Die Alive
Dead Promises
Until My Last Breath
Over The Hills And Far Away

Die Latte war somit sehr hoch gelegt für die nächste weibliche Antagonistin, doch was TARJA kann, können WITHIN TEMPTATION schon lange. Mit viel Feuer, ja es war auch so schon heiß genug, und Rauch auf der Bühne starteten die Niederländer fulminant in ihre Show. Mit „See Who I Am“ und „The Reckoning“ vom letzten gleichbetitelten Album, das in Deutschland sogar #1 belegte, sang sich Sharon den Adel sofort in die Herzen der Anwesenden.

Wenn man einen Blick über das Gelände warf, wurde einem klar, dass hier das bisher größte Zugpferd agierte. Jetzt war nämlich kein Durchkommen mehr möglich.

WITHIN TEMPTATION sind ein eingeschworener Haufen, da sitzt jeder Handgriff, sowohl bei den Gitarristen Ruud Adrianus Jolie und Stefan Helleblad, sowie auch beim der Rest der Truppe. Sharon wie gewohnt bestens bei Stimmt trällert sich bei den schnelleren Songs wie „Faster“ genauso souverän durch das Set wie bei den gefühlvolleren Songs wie „Mother Earth“ aus den Anfangstagen.

masters of rock 2023 freitagFoto (c) Manfred Thanner

Bei „Raise Your Banner“ wurde Solidarität mit dem ukrainischen Volk bekundet und passend dazu die gelb blaue Flagge geschwenkt. Sharon nutzte zwischendurch ebenfalls die Zeit und suchte immer wieder das Gespräch mit ihren Fans, die für feine Stimmung sorgten. Bei „Never-Ending Story“ durfte die Sängerin verschnaufen und die Herren der Schöpfung den Akustik Song zum Besten geben.

masters of rock 2023 freitagFoto (c) Manfred Thanner

Dass WITHIN TEMPTATION finanziell in der oberen Liga mitspielen sah man sowohl an der Pyro, der phantastischen Licht-Show, der riesigen Videowall im Hintergrund, die immer wieder Bildmaterial einspielte als auch an den aufwändigen Kostümen von Sharon. Zeitweise erinnerte die Dame an eine Mischung aus Xena und Wander Woman. Kurz nach Mitternacht wurde eine ausgezeichnete Show unter lauten Jubel beendet und auf Grund der Hitdichte, die die Holländer ihr eigen nennen können, fehlte leider so mancher Lieblingssong.

WITHIN TEMPTATION:
See Who I Am
The Reckoning
Faster
Paradise (What About Us?)
Wireless
Entertain You
Raise Your Banner
In The Middle Of The Night
Bleed Out
Stand My Ground
Supernova
Stairway To The Skies
Encore:
Our Solemn Hour
Don’t Pray For Me
Never-Ending Story (accoustic)
Mother Earth

Wer jetzt noch nicht komplett dehydriert war oder kaputt dank der drückenden Hitze des Tages, der konnte noch mit SOULFLY bis tief in die Nacht feiern.

Der fast 54-jährige Max Cavalera wirkte zwar auf den ersten Blick nicht ganz frisch an diesem Tag, doch er strafte alle Anwesenden eines Besseren. Von dem Gründungsjahr ist kein Musiker mehr über und so organisierte sich Max einfach eine neue Truppe. An der Gitarre agiert seit 2021 ein gewisser Dino Cazares aus Mexiko, der auf seiner Visitenkarte Bands wie FEAR FACTORY oder BRUJERIA stehen hat, am Bass der 36-jährige Mike Leon und an den Drums der Jungspund und Sohn des Chefs Zyon Cavalera. Wer sich in der Familiengeschichte der Cavaleras auskennt, der weiß, da gibt es ja noch einen Sohn. Genau Richie Cavalera, der beim Kracher „Bleed“ auf die Bühne stürmte und mit seiner Verwandtschaft den Song intonierte.

Wer nach der Geisterstunde schon einmal am MoR war, der kann bestätigen, dass beim letzten Slot des Tages immer ordentlich die Post abgeht. Da trennt sich die Spreu vom Weizen. Max wusste das anscheinend auch, denn er holte das Letzte aus den Leuten raus. So forderte er die Anwesenden auf sich hinzuknien, was jeder machte um dann gemeinsam wieder hoch zu springen und die Sau raus zu lassen.

Max kämpfte sich in Nietenkutte durch die Bandhistorie. „Seek ’n’Strike“, „Prophecy“ oder der einzige SEPULTURA Song „Refuse/Resist“ gingen runter wie Öl und die gute Laune des Sängers und seiner Band war ansteckend. Das finale „ Jumpdafuckup“ sorgte für einen würdigen Abschluss sowohl des Konzertes wie auch des Festivaltages.

Setlist SOULFLY:
Back To The Primitive
No Hope = No Fear
Downstroy
Seek ’n‘ Strike
Frontlines
Fire / Porrada
Prophecy
Superstition
Tribe
Wasting Away (NAILBOMB)
Refuse/Resist (SEPULTURA)
Boom
No
Bleed
Eye For An Eye
Jumpdafuckup

 


Wer jetzt noch wollte oder konnte, der genehmigte sich am Gelände oder am Campingplatz eine Stärkung, ehe man in die nicht ganz so weichen Federn fiel.

 


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