
Progressiver Death Metal ist hipper denn je, so viel sei gesagt. BLOOD INCANTATION haben es geschafft diesen sperrigen und absolut dem Mainstream entrückten Stil in den Mittelpunkt zu stellen, immer größere Venues zu füllen und auf Festivals gute Slots zu bespielen.
In diesem Fahrwasser steuern auch die Kanadier von GUTVOID aus Ontario, Kanada, welche 2022 ihr Debüt veröffentlichten. Die kanadische Death Metal Szene ist seit Jahren auf dem aufsteigenden Ast und mehr Bands denn je schaffen es mit großartigen Releases von sich reden zu machen (Anspieltipps: TOMB MOLD, HEDONIST, SCORCHING TOMB, DÉCRYPTAL).
„Liminal Shrines“ ist nun Album Nummer Zwei von GUTVOID und kommt vertrackter und verkopfter daher als der Vorgänger. Der Death Metal der jungen Kanadier ist proggy und oldschool wie nur was und kann daher fast überfordernd wirken. Technisch sind die Jungs versiert und über jeden Zweifel erhaben. Der Unterbau der Songs ist stets doomig und die Songs schwanken zwischen diesen langsamen Passagen, die sich zu immer wiederkehrenden Ausbrüchen steigern. Teils ist das cool unkontrolliert und wild, die Doublebass Salven und singenden Gitarrenleads schneiden sich direkt ins Gehirn.
Songs wie „Spell Reliquary ” und „Of Smothering Sea” zeigen jedoch ein sich recht bald einstellendes Problem der Truppe. Die Songs sind zum Teil mit Überlänge versehen und gerade die Gitarrenleads wirken irgendwann redundant und wie schon gehört. Die Bassläufe hingegen sind grandios. Justin Boehm und sein Bass knurrt und knarzt herrlich aus den Boxen und verträgt sich perfekt mit dem oldschooligen kehligen Vocals. Die Atmosphäre ist durch und durch morbide und lässt die Hörer*innen in einer beklemmten Stimmung zurück.
„Umbriel’s Door“ erhebt sich zum stärksten Track des Albums. Tiefes Riffing und der Bass duellieren sich, bevor sich die singenden Gitarrenleads wieder erheben. Der Song groovt amtlich dahin und kreiert mit den Vocals eine geniale oldschoolige Death Metal Atmosphäre. Das Solo setzt allem noch die Krone auf. „Lead Me Beyond the Sleeping I” sowie „Chasm of Displaced Souls” fallen leider wieder in die gewohnten Muster zurück. Beide Songs sind mit über zehn Minuten deutlich zu lange. Gerade an den Gitarren wirkt alles zu vorhersehbar und geht mit der Zeit auf Kosten der Hörbarkeit.
GUTVOID bewegen sich in ihrem eigenen geschaffenen Universum, wollen aber oft einfach zu viel und überfordern somit ihre Hörer*innen. Man will zu BLOOD INCANTATION in deren Sphären, ist davon aber noch Welten entfernt. Stehen bleibt mit „Liminal Shrines“ ein gutes bis sehr gutes Album, brutal und kompromisslos an vielen Stellen. Mit weniger Ideen und etwas stringenterem Songwriting könnte uns noch Großes von den Kanadiern erwarten.
Tracklist „ Liminal Shrines„:
1. Ruinous Gateways
2. Spell Reliquary
3. Of Smothering Sea
4. Umbriel’s Door
5. Lead Me Beyond the Sleeping I
6. Chasm of Displaced Souls
Gesamtspielzeit: 49:05
Band-Links:
