Tanzneid Open Air – ELECTRIC CALLBOY, H-BLOCKX, FROM FALL TO SPRING @ Burg Clam, Klam (26.06.2026)

electric callboy - burg clam 2026

 


Der 26.06.2026 war defintiv für viele ein perfektes Datum, um zu heiraten, wer – der Gag sei mir erlaubt – aber wirklich weiß, was im Leben wichtig ist, nämlich Spontanität, Metal und die kurzen Freuden des Lebens zu genießen, jene*r pilgerten samt Kind, Kegel und der/dem – dann halt etwas später, oder vielleicht auch schon früher – Angetrauten, auf die Burg Clam.

Denn da luden ELECTRIC CALLBOY zum Electro-Walzer. Die Jungs sind ja seit 2018 mehr denn je auf Tour und haben nach ihrem Rekordalbum „Tekkno“ nun auch den nächsten Banger „Tanzeneid“ im Gepäck. Auch wenn das Werk noch vor dem Release steht, sind die Deutschen Trance-Core Freaks rund um die Front-Grinsemänner Kevin  und Nico schon unter dem Tour-Banner seit einiger Zeit Unterwegs und schoben nun in Österreich zwei Burg-Open-Airs ein. Mit dabei war die Metalcore-Nachwuchs-Hoffnung FROM FALL TO SPRING sowie die Nu Metal und Crossover Legende H-BLOCKX, die als doch sehr unterschiedliche Anheizer vorab für Stimmung sorgen sollten an diesem fast 40 Grad heißen Tag.

Die Jungs von FROM FALL TO SPRING sind jetzt mit 18 Jahren am Buckel auch keine Newcomer mehr, starten jedoch erst 2023 mit ihrem Debüt „Rise“, sowie dem 2025er Nachfolger „Entry Wounds“ so richtig durch. Gut Ding braucht wohl Weile und nun geht es ja schon richtig rund, den diesen Slot vor fast 10.000 Besuchern im Vorprogramm von EC, muss man sich auch erst mal verdienen.

Die Gebrürder Phil und Lukas Wilhelm, die die Band wohl schon im Kindergarten gründeten, wirken diese doch überaus junggeblieben und fidel, gaben von Minute eins mit ihren Kollegen Schub und präsentierten einen mehr als soliden Mix aus Metalcore, Electro-Elementen und Partystimmung. Techno-Beats brauchte man nicht erwarten, doch die Synthie-geschwängerten Nummern, die doch eher den Fokus am Metal- und Post-Hardcore erahnen ließen, brachten schon gut Stimmung. Die Herren animierten aber noch zusätzlich, scherzten über die unglaubliche Hitze. Die Musiker hatten nämlich auch noch das Schicksal, dass sie am frühen Abend direkt in der brennenden Sonne stehen mussten, was sie aber nicht abhielt, stets in Bewegung zu bleiben. Das nennt man Einsatz! Zudem heizte man im doch recht kurzen Set die Stimmung noch mit dem PAPA ROACH Cover „Last Resort“ an und verabschiedete sich vor einer gut aufgeheizten und vor allem ebenso gut unterhaltenen Heerscharr an Metalheads.

Die Clam war gut ausgerüstet und vorbereitet, denn neben zahlreichen Fress-Buden, kredenzte man den Angereisten nicht nur Bier und gezuckerte Erfrischungen, sondern auch Gratis-Leitungswasser, man nutzte Gartenschläuche in den ersten Reihen und sogar kühelende Klima-Kanonen waren aufgestellt worden, um Schlimmeres zu vermeiden. Zudem war die Crew gut geschult und auch genug medizinsiches Personal, sowie Feuerwehr und weitere Einsatzkräfte zu finden. Das nur am Rand.

Weiter ging es mit den H-BLOCKX. Vorab wurde ich immer wieder gefragt, als ich von dem Konzert Freunden und Bekannten berichtete, ob es die Band denn überhaubt noch gäbe. Ja, und wie es die Truppe noch gibt. Mag sein, dass der alte Ruhm, den man vor allem mit dem legendäre Cover Song „Ring Of Fire“, welcher einst von einem gewissen Merle Kilgore und einer nicht ganz unwichtigen Musik-Legende namens June Carter geschrieben wurde und seither von, unter anderem, ihrer Schwester Anita, bekannterweiße auch JOHNNY CASH, mittlerweile auch DRAGONFORCE und eben den H-BLOCKX in verschiedenen Ausprägungen am Leben gehalten wird.

Tanzneid Open Air - Electric Callboy - Burg Clam Live 2026 - H-BLOCKX

Genug Geschichte. Rein ins Geschehen. Die Herren rund um Henning Wehland, den ich ehrlich gesagt, auf der Straße nie und nimmer erkannt hätte, sorgten ja in den frühen 90ern für Furore, aber wissen auch heute mit ein paar Jährchen Erfahrung am Buckel, wie man diesen Stil live im Jahr 2026 grandios und voller Elan in Szene setzt. Wie ein Orkan fegten die Herren auf die unglaublich heißen Bretter und schon bei der ersten Strophe zu „Straight Outta Nowhere“ waren die Veteranen schweißnass, machten aber ebenfalls keine Anstalten einen Gang runter zu schalten. Zwar konnte man auf die ganze Distanz den Crossover, der auch immer mal wieder Truppen wie LIMP BIZKIT durchblicken lässt, den Schwung nicht durchhalten, doch so manch Highlight wie „Countdown To Insanity“ oder „Move“ sorgten für Jubel, viel Bewegung und nostalgische Momente. Aber auch die ganz jungen Jahrgänge im Publikum hatten genug Möglichkeit zum Staunen, pogen und tanzen. Und so richtig Rund ging es am Ende natürlich nochmal mit „Risin‘ High“, sowie dem erwähnten Kult-Klassiker, der nach Sage und Schreibe 63 Jahren Existenz immer noch mühelos fast 10k Menschen in Bewegung zu versetzen vermag.

Setlist H-BLOCKX:
Straight Outta Nowhere
How Do You Feel?
Countdown To Insanity
Can’t Get Enough
Move
Desperado
Revolution
Leave Me Alone!
Lights Out
Pour Me a Glass
The Power
Little Girl
Risin‘ High
Ring Of Fire (MERLE KILGORE)

 

Was soll ich noch groß über diese Band schreiben? Wer auf Metal steht und nicht zu trve erscheinen möchte, mag, bewundert, liebt oder – zumindest – respektiert diese unglaublich hart arbeitende, sympathische und am Boden gebliebene Band. Und der Erfolg gibt ihnen Recht, denn seit dem Ausstieg von Mitbegründer Sushi, der in letzter Zeit leider immer wieder eher Negativ-Schlagzeilen auffällt und als anscheinende eher schwierige Person, die (damals noch) ESKIMO CALLBOY in ihrer Kreativität doch aufhielt und kreative, wie menschliche Spannungen erzeugte, geht es steil bergauf. Durch den daraus resultierenden Zuwachsn namens Nico Sallach, erfuhr die Band einen mehr als steilen Aufstieg. In kürzester Zeit erhob man sich vom Geheimtipp und einer Club-Band zum Festival-Headliner und Stadthallen-Füller. Und jetzt auch Burgen-Erstürmer.

Dass sich dieser Umstand und die unermüdliche Arbeit der Jungs aus Castrop-Rauxel auszahlt, wurde an diesem Abend wieder unumtößlich bewiesen. Die Bühne wurde verhangen. Die Spannung stieg beim Intro. Es erklangen die ersten Töne von „Tanzneid“. Ein markerschütterten Knall. der Vorhang fiel. Das Konzert startete wie ein überraschender Schlachtruf.

Die Band stand rund um die Bühne in V-Fomration und Alien-artigem Outfit starr da, die ersten Verse erklangen, bis dann die Hölle losbrach und sowohl auf, als auch vor der Bühne alles in Bewegung kam. Der Refrain wurde schon lautstark mitgebrüllt, die Gesichter wurden aufgehellt und schnell grinste die ganze Burg Clam. Es gab keine Umschweife und weiter ging es mit dem Überhit „Still Waiting“, den wohl jeder kennt, der schon mal was anders als Ö3 lauschte. Der SUM41 Hit hat auch einen doch interessanten Hintergrund, holte man sich doch vor nicht all zu langer Zeit niemand geringeren als den legendären Punk Frank Zumo als Session-Drummer, der hier sogar Lead-Vocals übernahm und nun auch schon fixes Mitglied der Band geworden ist.

Tanzneid Open Air - Electric Callboy - Burg Clam Live 2026

Nach kurzem Verschnaufen begrüßten die gut gelaunten Energiebünden Kevin und Nico die Fans und schon fuhr der „Tekkno-Train“ durch Österreich. Der Hit trumpfte nicht nur mit einem Mix aus guter Laune, eingängigem Refrain und heftigen Metalcore-Parts auf, sondern brachte auch die sündteure und grandiose Video-Wall erstmal richtig ins Spiel. Die Pyros, die bei 35 Grad zur Dämmerung abgefeuert wurden, brachten weitere Schweißperlen ins Gesicht und Funkenregen sowie weitere Effekte, Lichtshow und das EC-Logo – ein mit LEDs ausgerüstettes X, welches über der Bühne prangte – sorgte für weitere Schauwerte. „Hypa Hypa“, zu dem eines der vielen weiteren Bühnenoutfits, die die Band in nur wenigen Sekunden wechselte, braucht wohl keiner mehr erklären und als dann die Trainings-Anzüge angezogen und der Vokuhila sein Revival feierte, war klar: Es ist zeit für das Techno-Gym – „Pump It“ !

Electric Callboy - Burg Clam Live 2026

Die Show ist mittlerweile ein durchinszeniertes Theater, das man gesehen haben muss, und doch schaffen es die Deutschen nach wie vor authentisch zu agieren, mit den Fans zu plaudern, nahbar zu wirken und auch der eine oder Gag auf Kosten der Bandmitglieder war wieder drin. Danksagungen kurz und knapp, aber effektiv, ebenso wie Verbeugungen, Kopfer aufs Herz und Handzeichen, zeigten, dass die Band ebenso viel Freude und Spaß auf den Bühnen hat, wie ihre Fans vor selbiger. Man dankte noch dem Veranstalter, sowie der fleißigen Crew, die – wie man betonte – nicht nur die Bühne in kürzester Zeit Fit machte, sondern klarerweiße auch die Burg Clam erst Tags zuvor aufbaute.

Electric Callboy - Burg Clam Live 2026

Der Rest war eigentlich nur noch Bonus. Man spielte sich durch die neuen Hits, die keine Schwäche zeigten. Mit einem Medley zu ein paar älteren Tracks, die einst mit Sushi geschrieben und aufgenommen wurden, und der Band auch, trotz neuem LineUp und Ausrichtung, offensichtlich noch am Herzen liegen, wurde gekonnt eingewoben. Diese Tracks waren ja auch mitverantwortlich dafür, dass diese Band heute an solch Orten tausende Fans erfreuen darf.  Neu seit dieser Tour, ist die Side-Kick-Band- ELECTRIC BASSBOY. Zwischendurch verließ man die Bühne und ein DJ-Pult wurde errichtet, um dann ein fettes Drum-N-Bass Set abzufeuern. Doch EC wären nicht EC, wenn es nicht einen Twist gäbe. So kam Mastermind Daniel Haniß, der mittlerweile auch das Side-Project SAMURAI PIZZA CATS betreibt auf die Bühne und so wurde es ein Drum-N-Bass-N-Riffs Set, bis man dann eine weiteren Punk-Klassiker namens „All The Small Things“ sowie den Nu Metal Kracher „Bodies“ von DROWNING POOL einwob.

Electric Callboy - Burg Clam Live 2026

Alles wieder zurück zum normalen Wahnsinn hieß es mit dem düsteren „Revery“, dem flotten „Hypercharged“ und „Mindreader“, ehe man das Klavier auspackte und „Fuckboi“ in Acoustic-Version samt Witzeleien zwischen den Frontern, sowie den Dahinschmelz-Song „Everytime We Touch“ ebenso ohne Strom vortrug. Hui… was für ein Ritt. Weitere Hits durchzogen das Set, ebenso wie weitere Outfit-Wechsel und unglaubliche Effekte, ebenso wie ein fettes Drum-Solo, ehe das Finale mit „We Got The Moves“ durchzog, bei dem nochmal alles eskalierte.

Setlist ELECTRIC CALLBOY:
Tanzneid
Still Waiting (SUM 41)
Tekkno-Train
Hypa Hypa
MC Thunder
Pump It
Hurrikan

Electric Bassboy DJ Set: (inkl. All the Small Things & Bodies)

Revery
Hypercharged
Mindreader

Old-School-Medley:
Crystals | Monsieur Moustache | We Are The Mess |  Muffin Purper-Gurk

Drum Solo

Acoustic-Set:
Fuckboi
Everytime We Touch (CASCADA)

Let the Good Times Roll (OFFSPRING)
MC Thunder II (Dancing Like A Ninja)
Elevator Operator
RATATATA
Spaceman
We Got the Moves

 


Man kann von ELECTRIC CALLBOY halten was man will, aber eine unglaubliche Show auf die Beine stellen, können sie. Klar, die Setlist ähnelt sich seit 2018 doch enorm, aber auch dieses Mal baute Man Neuerungen, Überraschungen und auch genug Nostalgie ein, damit auch Besucher, die die Truppe schon mehrmals erleben durften, mühelos zufriedenstellen konnte. Eine Party, die man einfach erlebt haben sollte, egal ob Metaller, Fan elektronischer Musik oder ganz anderen Arten von Partys. Mit dem Album-Release gerne bald auf eine Neues!

 

Autor & Fotos: Max Wollersberger

 


Band-Links:
ELECTRIC CALLBOY, H-BLOCKX, FROM FALL TO SPRING

 

 


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