
Marrow Deep
(Progressive Sludge Metal)
Label: Loma Vista Recordings
Format: (LP)
Release: 28.08.2026
Als MASTODON vor fünf Jahren „Hushed And Grim“ rausgehauen haben, dachte ich ehrlich gesagt, das war’s mit dem Höhepunkt. Und dann auch noch der Abgang von Brent Hinds, sowie sein überraschendes Ableben kurz danach und weitere schwierige Momente, die Jungs durchmachen mussten. Und ganz ehrlich, ich hatte Schiss, dass die Band daran zerbricht. Aber „Marrow Deep“ hat mich ab der ersten Sekunde komplett weggeblasen. Es klang für mich nicht nach einer Identitätskrise, sondern als hätten sich MASTODON einmal komplett durch den Schmerz gefräst und neu erfunden.
Schon als „Barbarians Blood“ das erste Mal losging, hatte ich sofort diese wohlige Gänsehaut: Diese dreckigen, fiesen Riffs, die sich Schicht für Schicht aufbauen. Dazu Branns peitschendes Drumming. Das fährt einem ohne Umwege direkt in den Nacken. Bei „Snakes For Dinner“ bin ich dann völlig ausgerastet. Wie der Song zwischen zentnerschwerem Sludge und diesem mitreißenden Alternative-Vibe hin- und hergerissen wird, ist der absolute Wahnsinn. Und dann schält sich auch noch Josh Hommes (KYUSS) Stimme aus den Boxen! Das hat mich sofort 20 Jahre zurückkatapultiert zu seinem Gastpart auf „Colony Of Birchmen“. Ein richtiger wahnsinns Moment.
Was mich an der Scheibe aber am meisten packt, ist dieser pure Hunger, den man in jedem Song spürt. Tracks wie „Poisonous Weapons“ oder „Moth And Bone“ walzen einfach alles platt. Troy Sanders und Brann Dailor schieben da unten ein Bass- und Drum-Fundament an, dass es dir den Magen umdreht, während Bill Kelliher eine Riff-Salve nach der anderen abfeuert. Und der neue Gitarrist Nick Johnston? Was für ein absoluter Glücksgriff! Seine Soli klingen so unglaublich melodisch und organisch, ohne dass die Härte flöten geht. Zusammen mit den Synthesizern von João Nogueira bei „Golden Spires“, fühle ich mich wieder total an die alten, psychedelischen Hochzeiten von „Crack The Skye“ erinnert.
Zum Schluss hin lässt mich das Album dann völlig sprachlos zurück. Der fast achtminütige Epos „The Three Fates“ hat mich emotional richtig abgerissen. Man spürst da irgendwie immer noch den Geist und Schatten von Brent Hinds durch die Saiten wehen, aber eben nicht als verstaubte Nostalgie, sondern als mutigen Schritt nach vorne. Zudem mischen noch Legenden wie Ben Kolleg, Randy Blythe, Jo Duplantier, Neil Fallon sowie BLACK SABBATH Legende Geezer Butler auf dieser unglaublichen Platte mit.
Der Sound ist dank Kurt Ballou und Andrew Scheps sowieso eine absolute Macht. Glasklar, aber so brutal und fett gemischt, dass jedes Aufheulen der Gitarren und jeder Gesangswechsel zwischen Troy und Brann mitten in die Magengrube trifft. Für mich ist „Marrow Deep“ schon jetzt eines der stärksten und ehrlichsten Alben, die MASTODON je auf die Menschheit losgelassen haben. Also nicht vergessen, den 28. August fett im Kalender markieren!
Autorin: Bianca Ully
Tracklist „Marrow Deep“:
1. Barbarian Blood
2. Poisonous Weapons
3. Your Ghost Again
4. Snakes For Dinner
5. Out Like A Lamb
6. In The Ruins
7. They’re Coming For You
8. Golden Spires
9. Moth And Bone
10. A Vampire’s Demeanor
11. The Vanishing
12. The Three Fates
Gesamtspielzeit: 68:14
