electric callboy - tanzneid
ELECTRIC CALLBOY
Tanzneid
(Trancecore | Metalcore)

 


Label: Century Media | Sony Music
Format: (LP)

Release: 12.8.2026


Wie schon beim Vorgänger „Tekkno“ setzten die Überflieger von ELECTRIC CALLBOY auf Einzelveröffentlichungen statt auf ein klassisches Album, so waren schon acht er zehn Tracks samt Video über die letzten zwei Jahre veröffentlicht worden. Dass dies zwar so manch Metaller*innen und Rocker*innen der alten Schule nicht ganz in den Kram passen könnte, ist den deutschen Herren herrlich egal. So wirkt das nun zweite Album seit der Wiedergeburt mit Nico Sallach neben Kevin Ratajczak als zweiten Front-Grinsemann eher wie eine Compilation, denn ein richtiges Album.

Das liegt schon allein daran, dass man gleich zwei Cover-Songs samt hochdekoriertem Feature vorab veröffentlichte und beide aus dem 90er Punk stammen. Zunächst veröffentlichte man nämlich eine fetzige Version des Hymne „Still Waiting“ bei dem SUM 41 Legende Frank Zummo nicht nur die Sticks fliegen lässt, sondern auch einige Gesangsparts übernahm. Mittlerweile ist der Herr ja auch festes Mitglied der Band, was also mehr als passend erscheint. Warum man dann noch „Let The Good Times Roll“ gemeinsam mit THE OFFSPRING  auf das Album packen musste und sich diesen Sommer-Hit nicht für später aufhob, wirkte für mich etwas schade. Aber der Track macht Spaß, auch wenn dieser nicht allzu weit vom Original weggeht. Ok, doch, aber für EC-Verhältnisse, geht man da doch zahm ran.

Auch „Ratatata“ ist eventuell ein kleiner Streitfall. Der für mich schwächste Track des Albums, bei dem BABYMETAL mitwirkt und mit dermaßen nervigen Vocals den doch eigentlich spaßigen Song, zur Zerreissprobe macht.Gut, hätten wir die Kritik beiseite. Man könnte zwar noch behaupten, dass das Album nicht an „Tekkno“ herranreicht, wirkte dieses doch konsequenter und hatte keine merklichen Ausfälle. So würde „Elevater Operater“ wohl noch am besten auf den Vorgänger passen, „Tanzneid“ wirkt mit den Mitsingparts auch vertraut und passt wunderbar als Opener, der sich gut an „Hypa Hypa“ anschließt und live zum Tanzen auffordert.

Die Jungs schaffen es einmal mehr souverän Tanzbeats, verschiedene Electro-Elemente mit allerlei Metal-Genres zu vermengen und bringen so einmal mehr die harten Töne in die Disco oder eben tanzbare Beats auf Metal-Festivals. Wie man es auch sehen mag. Experimentell darf es dann auch sein und so kommen wir zu den spannenderen Parts des Albums, sind diese doch weniger vorhersehbar. „Revery“ tönt wie eine SONATA ARCITCA Melodie mit düsterem Unterton und melancholischem Gesang, den Nico wunderbar meistert. Generell zeigt der Mann wieder, was er draufhat und so überrascht er auch im etwas zerfahrenen, aber spannenden „The Savior“ gegen Ende, dass er zu den hohen Vocals auch starke, tiefer angelegte und mit rauem Unterton gepresste Gesänge draufhat. Da kommt schon mal Gänsehaut auf, wenn er draufdrückt, bevor es verträumt weitergeht. Man kann sagen, was man will, aber Herzschmerz können die Jungs wunderbar.

Da passt es auch die wunderbare BACKSTREET BOYS Parodie „The Way You Are“ mit Akustik-Gitarre und perfekt nachgeahmtem Sound, der aber, ähnlich wie einst „Hurrikan“ in einem wüsten Gemetzel, samt passend blutigem Video mündet. „Hypercharged“ ist dann erneut eine homogene Mischung aus Electro und Metal zum Mitsingen und Tanzen, wohingegen „Heartclub“ ausnahmsweise gleich mit Shouts von Kevin startet und die Eingängigkeit erst später hinzufügt. Wobei hier der Härtegrad hoch bleibt und man an so manch Electro-Metal DJ wie ZARDONIC denken muss.

Als Bonus bieten die Jungs auch noch ein paar ELECTRIC BASSBOY Songs. Eine Fun-Band, die auf der letzten Tour entstanden ist, kam hier doch zwischendurch im Set ein DJ auf die Bühne und man ballerte ein Drum’n’Bass Set mit Metal-Riffs, sowie eingewobenen Cover-Songs auf die Hörerschaft, die stets ausrastete. Inzwischen spielt man solche Sets auch komplett auf Festivals.

Wer ein zweites „Tekkno“ erwartet hat, wird eventuell enttäuscht, treten ELECTRIC CALLBOY dankenswerterweise nicht auf der Stellt und bieten wieder eine Handvoll tanzbarer Metalsongs zum Mitträllern, Abgehen und Tanzen. Auch wenn „Tanzneid“ wie eine Compilation wirkt, so haben die Herren eigentlich wieder fast alles richtig gemacht und verkaufen zu Recht weiter riesige Tourneen aus und headlinen Festivals aller Art, bringt man doch hier zwei Welten zusammen, die man so wahrscheinlich nicht erwartet hätte.

Autor: Max Wollersberger

 


Tracklist „Tanzneid“:
1. Tanzneid
2. Ratatata
3. Hypercharged
4. Let the Good Times Roll
5. Elevator Operator
6. Heartclub
7. The Way You Are
8. Still Waiting
9. The Savior
10. Revery
11. We Got the Moves (Sullivan King Remix)
12. TANZNEID (Paolo Ferrara Remix)
13. Hypercharged (Paul Elstak Remix)
14. Revery (Sullivan King Remix)
Gesamtspielzeit: 44:09

 


Band-Links:
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electric callboy - tanzneid
ELECTRIC CALLBOY – Tanzneid
LineUp:
Nico Sallach (Vocals)
Kevin Ratajczak (Vocals)
Daniel Haniß (Guitars)
Pascal Schillo (Guitars)
Daniel Klossek (Bass)
Frank Zummo (Drums)
7
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