Der erste Tag des Nova Rocks war gut überstanden, der Schlaf auf den Camping-Plätzen eher Mangelware. Angereiste, die schon ihr ganzes Wohnzimmer mitnehmen, samt Schnickschnack, den man sich nicht vorstellen kann, Glückliche, die in der Nähe Hotelzimmer ergattern konnten und diejenigen die am Caravan ihre Camper und andere fast luxuriöse Schlafgemächer hatten, waren ebenso zu beneiden, wie die Rocker, die sich auch die dort aufgestellten edlen Holzhütten leisten konnten. Nachts war es aber zum Glück recht kühl und die Hitze kroch erst im Laufe des Tages wieder über die Pannonia Fields. So machte man sich früher oder später wieder auf den Weg zum Innfield…
Am Weg dorthin, je nachdem wo man residierte, fand man allerlei Speis und Trank, konnte noch zusehen, wie die Party-Bereiche, die bis spät in der Nacht für weiteren Lärm aller Art, gute Laune und den Alkoholspiegel sorgten die Spuren der letzten Nacht beseitigten oder sich mal einfach ein Reparatur-Bier oder ein Frühstück organisieren. Neben einem umfangreichen Market, der von Bier, Antigetränken, die eisgekühlt angeboten wurden, Kaffe über allerlei Essbarem zum selber herrichten verkauft wurden, bis hin zu allen nötigen Hygiene-Artikeln, die dort zum anständigen Preis feilgeboten wurden, fehlte eigentlich nichts. Rundherum konnte man sich Rührei und weitere Frühstücks-Klassiker gönnen, aber auch heiße Speisen waren früh zu ergattern. Von Hausmannskost und Klassikern wie asiatisch, italienisch und Burgern, bis hin zu exotischen Speisen aus aller Welt, konnte man sich einer riesigen Auswahl erfreuen. Die Preise waren aber auch, sagen wir im gehobenen Segment, bei den Fressbuden im Campingbereich. Ähnlich schaute es da natürlich im Innfield aus.
Dort fand man aber auch allerlei Unterhaltung abseits der Bühnen, denn ein Riesenrad, das Tagada, Ringelspiele, eine Rollschuhbahn, sowie Partyzelte aller Art waren dort auch wieder gern besucht und das von früh bis spät. Das Nova Rock ist schon lange viel mehr als ein klassisches Metalfestival, es ist ein Rummelplatz, eine Partymeile und auch ein Ort der Entspannung.
Aber genug der Entspannung, es war Zeit für Old-School Death Metal, denn die Veteranen von SIX FEET UNDER spielten schon recht bald als erster Act des Tages auf der Red Stage. Warum die eigentliche Legende und der ehemalige CANNIBAL CORPSE Sänger Chris Barnes, der mit SFU schon über 30 Jahre unterwegs ist, bereits um 12:45 auf die Bretter musste, ist eigentlich ganz gut aus dem aktuellen Review zu „Next To Die“, aber auch den Vorgängern gut heraus zu lesen. Die Band lebt noch vom Kult der alten Tage, kann diesen aber heute nicht mehr so richtig neu entfachen und auch am Nova Rock war das nicht viel anders. Chris gurgelte sich die Down-Tempo, runter-getuneten Songs und ließ große Akzente vermissen. Es fehlt der Truppe an Hits, Schmackes und etwas Tempo. Die Show fühlte sich über weite Strecken wie ein einziger Brei an, die Stimmung war dennoch solide und die Band zeigte auf jeden Fall Routine und der Ex-CC Kollege Jack Owen, der 2017 zur Band stieß, konnte auch mit fetten Riffs auftrumpfen. Doch „Hammer Smashed Face“, der Corpse-Klassiker holte nochmal Reserven hervor und auch mit „Death Or Glory“ konnte man punkten. Optisch machte der Oldie mit Cappy, kurzem grauen Bart und überraschend reduzierten Dreads ein unübliches Bild, während ansonsten vorrangig die Glatzen glänzten. Für Death Metal Veteranen sicher eine willkommene Abwechslung am Nova Rock.
[Max]
Mit MAGNOLIA PARK stand am frühen Nachmittag eine jener Bands auf dem Programm, die sich nur schwer in eine Schublade stecken lassen. Die US-amerikanische Formation aus Florida verbindet seit ihrer Gründung 2019 Einflüsse aus Punk, Rock, Pop, Hip-Hop und Metalcore zu einem modernen Sound. Entsprechend gut gefüllt präsentierte sich auch der Bereich vor der Blue Stage. MAGNOLIA PARK sorgten insgesamt für eine energiegeladene Stimmung. Gitarrist Tristan Torres wagte sogar einen Ausflug in die Crowd und zeigte, dass er auch beim Crowdsurfen seine Gitarrenskills nicht verliert. In der kurzen Setlist wurden einige Songs aus ihrem Album „Vamp“ präsentiert, da durfte natürlich „Shallow“ nicht fehlen. Der Song zählt mittlerweile zu den bekanntesten Stücken der Band und wurde auch vom Publikum lautstark mitgesungen. Insgesamt erwies sich der Auftritt von MAGNOLIA PARK als idealer Nachmittagsslot, der definitiv Lust auf die kommenden Stunden machte.
[Daniela]
Es war heiß ja, doch nun wurde es noch heißer, denn der ROYAL REPUBLIC Partyzug fuhr durch die Pannonia Fields. Die Jungs erzeugten eine Energie und Stimmung an jenem Tag, die ihresgleichen suchte. Die Herren aus Schweden sind immer ein Garant für eine beschwingte und unterhaltsame Show. Und so gaben sie von der ersten Sekunde an Vollgas. „My House“ brachte buchstäblich Stimmung ins Haus. Front-Erscheinung Adam Grahn war stimmlich, mental und körperlich voll in seinem Element. Aber auch mit Fieber und Grippe rockt der Mann als gäbe es kein Morgen, wie man letztes Jahr im Posthof begutachten konnte. Auch seine Kollegen zeigten viel Laufarbeit. Zwischen weiteren Krachern wie dem treibenden 80s Hit „LoveCop“, dem fetzigen „Getting Along“ oder dem Mitsing-Hit „Tommy Gun“, wo so richtig die Post abging, haute er sympathische Ansagen raus und fette Grinser unter seinem Schnauzbart. Zudem gab es mit „Battery“ ein unterhaltsames METALLICA-Cover, welches natürlich unglaublich laut mitgebrüllt wurde. Zudem wurde getanzt, geshaked, geknuddelt und eine unglaublich schöne Stunde miteinander gefeiert. Den Abschluss bildete der Überhit „Rata-tata“, der die letzten Reserven und Kehlen nochmal aktivierte.
[Max]
Setlist ROYAL REPUBLIC:
My House
LoveCop
Getting Along
Baby
Full Steam Spacemachine
Tommy-Gun
Battery (METALLICA)
RATA-TATA
Einer der spannendsten Programmpunkte des Tages, ob ihres rasanten Aufstiegs (die Formation wurde erst 2025 gegründet) wartete mit PRESIDENT auf mich. Noch immer ranken sich zahlreiche Spekulationen um die Identitäten der Musiker, denn sämtliche Mitglieder treten maskiert auf und halten ihre Gesichter konsequent verborgen.
PRESIDENT machten ihrem Namen allerdings alle Ehre mit dem Bühnenbild: ein Sprechpult im vorderen Bereich in der Mitte der Bühne aufgebaut, hinter das sich Sänger „The President“ immer wieder stellt und szenisch eher an eine politische Ansprache erinnert. Doch was rauskam, waren druckvolle Riffs und moderne Metalcore-Klänge, die die eigentliche Marschrichtung vorgaben. Mit einem kompakten Zehn-Song-Set das mit dem DEFTONES-Cover „Change (In The House Of Flies)“ ergänzt wurde, boten PRESIDENT einen Auftritt, der vor allem durch seine Mischung aus eindrucksvoller Inszenierung und musikalischer Qualität im Gedächtnis bleibt. Fazit: ich würde wieder auf ein Konzert von PRESIDENT gehen.
[Daniela]
Setlist PRESIDENT:
Fearless
Dionysus
Doom Loop
Rage
Angel Wings
Conclave
Mercy
Change (In The House Of Flies) (DEFTONES)
Destroy Me
In The Name Of The Father
Der zweite Tag war eine Art-Power Tag, denn auch SKINDRED waren am Start, um ihre positiven Messages und heavy tunes unter die Leute zu bringen. Benji Webbe und seine Leute aus dem schönen Wales enterten die Bühne und schon war die unvergleichliche Atmosphäre mehr als spürbar. Der Fronter hatte wieder ein übertrieben auffälliges Outfit, aber das passt zu ihm, denn seine Stimme ist ja auch mehr als eindringlich und der Mann ist ja auch eine charismatische Erscheinung. „Set Fazers“ erzeugte eine ungemeine Energie, es kam Bewegung in die Reihen und das Grinsen wurde auf der Bühne und auch davor immer breiter. Benji haute zwischendurch seine stärkenden Ansagen raus und erfreute die Fans mit seinem Humor, aber Trumpf waren dann weitere Hits wie der Dauerbrenner „Kill The Power“, neue Tracks wie „You Got This“ vom aktuellen Werk sowie „Gimme That Boom“ heizten noch weiter ein. Auch SKINDRED haben METALLICA als Vorbild und hauten im Medley kurz „Master Of Puppets“ raus, huldigten aber auch dem größten PAPA ROACH „Last Resort“, riefen „Jump“ von VAN HALEN raus und steigerten mit „Jump Around“ von HOUSE OF PAIN. Den Abschluss machte aber natürlich das fette „Gimme That Boom“ sowie „Warning“ bei dem passenderweise AURORAWAVE Fronter Nathan die Bühne enterte und mit Benji ein letztes Mal abfeierte.
[Max]
Setlist SKINDRED:
This Is The Sound
Set Fazers
Rat Race
That’s My Jam
Radio 01633 / Master Of Puppets / Last Resort / Jump / Jump Around
You Got This
Kill The Power
Can I Get A
Nobody
Gimme That Boom
Warning
(Nobody Does It Better)
Anschließend führte uns der Weg zu THE PLOT IN YOU. Die Metalcore Band aus Ohio zeigte, weshalb sie sich mittlerweile eine treue Hörer*innenschaft erspielt hat. Besonders Frontmann Landon Tewers überzeugte mit seinen vielseitigen Vocals. Die mühelosen Wechsel zwischen klarem Gesang, Screams und Growls waren äußerst beeindruckend. Vor der Bühne entwickelte sich rasch reger Betrieb. Crowdsurfer*innen waren beinahe durchgehend unterwegs, während die Band das Publikum immer wieder zu Moshpits und weiterem Crowdsurfen animierte. Mit Songs wie „Enemy“ und „Face Me“ hielt THE PLOT IN YOU das Energielevel konstant hoch und sie boten mit „Feel Nothing“ noch einen würdevollen Abschluss des Sets.
[Daniela]
Setlist THE PLOT IN YOU:
Divide
You Get One
Pretend
Don’t Look Away
Spare Me
Face Me
Closure
All That I Can Give
Forgotten
The One You Loved
Enemy
Been Here Before
Silence
Left Behind
Disposable Fix
Feel Nothing
Nach langer Wartezeit kehrten A PERFECT CIRCLE endlich wieder auf eine österreichische Festivalbühne zurück. Da die Band nur äußerst selten live zu erleben ist, war die Vorfreude bei den Fans entsprechend groß. Im Gegensatz zu den energiegeladenen Acts davor wurde es vor der Bühne jedoch deutlich ruhiger. Statt Moshpits und ausgelassener Partystimmung dominierten konzentrierte Blicke und ein Publikum, das sich voll und ganz auf die dichte Atmosphäre der Band einließ.
Mit dem düsteren Opener „The Package“ und dem anschließenden „Disillusioned“ schufen A PERFECT CIRCLE sofort eine intensive Stimmung. Spätestens bei „The Doomed“ und dem Klassiker „Weak And Powerless“ zeigte die Band ihre ganze musikalische Bandbreite. Die perfekt aufeinander abgestimmten Musiker und die außergewöhnliche Dynamik der Songs sorgten dabei für zahlreiche Gänsehautmomente.
Maynard James Keenan blieb seiner gewohnt zurückhaltenden Bühnenpräsenz treu. Große Gesten benötigte der Ausnahme-Sänger ohnehin nicht, denn seine markante Stimme stand den gesamten Auftritt über im Mittelpunkt. Besonders bei „Gravity“, „Blue“ und „TalkTalk“ überzeugte die Band mit beeindruckender Präzision und einer nahezu hypnotischen Atmosphäre.
Mit „3 Libras“, „The Outsider“ und dem intensiven „Counting Bodies Like Sheep To The Rhythm Of The War Drums“ nahm das Konzert gegen Ende nochmals deutlich an Fahrt auf. Die kraftvollen Gitarren und die eindringliche Performance sorgten für einen der stärksten Momente des gesamten Auftritts, bevor mit „Starless“ noch einmal ruhigere Töne angeschlagen wurden.
Den krönenden Abschluss bildete schließlich „Judith“, das von den Fans lautstark mitgesungen wurde. A PERFECT CIRCLE lieferten zwar keine typische Festivalshow zum Feiern, dafür aber einen atmosphärisch dichten, musikalisch herausragenden Auftritt, der eindrucksvoll bewies, warum die Band auch nach all den Jahren zu den außergewöhnlichsten Vertretern des Alternative Rock zählt.
[Florian]
Setlist A PERFECT CIRCLE:
The Package
Disillusioned
The Doomed
Weak and Powerless
Rose
Gravity
Blue
TalkTalk
3 Libras
The Outsider
The Noose
Counting Bodies Like Sheep To The Rhythm Of The War Drums
Starless
Judith
ANNISOKAY sind ein kleines Phänomen. Vom soliden Emo-Core Geheimtipp, mauserten sich Fronter, Produzent und Gitarrist Wieczorek und seine Mannen zur festen Größe im Postcore Bereich und liefern starke moderne und emotionale Songs, die mal hymnisch, mal heavy, aber auch oft beides sind. Mit Wechsel an den Growls zu Rudi Schwarzer und den beiden „Abyss“ EPs, die dann auch als gesammeltes Album erschienen, spielten sich die Deutschen entgültig in die Herzen der Genrefans und sind somit mehr als willkommener Gast in Clubs und Festivals. Sympathisch, routiniert und spielfreudig beackerten sie die Red Bull Stage und begeisterten mit dem emotionalen und brutalen Schwergewicht „Throne Of The Sunset“, dem noch heftigeren „H.A.T.E.“ oder dem Überhit und uminterpretierten Quasi-Cover „Calamity“ von der Pop-Sängerin LEONY, die den Track einst als „Remedy“ veröffentlichte. Das Ding geht unglaublich ins Ohr mit seinen Electro-Tunes und dem einprägsamen Chorus und ließ die Herzen höher schlagen und die Kehlen noch lauter erschallen als schon bei den vorherigen Songs. Eine Band, die sich ihren Status schwer und hart erarbeitet und letztendlich mehr als verdient hat.
Setlist ANNISOKAY:
Into the Abyss
Throne Of The Sunset
Ultraviolet
My Effigy
Splinters
H.A.T.E.
Human
Calamity
STFU
Taylor Momsen ist ein Phänomen sondergleichen. Schauspielerin, bekannt als Kinderstar aus Der Grinch, Spy Kids oder auch Wir Waren Helden in den frühen 2000ern, erfolgreiches Model und auch überaus erfolgreiche Rockröhre und Aushängeschild von THE PRETTY RECKLESS. Und auch live hat die Dame eine Energie, Stimme und Ausstrahlung, die ihresgleichen sucht. Gitarre umgehängt und schon ging es los mit dem Hit „Death By Rock’n’Roll“, das schon klar machte, wer hier – auch im roten Kleid – die Hosen anhat. Und so spielte man sich routiniert durch die Diskogafie und auch auf Abwechslung achtete man. Von fetzigen Rock’n’Roll Tunes, über staubige Riffs, bis hin zu gefühlvollen Balladen war alles dabei und auch zwei neue Tracks „For Am I Death“ und „Wake Me Up“ erzeugten eine starke Energie. Zwischendurch gab es dankvolle Ansagen und die ganze Band heizte das Publikum an, doch das war bei den riffstarken Krachern nicht groß nötig. Ruhiger wurde es gegen Ende nochmal mit „Heaven Knows“ ehe „Take Me Down“ das Set würdig und nochmal mit mehr Schub beendete.
[Max]
Setlist THE PRETTY RECKLESS:
Death By Rock And Roll
Since You’re Gone
Follow Me Down
Only Love Can Save Me Now
Sweet Things
For I Am Death
When I Wake Up
Witches Burn
Make Me Wanna Die
Going To Hell
Heaven Knows
Take Me Down
Mit THE OFFSPRING betrat anschließend eine jener Bands die Bühne, die schon seit Jahrzehnten zuverlässig für gute Stimmung sorgen. Auch beim Nova Rock bewiesen die Kalifornier eindrucksvoll, dass sie noch nicht zum alten Eisen gehören. Die gewohnt unterhaltsamen Wortwechsel zwischen Sänger Dexter Holland und Gitarrist Noodles lockerten das Set immer wieder auf und sorgten auch für zahlreiche Lacher zwischendurch.
Musikalisch präsentierten sich THE OFFSPRING in starker Verfassung und lieferten eine routinierte, aber keineswegs abgespielte Show ab. Hervorragend ins Set eingebunden wurde auch ein Cover von OZZY OSBOURNEs „Crazy Train“. Im Mittelpunkt standen jedoch selbstverständlich die zahlreichen Hits, die über Jahrzehnte hinweg Generationen von Musikfans begleitet haben. Als sich ihr Set langsam dem Ende näherte, folgte ein Klassiker nach dem anderen. „Why Don’t You Get A Job?“, „The Kids Aren’t Alright“ oder auch „Self Esteem“ verwandelten die Blue Stage endgültig in eine riesige Party.
[Daniela]
THE OFFSPRING sind ja schon jeher eine Legende und schon in jungen Jahren ärgerte ich meinen drei Jahre älteren Bruder mit dem Hit „Why Don’t You Get A Job“, welcher mir ein Grinsen ins Gesicht zauberte, aber auch die Brüllorgie „Staring At The Sun“ erfreute mein jugendliches Herz und katapultierte mich in die 90er, aber nicht nur mich, wie man rundum bei den Punks im Herzen jeden Alters erkennen konnte. Es wurde gehüpft, gepogt, gesungen und umarmt. Ob man nun „Crazy Train“ und „Paranoid“, beide natürlich einst von Doom-Gott Ozzy vorgetragen, nötig gewesen wären, sei dahingestellt, aber die Stimmung war auch hier großartig. Alle nötigen Hits waren abgefeuert und auch sonst fehlte es den Fans an Nichts an diesem Abend und so sollte „Self Esteem“ nochmal steil gehen.
Einzige persönlich Enttäuschung. Warum schmetterte Bryan „Dexter“ Holland seine Herzensballade „Gone Away“ nicht raus?
[Max]
Setlist THE OFFSPRING:
Come Out And Play
All I Want
Want You Bad
Staring At The Sun
Hit That / Original Prankster
Hammerhead
Make It All Right
Bad Habiit
Electric Funeral / Paranoid (BLACK SABBATH)
Crazy Train (OZZY OSBOURNE)
In The Hall Of The Mountain King
Gotta Get Away
Why Don’t You Get A Job?
Pretty Fly (For A White Guy)
The Kids Aren’t Alright
You’re Gonna Go Far, Kid
Self Esteem
Von der BLACK SABBATH-Hommage bei THE OFFSPRING ging es für mich direkt zur Red Stage, um zum ersten Mal BLACK LABEL SOCIETY zu erleben – ein Auftritt, der für mich einer der Hauptgründe war, mir die Strapazen eines Festivals nach fast zehn Jahren wieder anzutun. So oft wie heuer wechselte ich innerhalb von nur zehn Minuten Fußweg zwischen Red und Blue Stage noch nie. Zu den Anfangszeiten des Festivals, als man dafür mindestens eine halbe Stunde benötigte, wäre das kaum vorstellbar gewesen. Organisatorisch und auch line-up-technisch kann ich vor der Ausgabe 2026 nur den Hut ziehen.
Zakk Wylde ließ sich dann allerdings fast zehn Minuten länger als geplant Zeit und betrat erst um 22 Uhr die Bühne – begleitet von dem Intro-Remix „Whole Lotta Sabbath“. Wer auf alte Säcke mit langen Haaren steht, kommt an Zakk in Sachen Coolness kaum vorbei. Lässig in seinem Schottenrock posierend, stellte man sich unweigerlich die Frage, ob er darunter wohl eine Unterhose trägt. Außer seinen Krampfadern waren jedoch keine weiteren Details zu erkennen.
Musikalisch ließ der amerikanische „Wikinger“ natürlich nichts anbrennen und überzeugte auch mit seiner Stimme, die stellenweise stark an Ozzy Osbourne erinnerte. Nach dem Opener „Funeral Bell“ wusste vor allem der neue Song „Name In Blood“ zu gefallen, der auf Radio 88.6 bereits seit einiger Zeit in Dauerrotation läuft. Besonders bewegend war das Ozzy-Osbourne-Tribute während „No More Tears“, bei dem Fotos des jungen Ozzy auf den Leinwänden im Hintergrund gezeigt wurden.
Das prägnante „Wah-Wah“-Intro von „Fire It Up“ leitete schließlich das Konzertfinale ein. Dabei lieferten sich die beiden Gitarristen mit ausufernden Soli ein Duell, bei dem jeder den anderen an Coolness übertreffen wollte. „Suicide Messiah“ und „Stillborn“ markierten anschließend den Schlusspunkt eines gefühlt viel zu kurzen Sets. Damit steht für mich fest: Wenn sich die Gelegenheit ergibt, muss ich mir unbedingt noch eine Clubshow der Band ansehen – vermutlich ein noch intensiveres Erlebnis.
[Florian]
Setlist BLACK LABEL SOCIETY
Funeral Bell
Name In Blood
Destroy & Conquer
A Love Unreal
Heart Of Darkness
No More Tears (Ozzy Osbourne Cover)
Set You Free
Fire It Up
Suicide Messiah
Stillborn
Der wohl stärkste Kontrast des gesamten Tages folgte anschließend mit THE CURE. Während zuvor noch Punkrock und Metalcore dominierten, tauchte die britische Kultband die Blue Stage am Nova Rock für zwei Stunden in eine völlig andere Atmosphäre. Bereits mit „Alone“ und dem unmittelbar darauffolgenden „Pictures Of You“ wurde deutlich, wohin die Reise an diesem Abend gehen würde. Kaum erklang die ikonische Gitarrenmelodie von „Pictures Of You“, breitete sich Gänsehaut aus. Unterstützt von leichtem Nieselregen entstand eine fast perfekte Kulisse für die melancholischen Klangwelten von Robert Smith und seinen Mitstreitern. Über Robert Smith selbst muss man kaum noch viele Worte verlieren. Seine unverwechselbare Erscheinung und die legendäre Frisur wirken beinahe wie ein eigenes Kunstwerk, ganz zu schweigen von dem unverkennbaren Klang seiner Stimme, die nach wie vor 1:1 wie auf Platte klingt. Große Ansagen oder ausufernde Publikumsinteraktionen suchte man während des Auftritts allerdings vergeblich. Erst gegen Ende entschuldigte sich Smith sogar dafür, so wenig gesprochen zu haben. Gleichzeitig wurde dadurch deutlich, worauf THE CURE eigentlich ihren Fokus legen: möglichst viele Songs zu spielen und eine große Bandbreite ihrer Diskographie abzudecken. Wobei dies in einem zwei Stunden Set nur begrenzt möglich ist.
„Lovesong“, „Just Like Heaven“, „In Between Days“ oder auch „Three Imaginary Boys“ waren klare Favoriten im Set. Bemerkenswert bleibt dabei, wie flexibel THE CURE ihre Setlists gestalten. Während viele Bands Abend für Abend nahezu identische Shows präsentieren (teilweise sogar über mehrere Jahre hinweg), wechseln die Briten ihre Songauswahl regelmäßig. Insgesamt sollen mehr als fünfzig verschiedene Songs für die laufende Tour vorbereitet worden sein.
Ganz ohne Wermutstropfen verlief der Abend für mich allerdings nicht. Auf „Friday I’m In Love“ oder „Close To Me“ warteten viele Fans inklusive mir vergeblich. Angesichts der enormen Auswahl an Klassikern lässt sich eine solche Entscheidung zwar nachvollziehen, ein wenig schade bleibt es dennoch.
THE CURE lieferten eine eindrucksvolle, atmosphärische Demonstration ihrer einzigartigen Klasse ab. Anders als viele andere Bands auf dem Nova Rock setzten sie nicht auf große Showeffekte oder permanente Animation des Publikums, sondern ausschließlich auf ihre Musik. Und genau das machte ihre Headliner Show letztlich auch so besonders.
[Daniela]
Setlist THE CURE:
Alone
Pictures Of You
Burn
Lovesong
Just Like Heaven
Shake Dog Shake
A Night Like This
Wrong Number
The Walk
Push
In Between Days
Play For Today
A Forest
From The Edge Of The Deep Green Sea
One Hundred Years
End Song
Plainsong
Prayers For Rain
Disintegration
Three Imaginary Boys
Boys Don’t Cry
Die wohl größte Überraschung des Festivals waren für mich ICE NINE KILLS. Nicht, dass ich nicht schon wusste, dass die Herren aus den Staaten rund um den kreativen und charismatischen Spencer Charnas schon lange zu Größerem berufen sind, aber der Andrang, die Stimmung und diese gewaltige Show hätte ich von den Horror-Metalcore Überfliegern nicht ganz erwartet. Aber von vorne. Die Jungs beackern die Staaten schon seit über 20 Jahren hoben sich aber erst so richtig mit „Every Trick In The Book“ (2015) aus der Masse und schafften ihren großen Durchbruch mit „The Silver Scream“ (2019), dem ein nicht minder grandioser zweiter Teil 2021 folgte. Einmal durfte ich die Jungs im Club in München erleben und einmal in Prag. Also alles im kleinen Rahmen und immer dachte ich mir, warum werden die nicht größer, doch mit der neueren Single „A Work Of Art“ hat wohl nun so ziemlich jeder Metalcore Fan verstanden, was da los ist.
Mit Songs, die von berühmten Horror-Filmen erzählen, füllen Spencer und seine Mannen die Show mit schauspielerischen Leistungen, zerlegen bei „Wurst Vacation“ (Hostel) Leichen auf der Bühne, killen die Mama bei „The Shower Scene“ hinter dem Vorhang (Psycho) und graben das Necronomicon „Ex Mortis“ beim gleichnamigen Song aus und entfesseln lyrische Dämonen. Die Schaufel wurde beim ultraburtalen aber gleichzeitig eingängigen „Funeral Derrangements“ (Pet Cemetery) ausgepackt und dazwischen brach einfach die eine oder anderen Hölle los. Spencer ist sowohl bei den Growls, als auch clean in bester Form an diesem Abend und seine Jungs unterstützen ihn lyrisch und mit viel Bewegung. Was man hier auf die zahlreichen Zuschauer*innen losließ, suchte ihresgleichen. Mag sein, dass man nun nicht unbedingt bei jedem Song auf der Bühne die volle Hollywood Klaviatur auspacken müsste und sich noch eine Spur mehr auf den opulenten, teils stark durchorchestrierten brutalen Metal konzentrieren könnte, doch es funktionierte. Es wurde in Chören mitgebrüllt, Crowdsurfer*innen waren unterwegs, es wurde gemosht und alle waren happy und zum Schluss Mega-Verschwitzt.
Man konzentrierte sich ob der Bühnenshow vorrangig auf die beiden „The Silver Scream“ Songs, doch die sympathischen Bostoner fügten neuere Standalone-Singles ein und überraschten mit einem NOFX-Cover, zündeten aber gegen Ende nochmal alles, was noch in den Rohren war, inklusive Pyros und weiterem Klimbim. Bei „It Is The End“ kam der berühmte rote Luftballon von Stephen Kings ES zum Vorschein und Clown-Melodien ertönten zum metallischen Gemetzel, mit „The American Nightmare“ träumte man von Freddy mit hippen Tunes und zum Schluss kam Art noch persönlich auf die Bühne um die Hitsingle zu unterstützen. Die Show verging im Flug, einige Hits fehlten, doch unzufrieden war hier keiner und die Show in Wien 2027 in der Stadthalle, wird sicher nun noch gefüllter werden, als sowieso schon.
[Max]
Setlist ICE NINE KILLS:
Meat & Greet
Wurst Vacation
Ex-Mørtis
The Laugh Track
A Grave Mistake
Funeral Derangements
Linoleum (NOFX)
The Shower Scene
The Great Unknown
Stabbing In The Dark
Welcome To Horrorwood
Twisting The Knife
Hip To Be Scared
IT Is the End
The American Nightmare
A Work Of Art
Auch der zweite Tag des Nova 2026 war ein Garant für Abwechslung, gute Laune, absolut fetten Sound auf den Stages und natürlich Highlight um Highlight, die den angereisten Nova Rockern sichtlich Spaß machten. Danach durfte noch gefeiert werden auf der Spirit Stage, an der es allerlei Pop-Hits zwischen Scooter, Cascada und Backstreet Boys gab und DJs anheizten, aber auch im Metal-Zelt ging es rund. Ebenso viel Party durfte man aber auch vom Camping Platz vernehmen. Nova ist nur einmal im Jahr heißt es doch und so konnte man auf all zu viel Schlaf auch gerne mal temporär verzichten.
Autor*innen: Daniela Krebelder, Florian Rosenberger, Max Wollersberger
Fotos: Anthony Seidl
