
Eine Band aus Litauen hat man dann leider auch nicht so oft am Plattenteller, aber den Post Metal-affinen Hörer*innen, sind ERDVE aus Vilnius womöglich schon ein Begriff. Nun erscheint mit „Epigrama“ ihr bereits drittes Album wiederrum via Season Of Mist.
Der Titeltrack eröffnet tonnenschwer gepaart mit einer satten Portion Wut und Verzweiflung und gibt die Marschrichtung und auch das nicht minder wuchtige „Nyra“ macht keine Gefangenen.
Im Vergleich zu anderen Bands des Genres ist wohl gerade wegen den Vocals von Sänger und Gitarristen Vaidotas Darulis der Hardcore Einfluss unüberhörbar, wie im übermächtigen „Skepsis“. Ein Umstand der dazu beiträgt, dass ERDVE immer wieder auch im Sludge verortet wird. „Trukmė“ wildert dann zuerst gar im Post Hardcore, der dann aber von einem gewaltigen Breakdown unterbrochen wird, der den Boden für die abschließenden Synths aufbereitet. Diese blitzen dann auch im nachfolgenden „Svertas“ erneut auf, was die sonst komplexe Songstruktur mit wilden Tempi- und Rhythmuswechseln angenehm aufbricht, um dann in fast unmenschlich anmutenden Gebrüll überzugehen und weiter unerwartete Haken zuschlagen. Da ist „Raukšlės“ mit seiner Geradlinigkeit, der es aber zu keiner Sekunde an emotionaler Tiefe fehlt, fast als Antithese zu sehen.
ERDVE legen mit „Epigrama“ ihr wohl bis dato rundestes Werk vor. Post Metal der seine Atmosphäre nicht über Soundlandschaften aufbaut, sondern durch brutale Riffs und komplexe Strukturen. Hier wird die Hörer*innenschaft, durchaus gefordert, aber mit einer extrem intensiven wie emotionalen Tour de Force belohnt. Eine Platte, die in Sachen Post Metal wohl in den Jahresbestenlisten 2026 mitmischen wird.
Autor*in: David Zuser
Tracklist „Epigrama“:
1. Epigrama
2. Nyra
3. Skepsis
4. Ydos
5. Trukmė
6. Svertas
7. Raukšlės
8. Skleistis
Gesamtspielzeit: 42:39
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