
Die Leser*innen werden sich zurecht wundern,warum gerade von einem Redakteur, der sich ansonsten in den Untiefen des Hardcore und (Oi!) Punk bewegt, das neue Album „Rituals Of Shame“ der britischen Doom Legenden WARNING besprochen wird. Leider kann ich nicht mehr eruieren wie 2006 deren letztes (!) Album „Watching From The Distance”, auf meinem Plattenteller gelandet ist, dennoch hat mich die Scheibe – inklusive des mächtigen „Bridges“ – in seinen Bann gezogen und blieb wochenlang auf Heavy Rotation.
Danach hatte ich WARNING-Mastermind Patrick Walker und seine Nachfolgeprojekte 40 WATT SUN nicht mehr wirklich am Radar, bis ich auf einen Ausschnitt aus dem Hardlore Podcast von Colin Young (TWITCHING TONGUES) und, dem leider kürzlich verstorbene, Bo Lueders (HARM’S WAY) gestolpert bin, in dieser Ausgabe war Mr. Walker im Zuge der Veröffentlichung des neuen Albums „Rituals Of Shame“ zu Gast.
Somit gab es genug nostalgische Gründe auch 2026 wieder in die Doom Welt von WARNING einzutauchen und schon der episch ausgefallene Opener und Titeltrack „Rituals Of Shame“ erfüllt alle Erwartungen. Die mächtigen Gitarren erzeugen einen unheimlichen Sog, der die Hörer*innen in die melancholischen Untiefen des Leids hinunterzieht. Verstärkt durch die gleichsam klagend wie sehnsüchtige Stimme von Patrick Walker, der wohl eine seiner besten Gesangsleistungen auf diese Platte bannt, der mantrisch die eindringlichen Worte: „I can’t closе my eyes to it“, wiederholt.
Aufgenommen in einer 140 Jahre alten ,ehemaligen Kirche, genannt The Arch Studio, geführt vom Produzenten des Vertrauens Chris Fullard, klingen WARNING reifer als auf ihrem letzten Album. Dieser warme wie einnehmende Sound, wird auch getragen vom hervorragend akzentuierten Schlagzeugspiel von Andrew Prestidge, der erst 2017 zur Band hinzugestoßen ist. Zäh schleppt sich dann „Night Comes Down“ dahin, hat trotz tonnenschweren Pathos etwas generell Tröstendes, wie eigentlich die ganze Platte sowieso. Ein Song, der mit Sicherheit auch der generellen Kompaktheit zu gute kommt, denn mit einer Spielzeit von gut 45 Minuten halten WARNING spielend die Intensität hoch. Auch das abschließende „Teacher“ geht sprichwörtlich unter die Haut und wird nicht nur eingefleischte Doom Metal Fans in seinen Bann ziehen.
WARNING veröffentlichen mit „Rituals Of Shame“ eine unglaublich intensive Platte, die vor Gänsehautmomenten, musikalischer Virtuosität, eindringlicher Langsamkeit sowie tröstlicher Schönheit nur so strotzt. Dieses Comeback-Album wird sich mit Sicherheit ganz vorne in den Jahresbestenlisten 2026 wiederfinden wird.
Autor*in: David Zuser
Tracklist „Rituals Of Shame“
1. Rituals Of Shame
2. Stations
3. Night Comes Down
4. Landing Lights
5. Teacher
Gesamtspielzeit: 45:07
